Es ist der Tag der Mahnwache für die 116 Bäume in der Ollenhauerstraße. Aber am Morgen liegt ein Baum bereits gefällt und in Stücke zerlegt auf dem Mittelstreifen und niemand weiß, warum das so ist. Eigentlich sollen die Bäume erst ab Oktober gefällt werden. Und wenn es nach den Aktivisten geht: Sollen sie gar nicht gefällt werden. Sie fordern ein Moratorium und eine Umplanung.

Am Dienstag haben gut drei Dutzend Anwohner und Aktivisten für den Erhalt der 116 Bäume in der Ollenhauerstraße demonstriert. Ein Lautsprecherlastenrad fuhr, begleitet von zwei Fahrradpolizisten, die Straße rauf und runter und informierte und spielte Waldgeräusche ab. Andere Teilnehmer hatten sich mit Schildern wie „Straßen gut gestalten, Bäume erhalten“, „Jeder Baum zählt“ oder „Ich bin nur wegen der Bäume hier!“ an den Bäuen verteilt.

Baumdemo in der Ollenhauerstraße
Der radfahrende Teil der Baumdemo in der Ollenhauerstraße. © Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Sie hielten die Schilder in Richtung Autoverkehr und suchten das Gespräch mit Passanten, um sie darüber zu informieren, was die Pläne für den Umbau bedeuten. Nämlich: Radwege auf den Bürgersteig. Und dafür müssen, wegen gesetzlicher Abmessungsgrenzen, die Bäume weichen. Radfahrer plädieren im Allgemeinen für Radwege auf Straßenniveau, damit sie für den Autoverkehr sichtbarer sind. Dann wäre aber weniger Platz für den motorisierten Verkehr da.

„Man darf doch dazulernen in der Politik“

Die nach dem SPD-Politiker Erich Ollenhauer (1901-1963) benannte Straße ist eine der symbolhaften Straßen für die Verkehrswende in Reinickendorf. 2023 gab es dort einen bundesweit bemerkten Streit um einen Radweg, der zwar fast fertig war, dann aber nicht eröffnet wurde.

Unter den Demonstranten am Dienstagabend auch Reinickendorfs BVV-Politikerin Angela Budweg (SPD): „Die drei Varianten für die Straßengestaltung, die 2021 zur Abstimmung standen, lagen im Ergebnis sehr eng beieinander. Und die Bewertung mit den Punkten erscheint mir ziemlich beliebig und wenig schlüssig.“ Sie hofft auf eine andere Variante. „Man darf doch dazulernen in der Politik.“

Bezirksstadtrat Sebastian Pieper (CDU), der erst im März 2026 frisch ins Amt gekommen ist, hat mit der Planung von nichts zu tun gehabt. Mit frischem Blick hat er sich trotzdem dafür entschieden, die bisherige Planung fortzusetzen, die Bäume ab Oktober abholzen und dann ab 2027 den Neubau beginnen zu lassen – unter anderem, um zugesagte Finanzierungen nicht verfallen zu lassen.

Baumdemo in der Ollenhauerstraße
Dieser Baum wurde schon gefällt. © Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Die Aktivisten setzen nun auf öffentlichen Druck im Wahlkampfjahr, Pieper ist Bürgermeisterkandidat der CDU für Reinickendorf. Er hat allerdings zuletzt noch einmal bekräftigt, dass er die Baumaßnahmen so durchführen lassen wird. Möglicherweise bringt auch ein fehlendes Artenschutzgutachten über die Bäume einen Aufschub.

Übrigens: Der eingangs erwähnte Baum ist nicht etwa bereits vorfristig gefällt worden. Auf Nachfrage antwortete das Bezirksamt Reinickendorf, dass bei dem Baum „eine deutliche Schräglage“ und ein durchgehender Riss festgestellt wurden. „Aufgrund der erheblichen Schäden und der daraus resultierenden Gefährdung musste der Baum gefällt werden.“