Ausflugstipp

Lichtenrade - Von der ehemaligen Feuerwache zur Mälzerei

Bei einem Spaziergang durch Lichtenrade gibt es viel zu entdecken. Eine ehemalige Feuerwache, die Dorfkirche oder den wohl größten Berliner Dorfteich und eine frühere Mälzerei.

Ein Katzensprung ist es mit dem Metro-Bus 76 vom S-Bahnhof Lichtenrade zur Ehemaligen Feuerwache in Alt-Lichtenrade 97. Fünf Stationen, Halt an der Barnetstraße/ Ecke Lichtenrader Damm, ein kurzer Fußmarsch Richtung Westen, bis wir rechts auf Alt-Lichtenrade einbiegen. „Zur alten Feuerwache“ heißt die Kneipe, die heute dort frisches Bier vom Fass verkauft, wo einst die 20 Mann starke freiwillige Feuerwehr mit pferdebespannter Löschspritze zum Einsatz ausrückte.

Nebenan lärmen spielende Kinder im Kindergarten auf Rutschen, in Sandkisten – und auf einem signalroten Feuerwehrauto zum Klettern. 1909 wurde der Bau der Feuerwache beschlossen, das Grundstück von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. 1911 folgte die Einweihung, Regierungsbaumeister Friedrich Eckler hatte das zweistöckige Gebäude im Stil barocker Landhäuser geplant: Erdgeschoss mit Backstein, Obergeschoss im Fachwerkbau und ein Steigeturm. Eine Sirene hatte die Mälzerei der Schlossbrauerei Schöneberg gestiftet; sie liegt auch auf unserem Spazierweg durch Lichtenrade.

Kirche aus dem 14. Jahrhundert

Weiter Richtung Süden fällt der Blick auf Dorfanger und die Dorfkirche Lichtenrade , ein Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert mit schlichtem Satteldach . Der ursprüngliche Turm, ein mit Brettern verkleideter Fachwerkbau, wurde 1810 abgetragen, 1902 erhielt die Kirche einen neuen aus Feldsteinen. Idyllisch daneben liegt der Giebelpfuhl, von Schilf und Trauerweiden gesäumt. Er gilt als der größte Berliner Dorfteich. Seerosen, Enten und Blesshühner geben sich alle Mühe, das Bild von der sommerlichen Idylle perfekt zu machen.

Wir umrunden den Giebelpfuhl halb, vorbei an ehemaligen Bauernhäusern und biegen links in den Bornhagenweg ein. Nach Überquerung der Straße Im Domstift – die Idylle ist längst nüchternen mehrstöckigen Wohnsiedlungen gewichen, versteckt sich rechts auf einer Rasenfläche ein Denkmal für das KZ Sachsenhausen, Außenlager Lichtenrade. Eine in den Himmel ragende Bahnschiene, am Boden von Marmor und in Granit gehalten. „Erinnern und nicht vergessen“, steht dort. Zum Gedenken an die Opfer Nationalsozialistischen Terrors.

Es geht aber doch immer weiter, ein Stück diese Straße, dann rechts ab in die Beckmannstraße. Schmucke Häuser, blühende Gärten reihen sich aneinander, die Pechsteinstraße geht es zurück zum Lichtenrader Damm und darüber hinaus in die Goltz- und die Bahnhofsstraße. Belebte Einkaufsmeilen mit Schuh- und Textilgeschäften, Reinigung, Restaurants, Cafés, Supermärkten.

Kurz vor dem S-Bahnhof Lichtenrade machen wir noch einen Abstecher in die Steinstraße zur ehemaligen Mälzerei der Schöneberger Schlossbrauerei . Der mächtige, zwischen 1897 und 1890 errichtete fünfgeschossige Backsteinbau mit hohen Giebeln im Stile der Neorenaissance wird heute von einem Veranstaltungsservice als Lagerraum genutzt.

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