Ein einzelner Bezirk schwänzt die Bekanntgabe der Ergebnisse. Alljährlich bringt der Reinickendorfer Michael Lind, der einen Supermarkt in Neukölln betreibt, die Kaffeewette an den Start. Berlinerinnen und Berliner sind aufgerufen, Kaffeepäckchen für die Kältehilfe zu spenden. Sammelt ein Bezirk mehr als 500 Päckchen, legen der Einzelhändler Lind und die anderen Kaufleute Ralf Oelmann, Hasan Ilter und Mike Baer für die Kältehilfe noch einmal 2500 Euro drauf.

Zum ersten Mal war es in diesem Jahr so, dass in allen Bezirken Kaffeepäckchen für die Kältehilfe gesammelt wurden. Und dabei hat es so viel Ärger gegeben wie noch nie.

Friedrichshain-Kreuzberg hatte rechtliche Bedenken, dass es vielleicht unangemessene Werbung für die Einzelhändler sein könnte. Daraufhin verbot der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die Aktion. Aber nach viel öffentlichem Gegenwind erlaubte er sie wieder.

Reinickendorf sammelt zum dritten Mal die meisten Kaffeepakete

Und so kommen nun die Vertreter der Bezirke, meist die Bürgermeister, im Foyer des Ernst-Reuter-Saals zusammen. Gastgeberin ist die Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU), die für diesen Anlass ihre „deutsche Omi“ Kekse in Fuchsform hat backen lassen – der Fuchs ist das Wappentier von Reinickendorf. Und ihre Assistentin Jessica, die neben ihrer Bürotätigkeit mit musikalischer Partnerin als Duo „Strassgold“ auftritt, singt den Peter-Cornelius-Klassiker „Der Kaffee ist fertig“. Dann ruft EDW, wie die Bürgermeisterin mit dem langen Namen kurz gerufen wird, die Bezirke alphabetisch auf.

Mitte ist der einzige Bezirk, der mit 340 Paketen unter der Grenze von 500 bleibt und die 2500 Euro Bonus von den Unternehmern nicht bekommt. „Der verhaltene Applaus ist angemessen“, sagt Bürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) etwas angesäuert. Der Lichtenberger Martin Schaefer (CDU) macht einen Witz: Er rollt zuerst einen Zettel mit einer Zahl weit über 300.000 aus. „Oh, das ist unsere Einwohnerzahl, Entschuldigung.“ Lichtenberg hat 723 Pakete gesammelt.

Spandau legt mit 4224 ganz schön vor, „weil wir auch viel von unserer Wirtschaft bekommen haben“, wie Bürgermeister Frank Bewig (CDU) erklärt. Aber die Reinickendorfer Gastgeberin, die sich höflich entgegen dem Alphabet ganz am Ende ihre Zahl enthüllt, toppt es noch mit 5822 Paketen.

Reinickendorf hat damit zum dritten Mal am meisten Kaffee gesammelt. „Die Reinickendorferinnen und Reinickendorfer haben das größte Herz“, sagt Emine Demirbüken-Wegner begeistert. „Aber es ist großartig, dass wir in ganz Berlin so viele Pakete Kaffee für die Menschen in Notlagen zusammengesammelt haben“. Im vergangenen Jahr waren die 3051 gesammelten Pakete in Reinickendorf der Jahresbedarf der Kältehilfe. Auch in diesem Jahr wird es in Reinickendorf höchstwahrscheinlich reichen.

Vielen Dank an Kai Wegner, das war vermutlich die beste Werbung für die Kaffeewette, die man sich vorstellen kann. 

Michael Lind

Unternehmer Lind sieht trotz des Stresses um die diesjährige Wette erholt aus. „Kein Urlaub, nur Solarium“, sagt er und lacht, „extra für heute.“ Inzwischen freut er sich fast über die Intervention des Bürgermeisters. „Vielen Dank an Kai Wegner, das war vermutlich die beste Werbung für die Kaffeewette, die man sich vorstellen kann.“

Kaffeewette bringt Engagement und Hoffnung in schwierigen Zeiten

Der Unternehmer hat sich nie entmutigen lassen. Er findet: „In einer von vielen als hilflos beschriebenen Zeit muss man anpacken, einfach machen, was im Kleinen bewirken, damit Großes in Gang kommt. Und manchmal ist es eben eine heiße Tasse Kaffee aus der Kaffeewette, eine freundliche Geste, die zu einem stabilen Hilfsangebot von Vereinen und sozialen Diensten in den Kiezen hinführt.“

Im Bezirk von Neuköllns SPD-Bürgermeister ging die Kaffeewette 2019 los. In diesem Jahr haben sie 2010 Pakete gesammelt. Hikel hatte das Verbot durch Kai Wegner als „Schlag mitten ins Gesicht“ aller Beteiligten verurteilt. Nun stimmt er versöhnlichere Töne an. „Ich gehe davon aus, dass die Unklarheiten beseitigt sind und die Kaffeewette im kommenden Jahr ohne Probleme stattfinden kann.“

Hikel gehört nicht nur aufgrund seiner Körpergröße zu den bekanntesten Berliner Bezirksbürgermeistern. Überraschend kandidiert er jedoch nicht wieder. Er hatte nach 68,5 Prozent der Delegierten-Stimmen im November auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Was er nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus dann macht? „Bisher weiß ich es noch nicht. Mal sehen, aber es ist ja noch ein bisschen Zeit“, sagt er ausweichend.

Dass ausgerechnet der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg (572 Pakete) nach dem ganzen Aufruhr, den er verursacht hat, keinen Vertreter zur Präsentation der Kaffeewette entsendet hat, will Hikel nicht weiter kommentieren. „Vielleicht ist ja Krankheit der Grund.“