Reinickendorf
Strandbäder Reinickendorf

Strandbad Lübars öffnet im Mai 2019

Bezirksverordnete kritisieren Investitionskosten für neuen Pächter. Am 25. Oktober endet die Frist für die Ausschreibung.

Das Strandbad Lübars wird auch 2019 aus seinem Winterschlaf erwachen. Die große Frage ist nur, mit welchem Pächter.

Das Strandbad Lübars wird auch 2019 aus seinem Winterschlaf erwachen. Die große Frage ist nur, mit welchem Pächter.

Foto: Janine Richter

Berlin. Die Zukunft des Strandbades Lübars ist gesichert. Dies geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf die Anfrage des Abgeordneten Michael Dietmann (CDU) hervor. Selbst wenn sich kein neuer Pächter durch die kürzlich gestartete, öffentliche Ausschreibung der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) finden sollte, werden die BBB das Bad selbst betreiben. Es sollen keine weitere Strandbäder in Berlin schließen, auch wenn "Hallen- und Sommerbäder den Kern des Daseinsvorsorgeauftrages der BBB" darstellen. „Das Strandbad Lübars ist wichtig und bleibt erhalten“, versichert der Sprecher der BBB der Berliner Morgenpost. Man glaube, einen Investor zu finden. Es gebe für das Bad bereits Interessenten. Im Mai 2019 soll es wieder öffnen.

"Ich freue mich, dass die Badesaison 2019 sichergestellt ist. Das hatte für mich oberste Priorität. Das Strandbad Lübars in seiner jetzigen Form dient der Naherholung für tausende Menschen aus Reinickendorf", sagt Dietmann. Nachdem vor zwei Jahren das Strandbad Tegel durch die BBB geschlossen wurde, befürchteten viele Reinickendorfer in den vergangenen Wochen, dass ab 2019 auch das Strandbad Lübars als letztes verbliebenes öffentliches Strandbad im Bezirk geschlossen bleibt.

"Wir haben hier kein Geld verdient"

Anlass zur Sorge war der auslaufende Pachtvertrag der BBB mit der Arzig-Bäderbetrieb UG und die Pachtbedingungen der Ausschreibung. Der derzeitige Pächter Henry Arzig negierte angesichts der verlangten Investitionen in die Bausubstanz, dass er das Bad Am Freibad 7-9 in Lübars noch einmal übernehmen wird. "Die Investitionen in die Bausubstanz, die verlangt werden, sind einfach nicht zu stemmen. Unter den Bedingungen machen wir definitiv nicht weiter", sagte er kürzlich der Berliner Morgenpost. Angesichts des unbeständigen Wetters und des sich verändernden Umfeldes gebe es keine gute Planungsgrundlage für solche Investitionen. Die Bilanz nach zehn Jahren Pachtvertrag sei ernüchternd. „Wir haben hier in den zehn Jahren kein Geld verdient. Nur drei von sieben Sommer waren wir im grünen Bereich“, resümierte Arzig. Die Investitionskosten ließen sich erfahrungsgemäß durch den bloßen Betrieb des Bades und des integrierten Restaurants nicht amortisieren.

Baugutachten legt Mängel offen

Die BBB haben Ende August eine europaweite Ausschreibung gestartet. Gesucht wird ein Pächter, der das Bad und Restaurant bis Dezember 2023 öffentlich mindestens vier Monate im Jahr betreibt und den "Instandhaltungsrückstau" beseitigt. Für ihn bestünde die Option, um weitere fünf Jahre zu verlängern. Noch bis zum 25. Oktober können Interessenten ihre Angebotskonzepte bei den BBB einreichen.

Von Februar bis April hatten Gutachter den baulichen Zustand der Badeanstalt untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Mängel behoben werden müssten. Rund 370 Fotos dokumentieren den Zustand: Demnach müsste ein potenzieller Investor viele Fenster und Türen austauschen, am besten das Dach und die Toilettenanlagen abreißen und neu bauen, die veraltete Anlagentechnik überholen und die Schäden an Wasser- und Abwasserleitungen mit einer Kamera dokumentieren (und wenn vorhanden, beheben) sowie Bäume fällen.

Investition von 580.000 Euro verlangt

Der zukünftige Pächter müsste laut Gutachter sofort 100.000 Euro in „sicherheitsrelevante Maßnahmen“ investieren, innerhalb von drei bis fünf Jahren seien weitere Werterhaltungsmaßnahmen der Gebäude und Anlagen sowie Sanierungen im Wert von 360.000 Euro nötig, um Baufolgeschäden zu vermeiden. Fünf bis zehn Jahre habe dann der Pächter Zeit, weitere 120.000 Euro in die Aufwertung des Bades zu stecken. Macht unterm Strich 580.000 Euro.

Kritik aus CDU-Fraktion

Zahlreiche Bezirksverordnete kritisieren die Pachtbedingungen der BBB heftig. „Aus Reinickendorfer Sicht müsste man den Vorstand der BBB entlassen - erst schließen sie das Strandbad Tegel und dann das“, sagt beispielsweise Norbert Raeder (parteilos, für CDU), der derzeit zusammen mit den Pächtern Unterschriften für den Erhalt des Bades sammelt. Er fände es schlimm, wie alt-eingesessene Pächter derart mit einer Komplettmodernisierung überfordert werden. Von Seiten der BBB hätte man in den letzten zehn Jahren ins Bad investieren müssen. Die Senatsverwaltung sieht das anders: "Seit 2009 erfolgt die Verpachtung der Freibäder unter Übernahme von Instandhaltungsverpflichtungen durch die Pächter", heißt es in der Antwort. Dieses Modell habe sich bewährt und solle fortgeführt werden.

CDU-Bezirksverordneter Felix Schönebeck hält dagegen: "Ein Pächter hat es mit dem alleinigen Badebetrieb - abgesehen vom Rekordsommer 2018 - ohnehin nicht leicht. Dass die Investitionskosten allein auf seinen Schultern lasten sollen, ist völlig unverständlich. Hier dürfen sich die Bäder-Betriebe keinen schlanken Fuß machen", sagt er. In einem Antrag fordert seine Fraktion, "dass sich das Land Berlin bei den erforderlichen Investitionen finanziell angemessen beteiligt, damit der Betrieb des Strandbads Lübars für die kommenden Jahre gewährleistet werden kann."

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