Reinickendorf
Protestaktion am Montag

Taxifahrer wollen Flughafen Tegel blockieren

Die Taxifahrer wollen erreichen, dass Politik und Flughafen gegen Kollegen vorgehen, die sich nicht an die Vorschriften halten.

Nicht alle Taxifahrer halten sich an die Flughafenordnung

Nicht alle Taxifahrer halten sich an die Flughafenordnung

Foto: DPA

Am kommenden Montag, 9. Mai, ist ein Verkehrschaos am Flughafen Tegel programmiert. Mehrere Hundert Taxifahrer planen, mit Beginn der neuen Woche den zentralen Taxihalteplatz an der Zufahrt zu ignorieren und direkt die Terminals A, B, C, D und E anzusteuern, um dort auf ankommende Fluggäste zu warten. Mit dem Ergebnis, dass die Zufahrten zum oberen Innenring sowie die Straßen vor den weiteren Ausgängen verstopft sein werden.

Die Aktion soll gegen 7 Uhr morgens starten. Man werde zwar die Straße nicht blockieren, Busse und private Pkw durchlassen, dennoch wird es längere Wartezeiten geben. Auch auf dem Weg von der Stadtautobahn zum Flughafenareal ist mit langen Staus zu rechnen.

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Auslöser der Protestaktion ist ein Ultimatum der Berliner Taxirunde an die Flughafengesellschaft, die die Forderungen der Vertreter des organisierten Taxigewerbes offenbar nicht erfüllt hatte. Die Taxirunde hatte Gespräche mit dem Ziel gefordert, Taxifahrer, die sich nicht an die Flughafenordnung halten und zum Teil ihr Geld dort illegal verdienen, vom Airport fernzuhalten. Hintergrund sind seit geraumer Zeit massive Rechtsverstöße bei der Fahrgastaufnahme.

„Wir beobachten schon seit Langem, dass sich bis zu 30 Taxifahrer nicht an die Flughafenordnung halten“, sagt Leszek Nadolski, erster Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes e.V. „Das sind Fahrer, die sich nicht auf der Platte, dem zentralen Taxihalteplatz, einreihen. Sie fahren direkt zu den Terminals, nehmen dort Fahrgäste an Stellen auf, an denen das verboten ist. Und die wartenden Kollegen bekommen diese Touren nicht.“ Unter ihnen seien oft auch Fahrer, die die Unkenntnis der Touristen ausnutzen würden und für eine Fahrt vom Flughafen Tegel nach Mitte plötzlich einen Preis von bis zu 150 Euro verlangen würden. „Die Meldungen und Beschwerden von Fahrgästen und Hotels über Wucherpreise haben in der vergangenen Zeit stark zugenommen“, sagt Nadolski. „Das Problem ist bekannt, wurde aber in letzter Zeit wieder massiver.“

Häufigste Ausrede: Es handelt sich um eine Vorbestellung

Die Stimmung an einem kleinen Imbiss an dem zentralen Taxiwarteplatz ist schlecht, die Fahrer stehen beisammen und diskutieren heftig. „Es kann doch nicht sein, dass die ehrlichen Kollegen warten – und dann die Dummen sind“, sagen sie. „Wir fühlen uns von der Politik und der Flughafengesellschaft allein gelassen.“ Noch während der Gespräche am Imbiss fahren mehrere Wagen am zentralen Parkplatz vorbei. Regelmäßig beobachten Augenzeugen, dass sich fünf bis sechs Taxifahrer an einer Tankstelle am Saatwinkler Damm treffen und anschließend im Konvoi, am Halteplatz vorbei, direkt zu den Gates fahren. „Das ist eine bandenmäßig organisierte Gruppe“, sagt ein Taxifahrer. „Als ich die Fahrer auf ihr illegales Verhalten angesprochen habe, wurde mir Prügel angedroht.“

Auf eine Anzeige beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) hat der Fahrer aus Angst vor Repressalien verzichtet. „Die sehen meine Taxinummer und können meine Adresse herausfinden“, sagt er. „Ich muss ja damit rechnen, dass ich früh aus dem Haus komme und die Reifen zerstochen sind.“ Andere Taxifahrer haben ähnliche Befürchtungen.

