Lange Jahre hat es gedauert. Ideen wurden gesammelt, diskutiert und im letzten Moment kam es sogar zu einer grundlegenden Umplanung. Nun ist der neue Look für den Marktplatz der Spandauer Altstadt in seinen wesentlichen Punkten gefunden. Die Bezirksverordneten der Fachausschüsse gaben Baustadtrat Thorsten Schatz (CDU) dafür jetzt grünes Licht.
Das Projekt greift in alle Alltagsdinge im Zentrum der Altstadt ein. Das reicht von Marktgeschehen und Gastronomie bis zu Veranstaltungen mit Publikum und Bühnen. Bei einer außerordentlichen Sitzung der Ausschüsse für Bauen sowie für Stadtentwicklung präsentierte Schatz den neuen Markt. Die Aufteilung ist bestimmt von etwa einem halben Dutzend Grünflächen, die die bisherigen Hochbeete ersetzen und von geschwungenen großen Kübeln eingefasst sind.
Altstadt Spandau: Der traditionsreiche Marktplatz wird umgebaut
Eine der Grüninseln umrahmt dabei einen Spielplatz. Eltern können rundherum Platz nehmen. Nicht zuletzt in Hinblick auf zunehmende Sonneneinstrahlung in Folge des Klimawandels wird der Bereich durch Bepflanzung verschattet sein. Ebenfalls klimagemäß ermöglicht die neue Bodengestaltung ein Versickern von Regenwasser. Darüber hinaus soll es in unterirdische Tanks geleitet werden, aus denen wiederum die Bewässerung der Grünanlagen fließen wird.

Eine Forderung aus vorangegangenen Bürgerbeteiligungen war: mehr Sitzgelegenheiten. Auf dem neuen Marktplatz sind daher alle Baumgruppen baulich von Konstruktionen begrenzt, die sich als Bänke nutzen lassen. Weil auch Barrierefreiheit und Inklusion zu den Wünschen der Bürger gehörten, will Schatz die Sitzreihen an einigen Stellen so öffnen, dass sich Rollstuhlfahrer zwischen den anderen dort sitzenden Menschen positionieren können.
Die Altstadt Spandau soll mehr Open-air-Platz für Restaurants bekommen
Das Konzept sieht außerdem vor, mehr Gastronomie auf den Platz zu bringen. Eine Strategie des Bezirks ist es, ihr größere Außenflächen zu ermöglichen. So können Restaurantmacher zukünftig schon bei Anmietung belastbar erfahren, wie viele Gäste sie zusätzlich auf dem Marktplatz bewirten können.
Ein besonderes Highlight im Wortsinn stellt die indirekte Abend- und Nachtbeleuchtung dar, die etwa um Brunnen und Grünbereiche installiert werden soll. Damit ist Schatz kühn vorangeprescht, denn derartiges gibt es in der Stadt bislang nicht – „das Beleuchtungskonzept im Land Berlin sieht so etwas nicht vor“, sagt er. Die Umsetzung gilt es bis zur Endfassung der Baupläne innerhalb der Behörden zu klären.
Vorübergehend wird es zu Umstellungen kommen
Zum Bedauern vieler Spandauer wird sich der Umbau auf das Marktgeschehen auswirken. Der traditionsreiche Wochenmarkt muss Schatz zufolge vorübergehend komplett entfallen. Mit dem Veranstalter werde deshalb abgestimmt, ob Bedarf nach einer Ersatzfläche besteht. Das Bezirksamt würde in dem Fall Alternativflächen stellen. Ebenfalls anders organisiert wird der Weihnachtsmarkt, der nicht nur Spandauer, sondern Gäste aus ganz Berlin anzieht. Als Übergangslösung will Schatz dafür die umliegenden Straßen in der Altstadt zur festlichen Nutzung freigeben.
Dem jetzigen Rohkonzept ging ein ganz anderer Entwurf voraus. Basierend auf den Vorgaben von Ämtern und Bürgerbefragung hatte ein Planungsbüro im Auftrag des Bezirks eine Vorlage erstellt und im Mai 2022 abgeschlossen. Diese widersprach den Vorstellungen des seit November 2021 amtierenden Baustadtrats. „Beispielsweise hätten Wochen- und Weihnachtsmarkt in bisheriger Form nicht mehr stattfinden können“, sagt er. In Eigeninitiative nahm sich ein Mitarbeiter von Schatz den Entwurf erneut vor und lieferte letztlich entscheidende Veränderungen, etwa an der Gruppierung der Grünanlagen. Seine Variante wurde zur Grundlage des aktuellen Konzepts.
Im Brandfall muss der Platz auch während des Umbaus für die Feuerwehr zugänglich sein
Der Zeitplan sieht Schatz zufolge so aus: Nachdem die Ausschüsse jetzt den Eckpunkten zugestimmt haben, geht es in die Feinplanung. Da ist beispielsweise zu klären, wie die Bauabschnitte getaktet werden. Schatz will in kleinen Schritten vorangehen. Das sei unter anderem auch deshalb zwingend, um der Feuerwehr im Fall von Löscharbeiten in vollem Umfang Zugang zum Platz zu sichern.
Nach derzeitigem Planungsstand wird der zentrale Platz der Altstadt ab Anfang 2025 umgestaltet. Die Bauzeit setzt Schatz mit zwei bis drei Jahren an. Seit 2015 ist das Viertel Fördergebiet. Mit rund 50 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ sollen so städtebauliche Mängel beseitigt, kulturelle Angebote etwa durch mehr Platz für Konzerte und Bühnen ausgebaut und eine der wenigen verbliebenen Berliner Fußgängerzonen als Einkaufsort gestärkt werden. Im Mai 2022 waren in Zuge dessen die Arbeiten am Reformationsplatz beendet worden. Die zum jetzigen Zeitpunkt vorgesehenen Kosten für den Markt sind bei fünf Millionen Euro angesetzt.


