Reinickendorf
Wunsch nach Wiedereröffnung

Strandbad Tegel: Bezirk fordert Unterstützung für Sanierung

Das Bezirksamt zweifelt an der „Ernsthaftigkeit des Versuchs“, einen Investor zu finden. Doch die Vorwürfe werden zurückgewiesen.

Der Bezirk fordert Unterstützung für das Strandbad

Der Bezirk fordert Unterstützung für das Strandbad

Foto: Janine Richter

Berlin. Ruhig und verlassen liegt das Strandbad Tegel am Westufer des Tegeler Sees. Laub bedeckt die verfallenen Gebäude, Tischtennisplatten und den Strand. Letzte bunte Blätter halten sich noch am Geäst, widerstehen den aufkommenden Herbstwinden. Eine Szenerie steht sinnbildlich für die Widerständigkeit der Reinickendorfer Politik, die geschlossen für das geliebte und traditionsreiche Strandbad kämpft.

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Reinickendorf fordert nämlich noch einmal nachdrücklich Unterstützung für die Sanierung des Strandbades Tegel angesichts des gestarteten Interessenbekundungsverfahrens durch die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Potenzielle Pächter sollen mit den Sanierungskosten von rund 1,7 Millionen Euro nicht allein gelassen, sondern durch Siwana-Mittel des Senats unterstützt werden. Die Sondermittel sollen Investitionen in die Infrastruktur ermöglichen.

Mit großer Mehrheit hat die BVV den Antrag der CDU-Fraktion beschlossen. Rückenwind erhält die Bezirkspolitik dabei auch von CDU-Abgeordneten wie Tim-Christopher Zeelen und Stephan Schmidt, die sich seit Monaten für den Erhalt des Strandbades einsetzen. Auch die Kiezinitiative „I love Tegel“ hatte vergeblich versucht, diesen Sommer das Strandbad in Eigenregie ehrenamtlich zu betreiben. Der Versuch versandete im „Verwaltungspingpong“.

Viele Anforderungen an einen neuen Pächter

Die Kommunalpolitiker reagieren mit dem Antrag auf das noch bis 13. November 2018 laufende Interessenbekundungsverfahren des Senats. Im 25 Seiten umfassenden Exposé sind viele Anforderungen formuliert, die ein neuer Pächter des Areals mitbringen muss. Grundvoraussetzung ist, dass der Interessent ein Nutzungskonzept vorlegt, das einen saisonalen öffentlichen Badebetrieb berücksichtigt. Möglich ist auch ein ganzjähriges Geschäftsmodell, um „die Attraktivität des Standortes“ zu erhöhen. Die Dauer des Erbbaurechts soll mindestens 40 Jahre betragen.

Insbesondere muss ein neuer Investor auch das neue Abwasserleitungssystem für das Bad im Wasserschutzgebiet schaffen, die Gebäude sanieren und das Außengelände „zeitgemäß“ ausstatten und aufwerten. Bei der Abwassersanierung sind die kompletten Schmutzwasserableitungen auf dem Gelände, auch die Leitungen innerhalb der Gebäude sowie die Trinkwasserleitungen zu erneuern. Der Senat hatte im Januar 2018 die bestehenden einwandigen, maroden Abwasserrohre mit Dämmstoff verfüllen lassen, weil im Wasserschutzgebiet zweiwandige vorgeschrieben sind.

Pächter darf Anlage nur geringfügig baulich erweitern

Seit 2016 ist das Strandbad Tegel deshalb geschlossen. Gänzlich neu bauen darf ein Investor nicht. Denn die Gesamtanlage ist als Grünfläche mit Sportnutzung im Flächennutzungsplan ausgewiesen, und nur „geringfügige bauliche Erweiterungen sind vorstellbar“, heißt es. Das Exposé enthält keine Angaben zu den Sanierungskosten. Jedoch eine Schätzung der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) schon: Darin werden – Stand 2015 – 1,7 Millionen Euro benannt. Die Auswertung des Verfahrens soll zwei Monaten dauern.

Auch die Bezirksverwaltung bleibt angesichts des Verfahrens skeptisch und wertet die Sanierungskosten als „Überforderung“ für einen Investor. Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) stellte die Frage, ob die BIM damit dem Wunsch der Reinickendorfer nach Wiedereröffnung nicht nur „pro forma“ Rechnung trage, und zweifelte an der „Ernsthaftigkeit des Versuchs“. Die BBB weisen diese Aussagen zurück. „Zeelen ärgere, dass "sich BBB und Senat hier einen schlanken Fuß machen" und der Investor auf den Kosten sitzen bleibe, nachdem man "jahrelang nicht vernünftig investiert und im Frühjahr noch die Abwasserrohre mit Beton verfüllt" habe. Felix Schönebeck, Vereinsvorsitzender von "I love Tegel" gewinnt dem Verfahren auch etwas Positives ab: "Ob Tauchstation, Zeltplatz, Kletterpark oder Spa-Bereich, das Angebot muss erweitert werden. Dass dies nun ins Interessenbekundungsverfahren aufgenommen wurde, ist ein toller Erfolg." Positiv wird auch gemeinhin gewertet, dass der Bezirk mit einbezogen werden soll.

Die Problematik der Verkehrsanbindung dürfte auch für den zukünftigen Investor ein wichtiger Faktor sein. Eine direkte Busanbindung besteht nämlich nicht. "Der Bus 222 muss wieder regelmäßig die Schleife zum Strandbad fahren - und nicht nur bis zur Spechtstraße", moniert Schönebeck. Zudem müssten mehr Parkplätze geschaffen werden. Passiert das nicht, dürfte auch die Renitenz der Lokalpolitik nichts nutzen und die Besucher bleiben auch nach Eröffnung fern.“

Mehr zum Thema:

Strandbad Tegel bleibt geschlossen

Müll in Berlin: Badegäste vermüllen Tegeler See

+++ Berlin-Podcast +++ Diese Woche bei „Molle und Korn“: „Babylon Berlin“ bringt den 20er-Jahre-Trend in die Stadt, in Berlin sind so viele Radfahrer unterwegs wie seit den 50ern nicht mehr, „Repair-Cafés“ laden zum Selbst-Reparieren ein

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Spotify

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Soundcloud

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Deezer

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.