Reinickendorf

Streit um längeres Hafenfest in Tegel

Veranstalter und Bezirksamt wollen das Fest auf zehn Tage ausdehnen. Anwohner und Bezirkspolitiker argumentieren dagegen.

Mehr als 100.000 Menschen haben im vergangenen Jahr das Tegeler Hafenfest besucht

Mehr als 100.000 Menschen haben im vergangenen Jahr das Tegeler Hafenfest besucht

Foto: Sergej Glanze

Lärm bis in die Nacht, Müllberge und betrunkene Festbesucher, die hemmungslos in die Vorgärten und Hauseingänge urinieren – für viele Anwohner war das viertägige Tegeler Hafenfest in den vergangenen Jahren nicht immer ein Segen. "Als wir jetzt durch Zufall erfahren haben, dass es in diesem Jahr auf zehn Tage ausgedehnt werden soll, da hat uns der Schlag getroffen", sagte Andreas Danke. Er hat sich kürzlich mit 25 weiteren Anwohnern der Greenwichpromenade in Berlin-Tegel zusammengeschlossen, um sich gegen die Pläne des Veranstalters Catering Company GmbH und des Bezirksamtes Reinickendorf zu wehren. Am Mittwochabend trug er die Bedenken der Anwohner in einer Anfrage an die Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor.

Die konkreten Vorwürfe: Bezirk und Veranstalter haben die Anwohner nicht miteinbezogen. Aus dem Internet habe man von der Verlängerung des Festes erfahren. Zehn Tage lang Lärm, Verschmutzungen und Zerstörungen seien unzumutbar. Gesetzlich geschützte Rasenflächen seien im letzten Jahr zerstört und anschließend monatelang gesperrt worden. All dies sei eine "Zweckentfremdung des Naherholungsgebietes Greenwichpromenade und dessen Grünanlagen". Dem Veranstalter werfen die Protestierenden ausschließlich kommerzielle Interessen vor, da er ein "sehr fragwürdiges, auf viel Alkoholkonsum ausgelegtes Konzept" verfolge.

"Wir sind keine Totalverweigerer des Festes. Wir wissen, dass wir privilegiert wohnen und solche Veranstaltungen dulden müssen, weil ein öffentliches Interesse besteht", sagte Danke, "aber jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem wir sagen müssen: 'Es geht nicht mehr!'" Die Forderung der Anwohner ist, das Fest wieder auf vier Tage zu begrenzen.

Bezirksamt hat keine rechtlichen Bedenken

Der zuständige Bezirksstadtrat Sebastian Maack (AfD) führte in der Bezirksverordnetenversammlung aus, dass der zeitliche Rahmen für dieses Jahr nicht mehr zur Disposition stünde. Auch Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) bestätigte, dass der Antrag für zehn Tage vom Veranstalter vorläge und es keine rechtlichen Bedenken gäbe, diesen zu genehmigen. Die Idee, das Fest zu verlängern, sei laut Maack entstanden, weil man aus Sicherheitsgründen das Fest entzerren wolle. "So werden sich die Besucherströme auf zwei Wochenenden verteilt", sagte der Bezirksstadtrat. Denn das Hafenfest in Reinickendorf sei beliebt und habe im vergangenen Jahr täglich 25.000 Besucher angezogen. "Aktuell prüft das Bezirksamt Auflagen und befindet sich in einem Abstimmungsprozess mit den Beteiligten", sagte Maack der Berliner Morgenpost.

Konkret sehen die bisherigen Vorgaben für den Veranstalter vor, dass fünf der zehn Tage, Sonntag bis Donnerstag, weitestgehend störungsfreie Tage bleiben sollen. "An den Wochentagen wird es stärker auf Familien und Schulklassen ausgerichtet sein", sagte Maack. Die Bühne an der Sechserbrücke falle weg, "um die Beschallung der dort stehenden Hochhäuser zu unterbinden". Das Musikprogramm fände an vier Tagen statt und sei bis 23 Uhr begrenzt. "An den anderen sechs Tagen endet die Veranstaltung bereits um 20 Uhr. Der vermittelte Eindruck, es gäbe ,Zehn Tage lang ein volles Bühnenprogramm' ist damit eindeutig falsch", sagte Maack. Weitere Auflagen sähen vor, die Vorgärten der Anwohner durch Bauzäune zu schützen und die Anlegestege frei zu halten. Zudem stelle der Veranstalter mehr Toiletten und Sicherheitspersonal zur Verfügung. Weitere Auflagen bezüglich der Geruchsbelästigung und der Verkehrssituation würden geprüft.

Im vergangenen Jahr war der Andrang sehr groß

Henry Arzig, Geschäftsführer der Veranstaltungsfirma Catering Company GmbH, wäre bereit, all diese Zugeständnisse zu machen, sagt er. Rudere der Bezirk entgegen aller Zusagen zurück, werde er zwar das Konzept auf vier Tage verschlanken, "dies ginge allerdings zu Lasten der ehrenamtlichen Programmteile". Zudem würde er dann das Sicherheitsrisiko durch schließbare Schleusen minimieren, da der Andrang im vergangenen Jahr sehr groß gewesen sei. Er erwarte noch eine Entscheidung im April. Veranstalter und das Bezirksamt beteuern, die Sorgen der Anwohner ernst zu nehmen und dies durch angestrebte Verbesserungen zu zeigen. Andreas Danke widerspricht: "Der Kompromiss zwischen den Interessen der Anwohner und der Festbetreiber war ja bereits die Dauer von vier Tagen." Auch die Fraktionen der Reinickendorfer Bezirksversammlung zeigten sich angesichts der Pläne empört: "Diese zeitliche Ausdehnung ist nicht hinnehmbar", sagte Elke Klünder, Bezirksverordnete der Grünen. Die Planung berücksichtige nur Veranstalterinteressen. Auch Gerald Walk (SPD) befand, dass das Fest "viel zu lang" sei. "Dass ein zehntägiges Fest entzerrt, halte ich für naiv", sagte er im Parlament. "Die Bedenken der Anwohner sind berechtigt", befand auch die FDP-Bezirksverordnete Mieke Senftleben. Die Politiker der Linke-Fraktion kritisierten, dass weder mit den Anwohnern noch in den Ausschüsse diskutiert worden sei.

Die Anwohner der Greenwichpromenade wollen jetzt Unterschriften sammeln. "Ich habe zwar noch Hoffnung, aber ich denke, dass die Reinickendorfer CDU die Verlängerung durchdrücken wird", sagte Andreas Danke.

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