Reinickendorf
Berliner Bezirke

Leben in Reinickendorf ist „fast wie im Urlaub“

Wälder, Seen und noch mehr Grün: Das mögen die Bewohner aus Reinickendorf an ihrem Bezirk. Sie schätzen zudem die Ruhe und Familienfreundlichkeit - und den schnellen Weg in die Innenstadt.

Foto: Sergej Glanze (2) / Glanze

Ein Sonntag im August. Spazierengehen. Eis essen. Entspannen. Alt-Tegel, die Flaniermeile in Reinickendorf, ist voller Menschen. Aber niemand drängelt. Hektik ist anderswo. Man läuft von der U-Bahn-Station, an Cafés und Geschäften entlang, bis zur Greenwichpromenade am Tegeler See. Oder man ist gerade auf dem Rückweg. Wie Familie Kreßin.

Die Eltern und Sohn Fabian hatten sich ein Tretboot gemietet und sind bis zur kleinen Insel Hasselwerder gefahren. „Man kann aussteigen und steht bis zu den Knien im Wasser“, erzählt Sven Kreßin, 45. „Wir haben Muscheln gesammelt. Es war fast wie im Urlaub.“ Die Familie ist öfter am Tegeler See. „Auch im Winter, wenn sich eine Eisfläche gebildet hat und man Schlittschuhlaufen kann.“

Sven Kreßin, von Beruf Einzelhandelskaufmann, hat früher in Spandau gewohnt. Seine Frau Pamela lebt seit ihrer Kindheit in Reinickendorf. „Sie ließ sich nicht von hier vertreiben“, verrät der Familienvater. Seiner Frau gefällt besonders, dass es viel Grün im Bezirk gibt. „Man ist ganz schnell im Wald, zum Beispiel in Hermsdorf, oder am Wasser, wie hier in Tegel“, sagt sie. Die Familie mag Reinickendorf. „Sonst wären wir wohl schon weg“, sagt Pamela Kreßin. Sie sei in Lübars aufgewachsen und zur Schule gegangen, erzählt die Verwaltungsbeamtin.

Man schätzt die Ruhe und Familienfreundlichkeit des Bezirks

Auch Norman Richter will nicht fort aus Reinickendorf. Er ist im Bezirk groß geworden, hat am Kurt-Schumacher-Platz gelebt und wohnt jetzt im Märkischen Viertel. An diesem Sonntag sitzt er am Ufer des Tegeler Hafens, zusammen mit Lilia Halle. Boote fahren vorbei. Der Wind weht und lässt die Blätter der jungen Bäume rauschen. Die Greenwichpromenade ist nicht weit entfernt, doch an diesem Weg kommen nur wenige Menschen vorbei.

„Es ist fast idyllisch hier“, sagt der 25-Jährige. Er ist Gastronom und schätzt die Ruhe und Familienfreundlichkeit seines Heimatbezirks. Die Anbindung an die City sei gut, sagt Norman Richter. „In 20 Minuten ist man in der Innenstadt.“ Das Leben im Märkischen Viertel gefällt ihm. „Ich bin sehr zufrieden damit.“ Lilia Halle, 24 Jahre alt, lebt seit sechs Jahren in Reinickendorf. Sie wohnt in Borsigwalde. „Es ist ruhig, und man kann gut einkaufen“, sagt sie. Die Einzelhandelskauffrau und der Gastronom arbeiten in der City. Beide sind froh, im Außenbezirk zu leben.

Rosemaria Wistuba ist am Sonntag 80 Jahre alt geworden. Zur Feier des Tages hat sie mit ihrem Mann eine Dampferfahrt zur Oberhavel unternommen. Am Nachmittag schlendern beide zurück auf der Straße Alt-Tegel, eine Eiswaffel in der Hand. Rosemaria Wistuba wohnt schon jahrzehntelang im Bezirk. Ihr Mann Joachim ist überzeugter Reinickendorfer. „Hier lebe ich, und hier sterbe ich“, sagt der 81-Jährige.