Pendlerverkehr

Länder weisen Kritik aus Spandau und Falkensee zurück

Spandau und Falkensee hatten in einem offenen Brief eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs gefordert.

Foto: BM

Spandau. Der Bezirksbürgermeister von Spandau, Helmut Kleebank (SPD), und der Bürgermeister von Falkensee, Heiko Müller (SPD), haben in einem gemeinsamen offenen Brief die Länder Berlin und Brandenburg kritisiert. Es werde nicht genug für die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs getan, hieß es in dem Brief, der an Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) und Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) verschickt wurde. Außerdem sei es notwendig, dass die Länder enger zusammenarbeiten und ganzheitlich denken. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat die Kritik nun zurückgewiesen.

„Die Kritik können wir nicht nachvollziehen, da Berlin und Brandenburg verkehrspolitisch sehr eng zusammenarbeiten“, erklärt Pressesprecherin Dorothee Winden auf Nachfrage. „Die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs in der Metropolregion Berlin-Brandenburg ist ein gemeinsames Anliegen beider Landesregierungen“, man würde sich zu allen relevanten Fragen regelmäßig austauschen. Auch Steffen Streu, Pressesprecher des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung in Brandenburg, betont die enge Zusammenarbeit der Länder.

Bürgermeister schlagen Abschaffung der ABC-Tarifzonen vor

Konkret hatten die beiden Bürgermeister gefordert, das Bahnfahren attraktiver zu machen - etwa durch einen großen Park-&-Ride-Parkplatz am Bahnhof Seegefeld in Falkensee, der das Umsteigen erleichtert. Außerdem schlugen sie vor, den Bahnhof von der Tarifzone C in die günstigere Tarifzone B zu heben, um diesen bei Pendlern beliebter zu machen. Noch besser fänden es Kleebank und Müller, die Tarifzonen ABC völlig abzuschaffen.

Darauf gibt es jedoch kaum Hoffnung. „Eine Verschiebung in den Tarifteilbereich Berlin AB wird aufgrund der Regeln des VBB-Wabensystems nicht verfolgt“, sagt Eike Arnold, stellvertretender Pressesprecher des Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB). „Im Stadtgebiet Berlin und in den Stadtgebieten der kreisfreien Städte des Landes Brandenburg sind ausschließlich deren zugehörige Ortsteile diesen Tarifgebieten zugeordnet.“ Eine Abweichung davon wäre für Fahrgäste schwer verständlich, argumentiert Arnold.

Die gute Nachricht ist aber: In Bezug auf die Platzkapazitäten und die Frequenz der häufig überfüllten Züge soll sich in den kommenden Jahren etwas tun. So sei es vorgesehen, ab dem 2. Quartal 2019 Doppelstockzüge für die RB10 einzusetzen. Ab Dezember dieses Jahres sind bereits zusätzliche Fahrten der RE2 zwischen Nauen und Berlin geplant, teilt Pressesprecherin Winden mit. Weitere Veränderungen im Fahrplan sollen ab Dezember 2022 folgen.

Geforderter Straßenausbau scheint in Teilen möglich

Auch in Bezug auf den Autoverkehr hatten die beiden Bürgermeister mehrere Vorschläge gemacht, darunter der Ausbau von Teilen der Spandauer Straße und der Falkenseer Chaussee, sowie ein Lückenschluss von Brunsbütteler Damm und der Landesstraße 20. Die Maßnahmen sollen die Zahl der derzeit alltäglichen Staus verringern. Dazu erklärt Pressesprecherin Winden: „Bei der Falkenseer Chaussee zwischen Landesgrenze und Stadtrandstraße überlagern sich derzeit mehrere Umbauvorhaben, die nicht einzeln umgesetzt werden können, sondern die aufeinander abgestimmt werden müssen.“ Ein Abstimmungstermin mit dem Bezirk Spandau sei aber bereits geplant.

Die vorgeschlagene Verlängerung des Brunsbütteler Damms bis zur Landesstraße 20 wird es aber wohl nicht geben. Mit der Bundesstraße 5 und der Spandauer Straße gebe es bereits zwei überregionale Verbindungen zwischen Berlin und dem Havelland, teilt Pressesprecher Streu mit. „Aus diesem Grund gibt es aus verkehrsplanerischer Sicht des Landes Brandenburg keine Notwendigkeit eine zusätzliche, funktional höherwertige Anbindung des Brunsbütteler Damms an die Landesstraße 20 zu schaffen.“

Auch ob der ins Spiel gebrachte Park-&-Ride-Parkplatz am Bahnhof Seegefeld entsteht, ist offen. „Grundsätzlich unterstützen wir den Bau von Park-&-Ride-Parkplätzen“, erklärt Streu. „Gerade im unmittelbaren Stadt-Umlandverkehr setzen wir noch stärker auf die Verknüpfung von Bussen und Bahnen.“ Ob der vorgeschlagene Parkplatz dabei helfen könne, müsse zunächst in einem übergreifenden Konzept geprüft werden.

Mehr zum Thema:

Falkensee und Spandau wollen Pendlern helfen

Spandauer SPD fordert U-Bahn-Ausbau im Bezirk

Spandauer SPD fordert U-Bahn-Ausbau im Bezirk