Siemensstadt

Siemens will große Teile von Siemensstadt selbst entwickeln

Senat und Siemens verhandeln schon länger über ein Start-up-Projekt. Aber inzwischen geht es um die Gesamtentwicklung Siemensstadts.

Das Werner-Werk Hochhaus von Siemens am Nonnendamm im Bezirk Spandau. Der Technologiekonzern Siemens plant ein großes Innovationszentrum und will dafür 500 bis 600 Millionen Euro investieren

Das Werner-Werk Hochhaus von Siemens am Nonnendamm im Bezirk Spandau. Der Technologiekonzern Siemens plant ein großes Innovationszentrum und will dafür 500 bis 600 Millionen Euro investieren

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin. Beim Treffen des Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Siemens-Konzernvorstand Cedrik Neike und dem Ostdeutschland- und Energy-Division-Chef Frank Büchner ging es am Mittwoch zunächst mal um Informationen. Denn offiziell weiß man im Roten Rathaus nichts Konkretes über die Pläne des Konzerns für Siemensstadt, die vergangene Woche unter dem Schlagwort „Zukunftscampus“ bekannt geworden sind. „Siemens wird uns erst einmal sagen, was sie eigentlich planen“, so eine Senatssprecherin.

Tatsächlich wurde der Senat von den offenbar aus der Münchener Siemens-Zentrale durchgesickerten Ideen für eine Investition von bis zu 600 Millionen Euro in Siemensstadt überrascht. Man hatte seit Monaten mit dem Konzern über einen kleiner dimensionierten Start-up- und Wissenschaftscampus verhandelt.

Siemens will in Siemensstadt Immobilien entwickeln

Aber Siemens plant in Berlin mehr als nur einen Campus für Start-ups. Nach Informationen der Berliner Morgenpost geht es neben dem eigentlichen Wissenschaftspark auch um eine großflächige Immobilienentwicklung, die weite Teile der Siemensstadt verändern würde. So erklärt sich auch die hohe Investitionssumme von bis zu 600 Millionen Euro.

Kern des Vorhabens soll aber der „Industrie- und Wissenschaftscampus Berlin“ sein. Dabei sind auch die Technische Universität, das Fraunhofer-Institut und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Dieses Wissenschaftsprojekt stellt mit einer Investitionssumme von 50 bis 60 Millionen Euro aber nur einen kleinen Teil des Gesamtvorhabens dar. Ein Teil davon könnte aus Berliner Wirtschaftsfördertöpfen fließen.

IG Metall erwartet berufliche Perspektiven für Beschäftigte

Der Campus soll nach bisherigen Überlegungen in den historischen Backsteinhallen neben dem Dynamowerk an der Nonnendammallee entstehen, schräg gegenüber der Berliner Siemens-Niederlassung. Gedacht ist daran, dort junge Firmen anzusiedeln und dazu passend neue Professuren für Entwicklung neuer Werkstoffe, digitalisierte Fertigung oder für neue Produktionsverfahren. Nach den Sommerferien soll eine grundsätzliche Vereinbarung unterschrieben werden.

Die IG Metall erwartet von einem Zukunftscampus auch eine berufliche Perspektive für die Beschäftigten des Siemens-Dynamowerks und des Gasturbinenwerks, die von Personalabbau bedroht sind. „Für konstruktive Gespräche stehen wir bereit“, sagte die Vizechefin der Gewerkschaft in Berlin, Regina Katerndahl.

CDU mahnt: Nicht mit leeren Händen ins Gespräch

Neben diesen Plänen wollen die Siemens-Manager den umfangreichen Grundstücks- und Gebäudebesitz weiter entwickeln, der dem Konzern an seinem historischen Hauptsitz noch immer gehört. Gedacht ist an eine Entwicklung großer Teile der Siemensstadt, an eine Verdichtung mit neuen Wohnungen – unter anderem für Studenten. Denn viele der denkmalgeschützten Hallen und der Flächen sind seit Langem nicht mehr voll genutzt. Bisher steht auch der Denkmalschutz anderen Nutzungen im Wege. Im Senat hat man Entgegenkommen signalisiert.

Die rot-rot-grüne Landesregierung ist optimistisch, dass die Stärke der Berliner Wissenschaft und der Start-up-Szene auch die Berlin-Skeptiker in dem Münchener Konzern von der Investition überzeugt. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) verwies auf die „lange gemeinsame Geschichte“ von Siemens und Berlin. Immerhin sei das Unternehmen hier gegründet worden. „Zudem sind wir mittlerweile einer der führenden Digitalstandorte auf der Welt. Wir haben ausreichend Fachkräfte zur Verfügung, die auch viele Ideen für die neue, moderne Industrie haben“, sagte Pop der Morgenpost. Zahlreiche Unternehmen kämen mit ihren Innovationseinheiten genau deshalb nach Berlin. Diese Verbindung von Tradition und Neuem spreche „sehr dafür, dass Berlin der beste Standort für den Zukunftscampus von Siemens“ sei. Wenn damit auch verbunden sei, dass das Quartier Siemensstadt revitalisiert wird, „wäre das eine sehr gute Nachricht für Berlin“.

Die CDU mahnte vor dem Spitzengespräch an, „nicht mit leeren Händen“ zu Siemens zu kommen. Auf dem geplanten Campus müssten Berliner Start-ups angesiedelt werden, so CDU-Wirtschaftsexperte Christian Gräff. Zudem solle der Senat einen zentralen Ansprechpartner für das ganze Projekt benennen.

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