Zum 18. Mal sollen am 28. August etwa 2000 Starter auf den zehn Kilometer langen Rundkurs des Tegeler Halbmarathon gehen. Doch in diesem Jahr machen bürokratische Auflagen den Organisatoren, der gemeinnützige „Laufen in Tegel GmbH“, die Vorbereitung schwer.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verlangt ein Gutachten über die Standsicherheit des Ernststraßenstegs zwischen Tegel und Borsigwalde, die die Läufer nutzen. Die gedrehte Fußgängerbrücke, auch „Schneckenbrücke“ genannt, wird im Hause von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) „als anfällig gegenüber läuferinduzierten Schwingungen“ eingeschätzt. Es sei „durch den Veranstalter für das Bauwerk Ernststraßensteg ein objektbezogenes Einzelgutachten vorzulegen“, heißt es in einem verwaltungsinternen Schreiben.

Kritik an Auflagen des Landes

Der Reinickendorfer Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen (CDU) ist empört. Es sei Aufgabe der Senatsverwaltung zu prüfen, ob städtische Brücken standsicher seien. „Dieser Nachweis kann nicht Sache der Vereine sein“, sagte Zeelen am Freitag. Die Brücke werde schließlich täglich von Hunderten Passanten genutzt. Mit 41 Sportlern testete er die Schneckenbrücke, nach eigenen Angaben ohne Probleme. Dabei würden sich beim Halbmarathon nie mehr als 24 Sportler gleichzeitig auf dem Fußgängersteg aufhalten, versicherte Zeelen. „Der Senat muss doch dankbar sein, dass die Sportvereine überhaupt so etwas auf die Beine stellen“, betonte der Abgeordnete, der Mitglied im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses ist.

Um den Halbmarathon nicht zu gefährden, hat die „Laufen in Tegel gGmbH“, in der VfL Tegel, Ruderclub Tegel und VfB Hermsdorf zusammengeschlossen sind, das Gutachten in Auftrag gegeben. Der Gutachter habe vorab bestätigt, dass die Nutzung der Schneckenbrücke „überhaupt kein Problem“ sei, sagte Mitgeschäftsführer Karl Mascher am Freitag der Berliner Morgenpost. 3600 Euro stellt der Experte in Rechnung.

Für die Vereine, die den Halbmarathon mit einem Startgeld von 14 Euro breitentauglich halten wollen, sei das kaum zu verkraften. „Laufen in Tegel“ prüfe, das Land Berlin auf Rückerstattung zu verklagen, sagte Mascher. Derartige Auflagen könnten sonst das Aus für das Laufereignis bedeuten.

Seit drei Jahren übliche Praxis

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wies die Kritik zurück. Dass bei Laufveranstaltungen die Schwingungssicherheit der Brücken geprüft werden muss, „ist seit drei Jahren übliche Praxis“, hieß es dort am Freitag. Tatsächlich sorgt sich Andreas Geisel Tiefbauabteilung nicht zum ersten Mal um die Belastbarkeit der städtischen Brücken. Beim 27. Lauf der Sympathie von Falkensee nach Spandau sollten die veranstaltenden VfV Spandau und TSV Falkensee ein Gutachten zur Tragsicherheit der Carl-Schurz-Brücke am Zieleinlauf zur Spandauer Altstadt beibringen. Die Expertise hätte rund 5000 Euro gekostet. Schließlich einigte man sich darauf, einen Brückenposten einzurichten.

Der sollte an der Überführung über den Mühlengraben auf befürchtete Schwingungen achten und gegebenenfalls weitere Läufer daran hindern, die Brücke zu betreten. Kritische Situationen blieben jedoch aus.