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Die Flughafenordnung regelt, dass Fahrgäste ausschließlich an der Ladeleiste vor den Gates sechs bis neun aufgenommen werden dürfen. Auch an den Gates C und E ist das gestattet. Jedoch nur für Wagen, die von der Platte kommen. Außerhalb dieser Bereiche dürfen nur vorbestellte Taxis Gäste einsteigen lassen. Dementsprechend lautet die häufigste Ausrede angesprochener Taxifahrer, es handle sich um eine Vorbestellung. „Das lässt sich natürlich kaum widerlegen“, sagt Bernd Stumpf, Teilnehmer der Taxirunde.

Hat ein Taxifahrer seinen Fahrgast am Airport abgesetzt, muss er laut Flughafenordnung zur Platte fahren und sich wieder hinten einreihen. „An diese Ordnung halten sich diese Fahrer auch nicht“, sagt Ertan Ucar, erster Vorsitzender von Taxi Deutschland Berlin. „Sie setzen ihren Fahrgast ab und schnappen sich den nächsten.“ Dadurch, dass diese Fahrer nicht auf die Platte fahren, nähmen sie nicht nur Fahrgäste weg, sie würden auch nicht registriert, sagt Nadolski. „Jeder Fahrer hat einen Transponder im Wagen, der die Schranke zum Parkplatz automatisch öffnet. Das wird aufgezeichnet.“

Bessere Möglichkeiten, um gegen Verstöße vorzugehen

„Die Berliner Taxirunde hat der Flughafengesellschaft vor längerer Zeit auch Verbesserungsvorschläge gemacht“, sagt deren Sprecher Stephan Berndt. „Der Parkplatz im Innenring könnte ebenfalls mit dem Transpondersystem ausgestattet werden. Dort könnten die Fahrer bis zu einer Stunde kostenlos halten und ihren Kunden, der die Fahrt vorbestellt hat, am Gate abholen.“ Dann könne gegen die Fahrer, die an den Gates außerhalb der Warteleiste stehen, gezielt vorgegangen werden.

Mit der Aktion will die Taxirunde Druck ausüben, nachdem das Ultimatum jetzt verstrichen ist. „Wir sprechen endlich mit einer Stimme für das Taxigewerbe“, sagen die Vorsitzenden der Innungen, Vereine und Interessenvertretungen der Taxifahrer. „Mehr als 90 Prozent des organisierten Taxigewerbes haben sich in der Taxirunde zusammengetan und fordern vom Labo und der Flughafengesellschaft, dass sie endlich ihre Arbeit richtig machen.“

Ein Sprecher der Flughafengesellschaft betonte, man stehe mit den Taxiverbänden in regelmäßigem Austausch. Sogenannte „Schwarzlader“ schadeten in allererster Linie Fluggästen. "Dies kann nicht toleriert werden. Die Regeln am Flughafen Tegel sind eindeutig, in welchen Bereichen Fahrgäste aufgenommen werden dürfen", so der Sprecher. "Dennoch ist uns bewusst, dass einige Taxifahrer diese Regeln vorsätzlich missachten, sich ordnungswidrig verhalten und teilweise ihre Kunden zu deutlich überhöhten Preisen befördern." Dadurch würden diese der ganz großen Mehrheit der Taxifahrer schaden, die sich an die Regeln hielten. "Zudem bringt diese Minderheit durch ihr Verhalten die Taxibranche insgesamt in Misskredit. Die Flughafengesellschaft unterstützt mit eigenem Personal das zuständige Ordnungsamt, um diese Praxis zu unterbinden."