Ausflugs-Tipp

Vom U-Bahnhof Dahlem zu den Künstlern der Brücke

Ein Spaziergang durch Dahlem bietet Dörfliches und Hochkultur: Von der U-Bahn-Station mit Ferienhaus-Charakter geht es bis zum Brücke-Museum mit neu erworbenen Werken berühmter Expressionisten.

Fachwerk unter Reet, der Duft nach frisch gebackenen Brötchen steigt in die Nase, fast könnte man meinen, man befinde sich noch im Sommerurlaub und nicht vor der Bäckerei im U-Bahnhof Dahlem Dorf , dem Ausgangspunkt unseres heutigen Spaziergangs. Der Bahnhof gilt als Sehenswürdigkeit: 1987 wurde er in Japan zum schönsten U-Bahnhof Europas gekürt. Und wirklich, gleicht er doch mit seinem reetgedeckten Empfang, einem Fachwerkbau, innen mit blauen Keramikfliesen, dunkelgrün gefliestem Treppenaufgang und der Holzsitzgruppe „Liebespaare“ des Künstlers Wolf van Roy auf dem Bahnsteig, eher einem Ferienhaus mit U-Bahnanschluss (Linie 3).

Die Wegweiser auf dem Platz davor zeigen Richtung Botanischer Garten, Museum Dahlem, und die Königliche Gartenakademie. Und während die linke Sahra Wagenknecht auf einem Wahlplakat für Wohlstand für alle wirbt, ausgerechnet in Dahlem, lassen wir sie und die Wegweiser rechts liegen, und folgen der Königin-Luise-Straße gen Westen. Schräg gegenüber lockt ein Besuch in der Domäne Dahlem, einem Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur mit angeschlossenen Handwerksbetrieben.

Hunderttausende Besucher kommen jedes Jahr

300.000 Besucher zieht das historische Rittergut des ehemaligen Dorfes Dahlem jährlich mit seinen zahlreichen Marktfesten und Veranstaltungen an, allen voran das „Erntefest“ oder die „Adventsmärkte“. Aber auch sonst lohnt ein Besuch. Trifft man doch auch Alltags auf Kühe, Schweine, Schafe oder Hühner; und sei es nur, um im Hofladen der Domäne eigene Produkte aus Landwirtschaft mit Bioland-Qualität und Imkerei zu erstehen. Im Museum kann man unter anderem einen Kaufmannsladen und ein Fleischerei der 20er Jahre besichtigen oder auch ein Labor des Kaiserlichen Gesundheitsamtes zum Thema „Als der Verbraucherschutz laufen lernte“.

Weit spazieren muss man nicht, nur über die Ampel an der Pacelliallee, vorbei am Gartencenter mit blühenden Blumen und schön gewachsenen Pflanzen aller Art, zur Dorfkirche St. Annen, Königin- Luise-Straße 55. Eine Feld-und Ziegelsteinkirche mit hölzernem Turm, die über 700 Jahre Dorf- und Stadtgeschichte mit jüngerer Zeitgeschichte vereint. Um 1215 bis 1225 stand an der Stelle, so nehmen Historiker an, ein Feldstein- oder Holzbau. Ihre heutige Gestalt bekam das Gotteshaus nach 1670, zahlreiche Umgestaltungen erfolgten in den folgenden hunderten von Jahren.

Betritt man den Kirchhof heute, fordert ein Schild am Holztor dazu auf, doch bitte die Wildschweine fernzuhalten. „Gibt es Leute die die mitnehmen?“, fragt ein Mitfünfziger, als er die Tür öffnet. Die Kirche – ein Ort der Zeitgeschichte – ist leider verschlossen. So bleibt ein Gang über den Friedhof mit dem Mahnmal Erinnern für die Zukunft an Naziterror „1933-1945 Rassenwahn Krieg Diktatur“ und Ehrengräbern, darunter auch das von Rudi Dutschke (1940 -1979), dem bekanntesten Wortführer der Studentenbewegung der 60er Jahre.

Schätze im Kirchenschiff, wie die „Kreuzigungsplastik“ von Bernhard Heiliger, Ausdruck der Zerrissenheit und der Leiden, die das 20. Jahrhundert für viele Menschen mit sich brachte, das „Triptychon für Auschwitz“ von Doris Pollatschek, das nicht nur Terror, sondern auch das Versagen der Kirche aufzeigen soll und der Altarschrein mit bunt gefassten und vergoldeten Heiligenfiguren am Renaissancealtar können noch am Sonntag im Gottesdienst bewundert werden.

Meisterstücke des Expressionismus

Wir setzen unseren Weg fort, die Königin-Luise-Straße Richtung Grunewald, vorbei an Arndt- Gymnasium, Werkstattladen der sozialtherapeutischen Werkstätten im Haus der Künste (Keramik, Kerzen, Lampen aus eigener Werkstatt) und unzähligen Wahlplakaten aller Parteien. Wir biegen rechts in die Clayallee, spazieren, Wald links und Villen rechts im Blick zur Pücklerstraße. Dort biegen wir links ab, nehmen wieder links den Fohlenweg und rechts den Bussardsteig.

Im Rund der Sackgasse lockt der Flachbau des Brücke-Museums mit seiner weltweit größten zusammenhängenden Sammlung von Werken expressionistischer Künstler der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe Brücke. Seit Mitte Juni werden „Meisterstücke“ Die schönsten Neuerwerbungen des Brücke-Museums von Heckel, Schmidt-Rottluff, Kirchner & Co gezeigt. Mit einem Spaziergang durchs Museum endet unser Spaziergang durch Dahlem.