Dreck am Badesee

Müll in Berlin: Badegäste vermüllen Tegeler See

Forstbetriebe müssen häufiger reinigen. Senat erstattet Anzeige gegen unbekannt. Doch die Lösung könnte eine andere sein.

Täglich sammelt sich Müll am Tegeler See

Täglich sammelt sich Müll am Tegeler See

Foto: Janine Richter

Berlin.  Volle Windeln, Melonenreste, Chipstüten, ausrangierte Campingkocher und zerfledderte Strandmuscheln – an den Reinickendorfer Stränden des Tegeler Sees stapelt sich jeden Tag der Müll. In der vergangenen Woche erreichte das Ausmaß einen Höhepunkt – zum Entsetzen vieler Erholungsuchender. „Wir mussten allein am vergangenen Freitag vom Reiswerder Strand sieben Kubikmeter Müll wegschaffen“, erzählt Derk Ehlert von der Senatsumweltverwaltung.

Die Berliner Forsten sind für die Reinigung des Uferbereiches des Wasserschutzgebietes zuständig. An heißen Sommertagen tummeln sich viele Badegäste am sogenannten Arbeiterstrand neben dem geschlossenen Strandbad Tegel, am Strand am Forsthaus, Saatwinkel (auch „Blumeshof“ genannt) oder am Reiswerder Strand. „Fünf Angestellte der sozialen Dienste helfen den Berliner Forsten und kümmern sich täglich um den Müll und als Unterstützung ist eine externe Firma mit der Reinigung dieser Strände beauftragt“, erklärt Ehlert. Das Unternehmen reinigte gemeinhin zwei- bis dreimal in der Woche die Strände. Doch am vergangenen Wochenende mussten die Verantwortlichen einsehen, dass dies nicht ausreicht. Denn bei der Hitze dieser Tage werden die Badestellen am deklariert saubersten See Berlins viel häufiger genutzt.

„Wir haben nun den Takt von drei- auf fünfmal in der Woche erhöht und lassen auch zweimal am Wochenende reinigen, wenn Hochbetrieb ist“, sagt Ehlert. Besonders auffällig beim Müll am Strand nahe Reiswerder sei gewesen, dass zahllose Mülltüten von „Imbissgewerbetreibenden“ zu stammen schienen, erzählt Ehlert. Die Senatsumweltverwaltung habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet und ginge dem nach.

Fünf weitere Mülleimer aufgestellt und angepflockt

Angesichts der Situation hat der Senat auch die Mülleimer am Reiswerder Strand aufgestockt. Zuvor gab es dort sieben kleine Behälter. Diese seien im Frühjahr/Sommer teilweise zerstört worden. Jetzt habe man fünf weitere Mülleimer aufgestellt und angepflockt. Die Senatsumweltverwaltung hofft, dass diese der Zerstörungswut standhalten. Zudem gibt es nun einen Entsorgungscontainer, der mehrmals in der Woche abgeholt werde. „Trotz allem sah es auch in dieser Woche oft morgens aus wie in einem Saustall. Am Reiswerder Strand fällt auf einer sehr kleinen Fläche ein bis zwei Kubikmeter Müll am Tag an. Deswegen liegt da jetzt unser Fokus drauf“, sagt Ehlert. Langfristig müsse man sehen, ob man die vom Senat beauftragten BSR-Pilotprojekte, die derzeit an der Greenwichpromenade und dem Flughafensee laufen, auf die Strände des Tegeler Sees ausweiten könne.

Zumindest am Reiswerder Strand haben die Badegäste den positiven Wandel in dieser Woche schon bemerkt. „Am Dienstagvormittag lag noch der Müll über den Strand verteilt, was ich ziemlich eklig fand. Aber seit dem Nachmittag ist aufgeräumt“, erzählt Ursula Plonske-Zindel.

„Wir nehmen immer unseren Müll wieder mit“

Auch am Blumeshofer Strand hat der Senat kürzlich von drei auf sechs Mülleimer aufgestockt; am Arbeiterstrand seien hingegen nur zwei weitere Mülleimer bestellt, sagt Ehlert. Diese könnten in der nächsten Woche installiert werden. Bisher gibt es hier nur einen und dieser quillt täglich über. Peter Ostermann regt das furchtbar auf. „Es sieht hier jeden Tag im Sommer so aus, weil der Mülleimer so klein ist. Ich begreife nicht, warum man hier keinen Container hinstellt mit einem Gitter, sodass die Tiere nicht alle Mülltüten zerpflücken können“, sagt er. „Unser Strandbad wird nicht aufgemacht und auch hier ist die Verwaltung zu langsam mit dem Putzen.“ Er wohnt in Tegelort und komme jeden Morgen zum Schwimmen an den Tegeler See.

Ein Badetuch weiter spielt Renate Kauschel aus Konradshöhe mit ihren zwei Enkeln. „Seit ein paar Tagen ist es hier am Arbeiterstrand richtig schlimm, weil sie hier und am Forsthaus die Container weggenommen haben“, erzählt sie. Bevor sie sich mit den Kindern am Strand niederlasse, säubere sie erst einmal selbst ihren Bereich von Kronkorken, Zigarettenstummeln und Scherben. „Ich verstehe auch die Leute nicht. Wir nehmen immer unseren Müll wieder mit.“ Und dazu ruft auch Derk Ehlert auf: „Grundsätzlich sollte jeder seinen Müll wieder mit nach Hause nehmen“, appelliert er an die Badegäste. Denn Ressourcen und Personal der Verwaltung seien knapp.

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