Es stand schlecht um die Substanz des Paracelsus-Bades. Wie schlecht, das haben die Bäderbetriebe erst gemerkt, als sie mittendrin waren in den Arbeiten. Sie hätten Betonteile entdeckt, die rechnerisch eigentlich gar nicht mehr hätten halten dürfen. „Zum Glück wusste das Gebäude das nicht“, scherzt Burghard Schneider.

Der Projektleiter bei den Berliner Bäder-Betrieben ist mit der Sanierung von Berlins erstem Nachkriegs-Hallenbad betraut. Es war viel versteckte Arbeit zu leisten, mit der Neudeckung des Daches, würde man jetzt „erste sichtbare Ergebnisse“ sehen, so Schneider. Solarpaneele wird es übrigens nicht aufs Dach geben - für das zusätzliche Gewicht reicht die denkmalgeschützte Unterkonstruktion nicht aus. „Aber wir sind gut an die Fernwärme angeschlossen“, sagt Schneider. Und trotz des Denkmalschutzes, der die energetische Sanierung schwerer macht, werde man nachher weniger Energie verbrauchen als zuvor.

Seit Sommer 2019 wird das Bad grundsaniert. Die Kosten liegen derzeit bei 24 Millionen Euro, aber es seien auch noch einige Vergaben von Bauleistungen offen, erzählt Burghard Schneider, beim Vor-Ort-Termin, zu dem der Reinickendorfer SPD-Kreisvorsitzende Jörg Stroedter geladen hatte und zu dem sich auch seine Frau, Sport- und Innensenatorin Iris Spranger (SPD), eingefunden hat.

Neue Aufgaben für das alte Bad

Es geht nicht nur darum, das Bad wieder in Funktion zu setzen, es geht auch darum, eine neue Aufgabenbeschreibung für das Bad zu finden und zu ermöglichen. Denn das Paracelsus-Bad erfüllte nach dem Krieg auch grundlegende Funktionen, zum Beispiel als Ort für die Körperhygiene. „Heute hat jede Wohnung ein eigenes Bad“, sagt Schneider, es gelte neue Aufgaben für die planerisch nicht einfachen Räume des denkmalgeschützten Baus zu finden.

Vor der Sanierung gab es dort zeitweilig auch eine Sauna und ein Solarium - ein neues Konzept müsse erarbeitet werden, was heute in ein solches Bad gehöre. Dazu wird es noch im Juli Gespräche mit Vertretern des Bezirks und der Reinickendorfer Bürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) geben.

Beim Ortstermin am Paracelsus-Bad: Sport- und Innensenatorin Iris Spranger (SPD), Burghard Schneider, Projektleiter des Paracelsus-Bads bei den Berliner Bäder-Betrieben (BBB),Johannes Kleinsorg, Vorstand BBB und Reinickendorfs SPD-Kreisvorsitzender Jörg Stroedter (SPD) 
Beim Ortstermin am Paracelsus-Bad: Sport- und Innensenatorin Iris Spranger (SPD), Burghard Schneider, Projektleiter des Paracelsus-Bads bei den Berliner Bäder-Betrieben (BBB),Johannes Kleinsorg, Vorstand BBB und Reinickendorfs SPD-Kreisvorsitzender Jörg Stroedter (SPD) © Dirk Krampitz

Im vergangenen Herbst hatte Sport- und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) damit überrascht, dass sie signalisierte, Landesmittel für den Bau eines Außenbeckens zur Verfügung zu stellen. Zuerst war nur von einer Art Wasserspielplatz die Rede, dann wuchsen die Ansprüche - und das durchaus auch gerechtfertigt.

Denn die Zahl der Nichtschwimmer unter Berliner Grundschülern ist mit 20 Prozent erschreckend hoch. Und so sollte es zumindest ein Außenbecken mit Dimensionen sein, in denen man schwimmen lernen kann.

Eigentlich sollte dort eine Flüchtlingsunterkunft entstehen

Was gut klingt, rief trotzdem Protest hervor. Denn der Bezirk hatte das Gelände des Bades als einen von zwei Orten zum Errichten einer Modularen Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) benannt. Mit der Bebauung durch ein Außenbecken hätte sich das erledigt. „Das wird kein MUF-Standort“, bekräftigt Innen- und Sportsenatorin Spranger (SPD) noch einmal beim Termin. Aber das ist offenbar bisher das Einzige, was feststeht bei den Planungen fürs Außenbecken.

BBB-Vorstand Johannes Kleinsorge gibt statt möglicher Eckdaten lieber eine Umschreibung der Ansprüche für das künftige Becken: „Wir suchen eine kreative Lösung, wo sich Familien erholen und entspannen können“, sagt er. Und in einem Freibad würden Menschen den ganzen Tag verweilen, bräuchten Plätze wie Liegewiesen, fügt er hinzu.

Ohne, dass er das näher erläutern möchte, klingt das so, als würden sie insgesamt etwas größer denken. „Es macht nur Sinn, das ganzheitlich zu betrachten“, sagt Kleinsorg. Wenn man sich die Lage anschaut, entdeckt man an Freiflächen den zum Bad gehörenden Parkplatz sowie den Kienhorstpark, der sich hinter dem Bad anschließt.

Planungen erst frühestens Mitte 2025

Die Planungen dafür werden wohl jedoch frühestens im Sommer 2025 vorliegen, Baustart wäre dementsprechend später. „Es ist doch eine sehr reizvolle Aufgabe für Architekten“, sagt Sportsenatorin Spranger. Man sei gespannt.

„Ein Außenbecken ist total wichtig - auch so, dass man da schwimmen lernen kann, gerade in diesem Kiez mit Familien mit vielen kleinen Kindern“, bekräftigt der SPD-Abgeordnete Stroetder am Ende noch einmal und die Senatorin betont noch einmal, dass das Land Berlin sich spendabel zeigen wird: „Es wird nicht nach einer Wirtschaftlichkeitsberechnung gehen, sondern, was im Bezirk gebraucht und gewünscht wird.“

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