Innovationszentrum

Siemens errichtet für 600 Millionen Euro Campus in Berlin

In Siemensstadt soll ein Innovationszentrum entstehen. Am Mittwoch wurde die Entscheidung verkündet.

Das Werner-Werk Hochhaus von Siemens am Nonnendamm im Bezirk Spandau. Der Technologiekonzern Siemens plant ein großes Innovationszentrum und will dafür 500 bis 600 Millionen Euro investieren

Das Werner-Werk Hochhaus von Siemens am Nonnendamm im Bezirk Spandau. Der Technologiekonzern Siemens plant ein großes Innovationszentrum und will dafür 500 bis 600 Millionen Euro investieren

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin/München. Der von Siemens geplante Innovationscampus mit Investitionen von bis zu 600 Millionen Euro wird in Berlin verwirklicht. Diese Standort-Entscheidung hat Siemens getroffen, mit der Landesregierung wurde am Mittwoch in Berlin eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Der Konzern will auf 35 Hektar im Spandauer Ortsteil Siemensstadt einen Campus mit Büros, Labors, Forschungsflächen und Wohnungen und ein Hotel errichten. Es handelt sich um die größte Investition des deutschen Weltkonzerns an seinem Gründungsort.

Den ganzen Dienstag hatten die Berliner Landespolitiker auf die Entscheidung aus München gewartet, ehe am Nachmittag die ersehnten Anrufe eingingen. Der Vorstand hielt Wort, seine Entscheidung noch im Oktober zu treffen, am Mittwoch wurde die Entscheidung dann verkündet. Zur Wahl stand entweder eine große Investition am historischen Standort Berlin an der Nonnendammallee oder ein Zukunftscampus auf der grünen Wiese am Rande einer asiatischen Metropole. Wenn es nicht Berlin würde, wäre das Projekt international ausgeschrieben worden. Am Ende haben sich im Konzern aber die Berlin-Befürworter um den für Energiemanagement zuständigen Vorstand Cedrik Neike durchgesetzt.

Entgegenkommen beim Denkmalschutz

Zunächst hatte es nicht danach ausgesehen. Die Pläne für einen „Innovationscampus“ waren Ende Juli durchgesickert, verbunden mit einer Kritik an dem wenig engagierten Verhalten des Berliner Senats und des Regierenden Bürgermeisters. Dann aber agierte die Berliner Politik in einem kaum gekannten Tempo und mit großer Entschlossenheit. Anders als 2011, als die neue Siemens-Sparte Infrastruktur und Städte nach München ging und eben nicht nach Berlin, auch weil sich der Senat nicht genügend bemüht habe, wie es damals hieß. Aber Müller traf sich jetzt mit Vorstand Neike zum Chefgespräch, beim zweiten Treffen waren auch die beiden Bürgermeister und Koalitionspartner Klaus Lederer (Linke) und Ramona Pop (Grüne) dabei.

Lederer konnte als für den Denkmalschutz zuständiger Senator offenbar die Bedenken zerstreuen, Berlin könnte zu streng auf dem Erhalt der geschützten Fabrikgebäude beharren. An seinen Einwänden war zuvor der Plan des Siemens-Vorstandes gescheitert, seine Berlin-Repräsentanz samt eines Neubaus im Garten des historischen Magnus-Haus in Mitte zu errichten. Pop wiederum kümmerte sich als Wirtschaftssenatorin um viele Detailfragen und hielt Kontakt zu Neike.

Schließlich verständigten sich beide Seiten Anfang Oktober auf ein erstes Konzept und ein Eckpunktepapier für den Standort Berlin. Darin sicherte der Senat unter anderem Entgegenkommen beim Denkmalschutz zu sowie eine planungsrechtliche Umwandlung der Flächen von Industrie- in ein Mischgebiet. Die Bundesregierung musste mit ins Boot wegen der großen industriepolitischen Bedeutung der Entscheidung für ganz Deutschland.

Berlins Senat hat schneller gehandelt als erwartet

Denn der Siemens-Konzern möchte die Siemens-Bahn reaktivieren, um so den Campus ans S-Bahn-Netz anzubinden. Und man benötigt Breitband für schnelle Datenleitungen auf dem Gelände. Wie es hieß, lag es am Bund, dass die Münchener nicht schon früher den Daumen für Berlin hoben. Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) war dessen Staatssekretär, der frühere Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum (SPD) in die Gespräche involviert.

Letztlich haben wohl mehrere Gründe die Siemens-Vorstände von Berlin überzeugt, vermuten gut informierte Beobachter. Der Konzern müsse sowieso etwas anfangen mit seinen nicht voll ausgenutzten Flächen in der Siemensstadt. Zudem sei Berlin als Ort für die Rekrutierung von jungen Talenten wirklich eine gute Wahl. Außerdem verhandelt der Konzern völlig unabhängig von dem großen Immobilieninvestment seit Monaten mit dem Land Berlin über einen Forschungs- und Entwicklungscampus für 60 Millionen Euro.

So etwas braucht Siemens, denn trotz der mehr als sechs Milliarden Euro Jahresgewinn plagt man sich mit Problemen in einigen Sparten, vor allem der Energiesektor und die Turbinenproduktion schwächeln. So sollen auch im Berliner Gasturbinenwerk in Moabit und im Dynamowerk in Siemensstadt Stellen abgebaut werden. Und schließlich hat das schnelle Handeln des Senats die Kritiker beeindruckt. Die Berliner seien drei Monate schneller gewesen als man es in München erwartet habe, hieß es.

„Das ist in dieser Woche ein gutes Signal, nachdem das mit Google passiert ist“ sagte der CDU-Wirtschaftsexperte Christian Gräff. Er bezog sich auf die Entscheidung des amerikanischen Internet-Giganten, auf ein geplantes Start-up-Zentrum in Kreuzberg nach Protesten aus der Nachbarschaft zu verzichten.

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