Pendlerverkehr

Falkensee und Spandau wollen Pendlern helfen

Die Bürgermeister stellen Vorschläge für den Nahverkehr vor – zum Beispiel die Abschaffung der ABC-Tarifzonen.

Foto: BM

Berlin/Falkensee.  Mit dem Ende der Sommerferien wird es auf den Straßen und Schienen wieder spürbar voller. Und das nicht nur innerhalb Berlins: Denn die Zahl der Menschen, die in die Hauptstadt oder von hier aus ins Umland pendeln, steigt stetig. Allein aus dem Havelland fahren laut Pendleratlas der Arbeitsagentur täglich mehr als 21.000 Menschen zu ihren Jobs nach Berlin. Der Bezirksbürgermeister von Spandau, Helmut Kleebank (SPD), und der Bürgermeister der Stadt Falkensee, Heiko Müller (SPD), haben nun einen offenen Brief an Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) und die Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) geschrieben.

Darin fordern sie die Verantwortlichen auf, mehr für die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs zu tun. Außerdem erklären Kleebank und Müller, es sei notwendig, dass die beiden Länder enger zusammenarbeiten. „Es ist längst an der Zeit umzudenken. Ideen und Maßnahmen zum Personennahverkehr dürfen nicht an den Grenzen zu Brandenburg haltmachen“, so Kleebank.

In ihrem Brief schreiben die beiden Bürgermeister, Spandau, Falkensee und den anderen Orten im östlichen Havelland komme bei der Bewältigung der Verkehrsprobleme besondere Bedeutung zu. Falkensee ist die am schnell­sten wachsende Stadt Deutschlands, seit 1990 hat sich die Einwohnerzahl auf mittlerweile über 45.000 verdoppelt. Auch die umliegenden Orte wachsen, berichtet Falkensees Bürgermeister Müller. Damit wachsen auch die Probleme für Pendler. „Die Züge sind zu Berufszeiten völlig überfüllt, und wir haben dieselbe Situation auf den Straßen. Hier kommt es zu erheblichen Staus.“

Konkrete Forderungen mit Bezug auf den Straßenverkehr

In ihren konkreten Forderungen beziehen sich Kleebank und Müller zum einen auf den Straßenverkehr. Mehrere Straßen sollen nach ihrer Ansicht ausgebaut werden. Sie appellieren etwa, den Brunsbütteler Damm, der bislang vor der Berliner Landesgrenze endet, bis zur Landesstraße 20 zu verlängern. Außerdem sollten die Spandauer Straße und die Falkenseer Chaussee, die in Teilabschnitten bislang zweispurig sind, ausgebaut werden. Allerdings schränken Müller und Kleebank ein: Selbst wenn die Pläne umgesetzt werden, bleibe die Situation kritisch, da auch Straßen weiter stadteinwärts überlastet seien. Kern ihres Briefs ist deshalb der ÖPNV.

Entlastung könnte hier ab 2022 kommen, ab dann sind zusätzliche Verbindungen und Sitzplätze auf Berlin-Brandenburger Strecken geplant. Die Bürgermeister fordern darüber hinaus, dass zusätzliche Parkplätze geschaffen werden, um den Umstieg zur Bahn zu erleichtern. Als Beispiel nennen sie den Bahnhof Seegefeld, an dem ein großer Park&Ride-Platz an der Landesstraße 20 gebaut werden könnte. Freie Flächen sind genügend vorhanden.

Problem des Bahnhofs ist jedoch: Seegefeld gehört zu der teureren Tarifzone C und ist deshalb für Pendler unattraktiver als der knapp einen Kilometer entfernte Bahnhof Albrechtshof, der in Berlin und damit in der Zone B liegt. „Unser Vorschlag ist deshalb, den Haltepunkt Seegefeld in die Tarifzone B aufzunehmen“, schreiben die Bürgermeister. „Nur dann wird die Attraktivität des Haltepunktes so steigen, dass ein massiver Ausbau der dortigen Stellplätze sinnvoll erscheint.“

Noch besser fänden es Kleebank und Müller, das Tarifsystem grundsätzlich abzuschaffen und durch einen einheitlichen Tarif zu ersetzen. „Wozu sind Tarifzonen hilfreich, wenn die Leute hier Bahnangebote annehmen sollen?“, so Bürgermeister Müller. „Die Tarifzonen führen nur zu mehr Verkehr, weil die Menschen versuchen, möglichst einen billigeren Bahnhof zu erreichen.“

Hoffnung auf die Abschaffung der bestehenden Tarifzonen gibt es jedoch kaum. Wie Steffen Streu, Pressesprecher des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung in Brandenburg erklärt, gebe es klare Zuordnungsregeln, nach denen eine Ausweitung des B-Bereichs nicht vorgesehen sei. „Seegefeld in die Tarifzone B aufzunehmen, würde das gesamte System aufweichen“, so Streu. Zu den weiteren Forderungen der Bürgermeister lagen von Senatsverwaltung und Ministerium bis Redaktionsschluss keine Antworten vor.

Spandauer CDU wirft Bürgermeister Ideen-Klau vor

Heftige Kritik an dem Brief gibt es derweil von der Spandauer CDU. Sowohl in der Bezirksverordnetenversammlung als auch im Berliner Abgeordnetenhaus habe es bereits ähnliche Initiativen der Partei gegeben, etwa zu der Verlängerung des Brunsbütteler Damms oder der Ausweitung des Tarifgebiets B.

Die Ideen seien geklaut – und zudem bislang regelmäßig von der SPD abgelehnt worden, heißt es in einer Mitteilung. „Ursache des unmittelbar bevorstehenden Verkehrskollaps in Spandau sind rot-rote und rot-rot-grüne Verkehrsideologien in Brandenburg und Berlin“, erklärt der Bundestagsabgeordnete Kai Wegner. „Der für die Verkehrsinfrastruktur zuständige Senat verschläft schon seit Jahrzehnten Chance um Chance, um die vielen Neubaugebiete im Bezirk schnell anzubinden.“

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