Reinickendorf
Schwimmbad

Sanierung des Paracelsus-Bades wird aufwendiger und teurer

Die Berliner Bäderbetriebe schätzen die Kosten für die Sanierung des Paracelsus-Bades auf 17 Millionen. Es wird nicht vor 2023 eröffnet

Die Sanierung des Paracelsus-Bades wird wesentlich aufwendiger als bisher vermutet.

Die Sanierung des Paracelsus-Bades wird wesentlich aufwendiger als bisher vermutet.

Foto: Susanne Kollmann

Das Paracelsus-Bad in Reinickendorf muss wesentlich umfassender saniert werden, als bisher geplant. Das teilte der Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe (BBB), Matthias Oloew, mit. In den vergangenen Monaten habe sich herausgestellt, dass die Schäden an der Infrastruktur und der Bausubstanz wesentlich größer seien, als zunächst angenommen. Somit kann der einst geplante Eröffnungstermin 2021 nicht eingehalten werden, und auch die Kosten schnellen in die Höhe: Statt den kalkulierten sieben Millionen Euro rechnen die BBB nun mit 17 Millionen Euro.

Seit Sommer 2019 ist das Schwimmbad an der Roedernallee geschlossen. Genau zwei Jahre sollte es dauern, das Gebäude nicht nur energetisch auf den neusten Stand zu bringen, sondern auch attraktiver zu gestalten. Daraus wird nun nichts. Derzeit planen die BBB eine Eröffnung im Frühjahr 2023. „Die Anlagen für Trink- und Abwasser sowie Heizung sind maroder als erwartet und müssen anders, als bisher vorgesehen, komplett ausgetauscht werden“, schreibt Oloew in der Pressemitteilung. Das bedeute, dass wesentlich umfassender und tiefgreifender in die Bausubstanz eingegriffen werden müsse.

Aber nicht nur das: Auch die Lüftungsanlage müsse ebenfalls komplett erneuert werden, genauso wie das Dach über der eigentlichen Schwimmhalle – das Herzstück der Anlage, wie es der BBB-Sprecher bezeichnet –, da eine Betonsanierung der Konstruktion nötig geworden sei. Diese Maßnahmen bedeuten einen wesentlich umfassenderen Eingriff in die Bausubstanz.

Denkmalschutz erschwert Arbeiten am Hallenbad

Insgesamt stehen sechs Punkte auf der Liste, von denen allerdings keiner zeitnah realisiert werden kann. So wie auch der Neubau eines weiteren Fluchttreppenhauses im ehemaligen Wasserturm, der nun nach Angaben des BBB-Sprechers erforderlich geworden ist. „Im Gebäude selbst wurden deutlich mehr Schadstoffe vorgefunden, die in der Folge des massiveren Eingriffs in die Bausubstanz nun beseitigt und entsorgt werden müssen“, schreibt Oloew weiter.

Die Herausforderung während der gesamten Sanierung: Das Paracelsus-Bad steht unter Denkmalschutz. Es ist der erste Hallenbad-Neubau in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg – gebaut wurde es zwischen 1957 und 1960. Durch den Denkmalschutz und die dadurch höheren Auflagen werden die Arbeiten zusätzlich erschwert. Nicht nur, dass in Folge der Rückbauarbeiten im Inneren des Gebäudes in deutlich größerem Ausmaß als bisher Fliesen erneuert werden müssen. Der Denkmalschutz verlangt, dass auf der Fassade Fliesen derselben Art angebracht werden wie zur Entstehungszeit des Schwimmbades. Aufgrund des Denkmalschutzes durfte auch die einst geplante Flüchtlingsunterkunft trotz intensiver Prüfung nicht auf dem angrenzenden Gelände errichtet werden.

Im vergangenen Jahr hatten die Bäder-Betriebe ihr neues Sanierungsprogramm vorgestellt: Demnach sollen bis 2022 rund 60 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung fließen. Möglich geworden sind diese Bauarbeiten nicht zuletzt durch die Unterstützung des Berliner Abgeordnetenhauses. Das Parlament hatte den BBB im Nachtragshaushalt 2019 mehr Geld zur Verfügung gestellt. Außerdem hatte das Parlament kurz vor Ende des Jahres 2018 eine Rücklage in das Eigenkapital des Landesunternehmens gebildet. Von diesen Investitionen profitieren vor allem drei große Projekte: neben dem Paracelsus-Bad auch das Stadtbad Tiergarten und das Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg.

Schwimmhalle auf Zeit für Schul- und Vereinssport entsteht in Kreuzberg

Um durch die Schließungen einiger Bäder teils über Jahre trotzdem Schul- und Vereinssport gewährleisten zu können, entsteht derzeit auf dem Gelände des Sommerbades Kreuzberg eine Schwimmhalle auf Zeit. Die Schwimmhalle Kreuzberg, so der Name, wird über ein Becken mit fünf 25-Meter-Bahnen verfügen und unter der Woche mehrheitlich für Schulen und Vereine zur Verfügung stehen, am Wochenende dann für die Berliner Öffentlichkeit, so die Idee. Die reine Bauzeit für die Schwimmhalle Kreuzberg beträgt etwa ein halbes Jahr. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2021 geplant. Dann wird das nahe gelegene Wellenbad am Spreewaldplatz für die dringend nötige Grundsanierung geschlossen – mindestens zweieinhalb Jahre lang. Nach Angaben der Bäder-Betriebe wird die Halle etwa fünf Jahre auf dem Sommerbadgelände stehen, dann wird sie wieder abgebaut.

Das neue Schwimmbad wird in Leichtbauweise errichtet – also ähnlich wie eine Lagerhalle. Um den Wärmeschutz zu garantieren, werden dabei dickere Paneele als üblich eingesetzt. Das neue Bad wird getrennt vom Sommerbad Kreuzberg betrieben, der Eingang befindet sich dann an der Gitschiner Straße. Ein Zaun soll die Schwimmhalle vom Sommerbad trennen. Wird das Schwimmbad nicht mehr benötigt, demontiert man es wieder; Umkleiden, Duschen und Toiletten bleiben stehen und können dann von den Gästen des Sommerbades genutzt werden. Die Schwimmhalle wird voraussichtlich kein Einzelfall bleiben. Entworfen hat die Halle in Leichtbauweise das Studio Gollwitzer Architekten. Nach Angaben des Projektarchitekten Tobias Reckert könnte die Schwimmhalle auf Zeit ein Modell sein, das immer dann gebaut werde, wenn ein Ersatzbau auf Zeit benötigt sei.