Prozess

Mord an Pferdewirtin – Angeklagter bricht Schweigen

Im Prozess um die Ermordung der 21 Jahre alten Christin R. hat der Hauptangeklagte endlich ausgesagt. Es überraschte jedoch wenig, dass Robin H. jegliche Schuld bestritt.

Es hat ein Jahr gedauert, bis sich Robin H. entschloss, vor einem Moabiter Schwurgericht auszusagen. Der 25-Jährige gehört zu den Hauptangeklagten im Prozess um den Tod der Pferdewirtin Christin R.

Die 21-Jährige wurde am 20. Juni 2012 auf einem Parkplatz vor dem Freibad Lübars erwürgt. Als Motiv vermuten die Ankläger acht Lebensversicherungen, die auf Christin R. abgeschlossen wurden. Es ging um insgesamt 2,4 Millionen Euro, die Robin H. und dessen nun ebenfalls angeklagte Mutter Cornelia H. den Ermittlungen zufolge kassieren wollten.

Es überraschte am Donnerstag wenig, dass Robin H. jegliche Schuld bestritt. Er hatte seine Aussage schriftlich vorbereitet, verlas sie im Gerichtssaal. „Ich habe Christin nicht umgebracht oder geplant, sie umzubringen“, hieß es. „Ich bin kein gewalttätiger Mensch. Ich habe sie geliebt, wollte mit ihr leben und eine Familie gründen.“ Wortreich beschrieb er die Zeit vor dem Tod der Freundin. Wie er sich in den Tagen zuvor um ein krankes Fohlen kümmern musste und unter enormen Stress gestanden habe. Und wie es dann in der Nacht des 20. Juni zu dem Stelldichein auf dem Parkplatz in Lübars kam.

Verdacht auf Freundin gelenkt

Vorher, so Robin H., habe es mehrere Telefonate mit Christin R. gegeben. Er habe sich mit ihr eigentlich auf einem Reiterhof in Friesack (Havelland) treffen wollen. Das habe zeitlich dann aber nicht gepasst. Er habe sich zu Hause aufs Sofa gelegt, erschöpft, ernüchtert, das Fohlen musste trotz aller Bemühungen eingeschläfert werden. Gegen 22 Uhr sei er von einem Telefonanruf geweckt worden. Es war Tanja L. – auch sie eine Freundin. Die 27-Jährige habe gesagt, dass sie ebenfalls Christin R. zu erreichen versuche. Angeblich habe sie sich bei Christin R. bedanken wollen, weil ihr die Pferdewirtin Tipps für den geplanten Kauf eines Pferdes gegeben habe. „Aus heutiger Sicht scheint es mir komisch, dass sich Tanja unbedingt mit Christin treffen wollte“, sagte Robin H. „Tanja wusste von meiner engen Bindung zu Christin. Ich hätte mich nie und nimmer mit Tanja einlassen sollen.“ Später sei ihm „der Verdacht gekommen, dass das Interesse an dem Kauf des Pferdes nur ein Vorwand war“.

Er wisse noch, so Robin H., dass er sich an jenem Abend in einer Aral-Tankstelle einen XXL-Becher mit Kaffee kaufte. Dort habe er nochmals einen Anruf von Christin R. bekommen. Sie habe ihn informiert, dass sie inzwischen auf dem Parkplatz eingetroffen sei. Wenig später sei es zu dieser letzten Begegnung gekommen. Auch Tanja L. war inzwischen vor Ort und wollte sofort zu Christin R. gehen. Er habe sie aber gebeten, so Robin H., erst einmal zurückzugehen und ihn mit Christin R. allein reden zu lassen. Er habe der Freundin dann von seinen Plänen erzählt, im August zurück nach Nordrhein-Westfalen zu gehen. Er habe Christin R. gefragt, ob sie nicht mitkommen wolle. Sie habe das aber verneint. „Sie sagte, ich bleibe bei meiner Familie.“ Auch sein Einwand, er sei ja schließlich auch ein Teil der Familie, habe nicht geholfen. Sie habe erwidert: „Ja, aber nur ein kleiner.“

Er sei dann „wütend und enttäuscht“ gegangen, so Robin H. Das letzte Mal, als er Christin R. lebend sah, habe sie vor ihrem Auto gestanden und geraucht. „Mir ist heute klar, dass ich in etwas hineingeraten bin, dass mich verdächtig macht“, sagte er.

