Innovationszentrum in Spandau

Durchbruch: Senat gibt grünes Licht für Siemens-Campus

Konzept innerhalb kurzer Zeit erarbeitet. Nun muss der Konzern über das 600-Millionen-Projekt entscheiden

Das Werner-Werk Hochhaus von Siemens am Nonnendamm im Bezirk Spandau. Der Technologiekonzern Siemens plant ein großes Innovationszentrum und will dafür 500 bis 600 Millionen Euro investieren

Das Werner-Werk Hochhaus von Siemens am Nonnendamm im Bezirk Spandau. Der Technologiekonzern Siemens plant ein großes Innovationszentrum und will dafür 500 bis 600 Millionen Euro investieren

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin.  Auf dem Weg zu einem großen Innovationscampus von Siemens hat Berlin im Kampf gegen mögliche internationale Konkurrenten einen wichtigen Schritt nach vorn getan. Der Senat und Siemens-Digitalisierungsvorstandsmitglied Cedrik Neike einigten sich auf ein „Konzept- und Eckpunktepapier für den Standort Berlin“. Der Inhalt ist vertraulich.

Es geht darum, wie Berlin dem Unternehmen Siemens unter anderem beim Denkmalschutz, beim Planungsrecht und bei der Verkehrsanbindung entgegenkommen möchte, damit der Vorstand davon absieht, die Investition von bis zu 600 Millionen Euro weltweit auszuschreiben. Mit diesem Angebot Berlins kann Neike nun im Siemens-Vorstand eine Entscheidung herbeiführen. Wie zu hören ist, soll das Papier womöglich schon am Montag, und damit früher als erwartet, im Vorstand vorgestellt werden.

Arbeitsgruppe zwischen Senat und Siemens

Anfang August hatten der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Siemens-Manager Neike vereinbart, schnell eine Grundlage für eine Entscheidung schaffen zu wollen. Binnen drei Monaten sind die Themen zwischen einer Senats-Arbeitsgruppe und Siemens-Managern konkretisiert worden. Nun kann entschieden werden, ob die Offerte Berlins so gut ist, dass Siemens darauf verzichtet, andere Optionen zu prüfen.

Neike sprach am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung mit Müller von einer „tragfähigen Grundlage für unser Konzept“. Jedoch gebe es auch „großes Interesse aus dem In- und Ausland“, so das aus Berlin stammende Siemens-Vorstandsmitglied. „Wir werden jetzt zeitnah alle Optionen prüfen und im Vorstand zügig eine Entscheidung treffen, um die nächsten Schritte einzuleiten.“ Müller zeigte sich optimistisch: „Mit diesem Eckpunktepapier verbindet sich in meinen Augen die Möglichkeit, die Siemensstadt wieder zu einem Ankerpunkt unserer Bemühungen zu machen, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Berlin international zu stärken und zu sichern.“ Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte: „Wir wollen den Innovations-Campus auf den Weg bringen, ein zukunftsweisendes Projekt für Siemens, die Siemensstadt und ganz Berlin.“

Siemens plant auf 950.000 Qua­dratmetern eine städtebauliche Neuentwicklung in Siemensstadt.

Hier gehören dem Konzern, um dessen Fabriken herum der Spandauer Stadtteil Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden war, neben den Produktionsgebäuden noch viele weitere Grundstücke. Das Schaltwerk aus den 20er-Jahren und das bis 1906 errichtete Dynamowerk sollen als Produktionsstätten in den Campus eingebunden werden. Dazwischen sind auf 35 Hektar Fläche Wohnhäuser, Forschungsinstitute, ein Hotel, eine Schule und Einzelhandel vorgesehen.

Ungewöhnlich zügig haben die Senatsvertreter Grundlagen für eine positive Entscheidung des in Berlin gegründeten Konzerns gelegt. Bei solchen Projekten geht es üblicherweise um den Denkmalschutz der Gebäude, die planungsrechtliche Umwidmung der Produktionsflächen in ein Mischgebiet. Das dauert normalerweise sehr lange. Wichtig sind darüber hinaus auch der Breitbandanschluss und die Verkehrsanbindung. Für Siemensstadt ist geplant, die S-Bahn mit dem Bahnhof Siemensstadt zu reaktivieren.

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