Asbestsanierung

Steglitzer Kreisel könnte zum Kunsthaus werden

Bislang schlugen alle Versuche, den Steglitzer Kreisel im Berliner Südwesten zu verkaufen, fehl. Jetzt möchte ein Investor die asbestverseuchte Immobilie in ein Kunst- und Lagerhaus verwandeln.

Foto: David Heerde

Im Spätsommer 2012 soll die Asbestsanierung des Steglitzer Kreisels beginnen. So hat es der Senat geplant – falls sich nicht doch noch vorher ein Käufer oder ein Nutzer findet. Beide Optionen stehen für Sven Lemiss, Geschäftsführer der Berliner Immobiliengesellschaft (BIM), noch zur Debatte. Es gebe immer wieder Investoren, die sich für das leer stehende Hochhaus an der Schloßstraße im Bezirk Steglitz-Zehlendorf interessierten, sagt Lemiss. Aber auch dem Projekt des Architekten Gert Eckel, den 118 Meter hohen Büroturm als Kunst- und Lagerhaus zu nutzen, bis sich der Immobilienmarkt wieder für Büroflächen im Südwesten interessiert, erteilt er keine generelle Absage. „Wir müssen prüfen, ob es machbar ist“, sagt Lemiss.

Mit seiner Idee eines „Kulturkraftwerkes“ ist Gert Eckel vor etwa einem Jahr an die Öffentlichkeit gegangen. Jetzt hat er seine Pläne noch einmal überarbeitet und Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) präsentiert. Dieser habe sich interessiert gezeigt, sagte Eckel nach dem Gespräch. Das neue Konzept sieht eine Zwischennutzung des Kreisels für 15 Jahre durch eine gemeinnützige Projektgesellschaft vor. In dieser Zeit soll das Hochhaus mit einer Fotovoltaik-Fassade versehen werden, die als Projektionsfläche für Videokunst, aber auch als Werbefläche genutzt werden kann. Auf dem Dach ist ein Solar-Erlebnispark geplant. Durch die Solarmodule, die auf die Fassade aufgesetzt werden, soll der Asbest zwischenzeitlich so verschlossen werden, dass keine Schadstoffe nach außen dringen.

In der gläsernen Lobby im Erdgeschoss könnte nach Eckels Plänen ein Ort der Begegnung mit der jüdischen Kultur entstehen, so zum Beispiel ein Restaurant. Im Hochhaus sollen Lager- und Abstellräume für Künstler sowie Container eingerichtet werden, in denen auch Privatleute Gegenstände lagern können – sogenanntes „Selfstorage“. Die obersten drei Etagen will Eckel für Event-Gastronomen reservieren. Das Nutzungskonzept würde dem Land Zeit geben, um „Potenziale für eine Zukunftsplanung vorzubereiten“, sagt der Architekt. „Wenn rund um den Alexanderplatz alles vermietet ist, wird die Nachfrage nach Flächen im Südwesten kommen.“

Sven Lemiss von der BIM muss jetzt vor allem prüfen lassen, ob „das Projekt vor dem Hintergrund der Schadstoffsituation überhaupt genehmigungsfähig ist“. Ansonsten sei es eine politische Entscheidung, ob das Land Zeit gewinnen wolle oder nicht, sagt Lemiss. Derzeit bereitet die Firma Convis, die bereits Erfahrungen mit dem Palast der Republik hat, die Asbestsanierung des Steglitzer Kreisels vor. 32 Millionen Euro hat das Land dafür veranschlagt.

Für den Miteigentümer des Steglitzer Kreisels, Becker & Kries, ist die Asbestsanierung die einzige Option. Dem Immobilienunternehmen gehört der Sockel des Gebäude-Ensembles, der bereits vom Asbest befreit ist. Die Sanierung des Hochhauses müsse gemacht werden, sagt Geschäftsführer Christian Kube. Daher unterstütze Becker & Kries das Vorgehen des Landes. Drei Jahre sind für die Sanierung geplant. Übrig bleiben wird ein Skelett aus Stahl mit betongegossenen Zwischendecken. Aufgabe eines künftigen Investors oder Käufers wird es sein, den Rohbau wieder mit einer Fassade und sämtlicher Technik zu versehen.

Seit November 2007 steht das asbestverseuchte Hochhaus, das mehr als 20 Jahre von der Bezirksverwaltung genutzt wurde, leer. Sämtliche Versuche, das Gebäude zu verkaufen, schlugen bislang fehl. Die Leerstandsbewirtschaftung – darunter unter anderem Betriebskosten und Bauunterhalt – kostet das Land jeden Monat 87.000 Euro.