In den Altbaukiezen in Prenzlauer Berg gehört Kopfsteinpflaster fast zum Stadtbild wie Stuck und Hinterhöfe. Für viele Radfahrende und Anwohnende ist es aber auch ein Dauerärgernis: holprig, laut, bei Nässe rutschig und für manche der Grund, lieber auf den Gehweg auszuweichen. In der Hufelandstraße im Bötzowkiez ist deshalb ein ungewöhnlicher Eingriff getestet worden: nicht austauschen, nicht asphaltieren – sondern das historische Pflaster abschleifen.

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Die GB Infravelo GmbH, eine Tochtergesellschaft der landeseigenen Grün Berlin GmbH, hat die im Herbst 2025 abgeschlossenen Schleifarbeiten jetzt ausgewertet und spricht von „deutlichen Verbesserungen“. Nach Angaben des Unternehmens wurden auf der über 600 Meter langen und rund vier Meter breiten Fahrbahn insgesamt 2500 Quadratmeter Kopfsteinpflaster bearbeitet – „eine Fläche, die der Größe eines halben Fußballfeldes entspricht“. Ziel: das charakteristische Erscheinungsbild erhalten, aber den Alltag auf der Straße spürbar verbessern.

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Radverkehr auf Hufelandstraße hat stark zugenommen

Die ersten Messergebnisse scheinen diese Erwartung zu stützen. Bei der Griffigkeit seien die Werte „deutlich gestiegen“, so Infravelo. Das bedeute kürzere Bremswege und mehr Sicherheit, insbesondere für den Radverkehr. Auch beim Verhalten auf der Straße zeigen Zählungen eine Verschiebung: Der Radverkehr auf der Hufelandstraße habe „um mehr als 50 Prozent zugenommen“, heißt es. Gleichzeitig sei der Anteil der Radfahrenden, die auf den nördlichen Gehweg auswichen, „um fast 50 Prozent“ gesunken. In die Zählungen seien auch Kinder bis etwa zehn Jahre und ihre Begleitpersonen eingeflossen, die auf dem Gehweg fahren dürfen oder müssen.

Kopfsteinpflaster Abschleifen: Test neuen Verfahrens in Prenzlauer Berg
Hufelandstraße in Prenzlauer Berg: Die Griffigkeit in der Hufelandstraße soll „deutlich gestiegen“ und der Lärm nach ersten Rückmeldungen von Anwohnern „deutlich reduziert“ worden sein. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Ein weiterer Punkt, der in Pflasterstraßen besonders emotional diskutiert wird: Lärm. Infravelo verweist auf „erste Rückmeldungen von Anwohnenden“, wonach der Verkehrslärm durch die Schleifmethode „deutlich reduziert“ worden sei. Für eine belastbare Vergleichsbetrachtung soll allerdings nach Einrichtung der Fahrradstraße eine Nachher-Messung folgen. Genau hier liegt auch die Einschränkung der bisherigen Bilanz: Die Arbeiten sind Teil eines größeren Umbaus – und die endgültige Bewertung hängt am nächsten Schritt: der im Frühjahr geplanten Umwandlung der Hufelandstraße zur Fahrradstraße.

Auch in diesen Straßen in Berlin wurde das Verfahren durchgeführt

Dann kommen Markierungen, Piktogramme und Schilder – Arbeiten, die witterungsabhängig sind. Erst „mit Einrichtung der Fahrradstraße“ sollen die finalen Ergebnisse der Begleituntersuchung vorliegen, teilte Infravelo auf Morgenpost-Anfrage mit. Die Hufelandstraße sei dabei ein Testfall, um „Erkenntnisse für die Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit“ zu gewinnen.

Kopfsteinpflaster Abschleifen: Test neuen Verfahrens in Prenzlauer Berg
Das abgeschliffene Kopfsteinpflaster wird im Frühjahr erstmals mit einer Fahrradstraße kombiniert.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Dass das Verfahren grundsätzlich auf Interesse stößt, zeigt der Blick in andere Bezirke. Auch im Priesterweg (Tempelhof-Schöneberg), in der Lynarstraße (Mitte) sowie der Corinthstraße (Friedrichshain-Kreuzberg) wurde das Kopfsteinpflaster abgeschliffen. In Pankow sei es nun erstmals großflächig über mehr als 600 Meter angewendet worden. Und wird erstmals mit einer Fahrradstraße kombiniert.

Das Bezirksamt Pankow unterstützt den Ansatz – zumindest in der Zielrichtung. Der Morgenpost teilt das Amt mit, es erwarte sich „in erster Linie eine Erhöhung des Fahrkomforts für den Radverkehr“. Als positive Nebeneffekte nennt es die Verlagerung von Radverkehr „von den Gehwegen auf die Fahrbahn“ sowie eine Reduzierung des Straßenverkehrslärms.

Kombination mit Fahrradstraße: Ab Frühjahr weiß man mehr

Infravelo-Chef Michael Fugel sieht in dem Verfahren ein Modell für weitere Straßen: Der Umbau zeige, „wie wir mit innovativer, nachhaltiger und wirksamer Technologie schnell und effizient spürbare Verbesserungen erzielen können“ – „mit weniger Lärm und mehr Lebensqualität im Kiez“. Infravelo kündigt an, auf Basis der Ergebnisse gemeinsam mit Senatsverwaltung und Bezirken zu definieren, „auf welchen weiteren Kopfsteinpflasterstraßen das Schleifverfahren sinnvoll eingesetzt werden kann“. Parallel läuft – ergänzend zu den technischen Messungen – eine Befragung von Anwohnenden und Gewerbetreibenden durch die Technische Hochschule Wildau.

Unterm Strich ist die Zwischenbilanz positiv, aber vorläufig: mehr Griffigkeit, weniger Ausweichverkehr auf den Gehweg und wohl auch weniger Lärm, wobei die Vergleichsmessung noch aussteht. Die entscheidende Frage wird im Frühjahr beantwortet: Bringt die Kombination aus geschliffenem Pflaster und Fahrradstraße den versprochenen Alltagseffekt dauerhaft – oder bleibt es bei einem technisch interessanten Versuch im Bötzowkiez?