Zu den auf Christin R.s Namen abgeschlossenen Versicherungsverträgen erklärte Robin H., dass er sich nicht darum gekümmert habe. Für ihn – er ist Legastheniker – sei es schon immer problematisch gewesen, sich mit derartigen Formularen zu befassen. Christin R. habe das alles allein gemacht. Er habe auch die Post der Versicherungen ungeöffnet an sie weitergeleitet. Das sei auch der Grund, so Robin H., warum nach der Verhaftung Versicherungsunterlagen bei ihm gefunden worden seien.

Es ist eine von mehreren Varianten, die sich das Schwurgericht im Laufe der schon ein Jahr währenden Beweisaufnahme zum Ablauf dieses Mordes anhören musste. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass Robin H. und Cornelia H. die Drahtzieher des Mordkomplotts sind. Durch Robin H. soll Tanja L. über ihren Bruder Kontakt zu dem 22-jährigen Steven McA. aufgenommen haben. Der habe sich bereit erklärt, für 500 Euro den Mord auszuführen. „Kein Problem, die bringe ich um, die sieht aus wie meine Ex“, soll er gesagt haben.

Tanja L. hatte die Variante mit Steven McA. als Auftragskiller in diesem Prozess schon Monate zuvor bestätigt. Ebenso hatte sie Robin H. belastet. So habe er sie auch schon gedrängt, Christin R. zu vergiften – was sie auch versuchte, aber misslungen war. Sie habe ihn geliebt, gleichzeitig aber auch große Angst vor ihm gehabt, so Tanja L. Als sie Bedenken vortrug, habe er sogar gedroht, „er könne auch zwei Frauen töten. Das würde ihm nichts ausmachen“. Später, so Tanja L., habe sie die Beziehung mit Robin H. beenden wollen, obwohl sie ihn immer noch liebte. Aber sie sei ihm nicht gewachsen gewesen. „Ich fühlte mich von ihm beobachtet und unter Druck gesetzt. Ich wollte nicht, dass er sauer auf mich wird, habe nicht gewagt, mich zu widersetzen oder zu widersprechen“, erklärte die von einem Psychiater als intellektuell minderbegabt eingeschätzte Angeklagte.

Lockvogel für den Mord

Tanja L. war nach eigener Aussage dann auch als Lockvogel dabei, als es am 20. Juni zu dem verhängnisvollen Treffen mit Christin R. auf dem Parkplatz in Lübars kam. Robin H. soll ebenfalls anwesend gewesen sein, als der mutmaßliche Auftragsmörder Steven McA. die junge Frau von hinten packte und erwürgte.

Steven McA. – auch er sitzt auf der Anklagebank – hatte bei seiner Aussage im Dezember das Geschehen jedoch ganz anders in Erinnerung: „Ich war es nicht, Robin hat das Mädchen selber erdrosselt!“, hieß es in seiner Erklärung. Es sei richtig, dass er zunächst für die Ermordung der Pferdewirtin gedungen worden sei. In der Nacht des 20. Juni sei dann aber plötzlich Robin auf dem Parkplatz in Lübars aufgetaucht. „Das Mädchen stand vor mir und Tanja“, so Steven McA. „Und Robin stand hinter ihr.“ Plötzlich habe er einen blau-gelben Strick herausgeholt und Christin R. damit von hinten gedrosselt. Als sie leblos zusammensank, soll Robin H. sie mit dem Seil ins Gebüsch gezogen und beim Zurückkommen gesagt haben: „Alles muss man hier alleine machen!“

Am kommenden Montag wird vermutlich eine weitere Variante über den Tod der Pferdewirtin Christin R. zu hören sein. Robin H.s Mutter, Cornelia H., hat über ihren Verteidiger eine Aussage angekündigt. Die 56-Jährige hatte schon Ostern 2012 versucht, Christin R. zu töten. Es war eine Messerattacke. Ein Polizist erklärte dazu vor Gericht, Cornelia H. habe ihm kurz nach der Tat gesagt, dass sie sich das alles nicht erklären könne. Sie sei erst nach dem Angriff wieder zur Besinnung gekommen.

Cornelia H.s Verteidiger stellte dazu am Donnerstag auch gleich noch einen Beweisantrag: Seine Mandantin habe sich am 26. April 2012, also nach der Messerattacke, bei einer Psychiaterin vorgestellt. Diese Ärztin könne bestätigen, dass Cornelia H. „ernsthaft verzweifelt“ gewesen sei und dringend Hilfe gesucht habe. Das sei auch ein Beweis dafür, so der Verteidiger, dass Cornelia H. „zu keinem Zeitpunkt eine Tötung der Christin R. gutgeheißen“ habe.