Seit jeher streben Menschen danach, Distanzen zügig, direkt, komfortabel und sicher zu überwinden. Ob mit Pferdekutsche, Eisenbahn oder Auto – die Infrastruktur folgte stets dem Bedürfnis nach durchgängigen Wegen. Je schneller das Verkehrsmittel, desto geradliniger, leistungsfähiger und sicherer wurden die Trassen. Kurven wurden weiter, Kreuzungen vermieden, neue Standards geschaffen. So entstanden Eisenbahnnetze, Autobahnen und U-Bahnen – immer als Antwort auf neue Mobilitätsformen.

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Heute stehen wir erneut an einem Wendepunkt: Fahrräder sind heute eine selbstverständliche Mobilitätsform mit einem klaren Trend: immer mehr Menschen legen mehr Wege auf längeren Strecken mit dem Rad zurück – im Alltag, auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule und in der Freizeit. Radfahren ist gesund, kostengünstig, umweltfreundlich, leise, platzsparend und steht für städtische Lebensqualität.

Radschnellwege sollen Menschen zum Umsteigen vom Auto bewegen
Radverkehrsinfrastruktur ist damit ein wichtiger Bestandteil unserer Mobilität und beansprucht zu Recht den entsprechenden Platz bei der Planung und dem Bau der Verkehrsinfrastruktur unserer Stadt. Neben sicheren Radwegen, Radfahrstreifen oder der gemeinsamen Führung des Radverkehrs auf breiten Busspuren gewinnen neue Infrastrukturen wie Radschnellverbindungen an Bedeutung. Sie bieten leistungsfähige und direkte Verbindungen ohne Kreuzungen über größere Distanzen und machen das Radfahren von den Außenbezirken ins Stadtzentrum attraktiver.
Der Vorteil ist enorm: Die Menschen steigen vom Auto aufs Rad um, besonders für Strecken von über fünf Kilometern. Genau deshalb hat das Land Berlin im Mobilitätsgesetz die Entwicklung und den Bau eines Radschnellnetzes beschlossen. So wie viele kluge Köpfe in Berlin bereits vor Jahrhunderten Straßen-, Schienen- und Wassernetze entwickelt haben, gilt es heute, für uns und die uns nachfolgenden Generationen zeitgemäße und vor allem umweltfreundliche Mobilitätsangebote weiterzuentwickeln.
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Radschnellwege in Berlin: Das sind die planerischen Herausforderungen
Als infraVelo haben wir vom Land Berlin u.nter anderem die Aufgabe erhalten, einen Plan für die Umsetzung von Radschnellverbindungen für Berlin zu erarbeiten – eine Art Bundesverkehrswegeplan für den Radverkehr. Das Netz verbindet alle Bezirke und orientiert sich an den wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt. Denn dort, wo heute viele Autos oder Bahnen unterwegs sind, wird auch künftig viel Rad gefahren. Erste Prototypen wie auf der Karl-Marx-Allee in Mitte zeigen bereits heute, wie leistungsfähig solche Trassen sein können. Besonders vielversprechend sind drei zentrale Trassen – die „Ost“- und die „West-“ und „Südwest“-Route –, die auf knapp 50 Kilometern einmal quer durch die Stadt und in Richtung Potsdam führen und sieben Bezirke miteinander verbinden, von Marzahn-Hellersdorf bis Spandau und nach Wannsee.
Doch, wie bei jeder neuen Verkehrsinfrastruktur, ist auch hier der Weg zum Bau anspruchsvoll. Radschnellverbindungen erfordern neue Standards – unter anderem zu Breiten, Beleuchtungen, Vorrangschaltungen oder Knotenpunkten. Es braucht Planfeststellungsverfahren, Umweltprüfungen, Abstimmungen mit Bezirken, Senatsverwaltungen, Verkehrs- und Wasserbetrieben, Bürgerinitiativen und vielen weiteren Akteuren. Brücken, Sonderwege, enge Straßenräume oder denkmalgeschützte Bereiche sind besondere planerische Herausforderungen. Hinzu kommen Themen wie Zugänge und ausreichend Platz für Rettungsdienste und Feuerwehr, die langfristige Unterhaltung oder ein effizienter Winterdienst.
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Einsparungen von 1100 Tonnen CO₂ im Jahr
Das Allerwichtigste ist, auch gerade angesichts einer Haushaltslage in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, die gesicherte Finanzierung und die Fördermittelakquise. Ein echter Kraftakt – aber einer, der sich für uns alle auszahlt: für eine sichere, nachhaltige und klimafreundliche Verkehrsinfrastruktur von morgen und ein wirkungsvoller Hebel, um den Modal Split nachhaltig zu verändern. Allein für die aktuell geplanten drei Radschnellverbindungen erwarten wir einen beachtlichen Umstieg auf das Fahrrad und rechnen mit Einsparungen von rund 1100 Tonnen CO₂ pro Jahr. Das entspricht der Leistung von etwa 180 Hektar Wald, der diese Menge CO₂ pro Jahr bindet – fast so viel wie der gesamte Berliner Tiergarten.
Berlin hat in seiner Geschichte immer wieder große Infrastrukturprojekte gestemmt, von der Berliner Stadtbahn über U- und Straßenbahn bis zur AVUS, die als allererste Autostraße Europas gilt. All diese Projekte brauchten Zeit, Mut, Durchhaltevermögen und Menschen, die sie voranbringen. Wichtig ist es dabei, andere Interessen zu verstehen und gegeneinander abzuwägen. Auch diejenigen, für die das Auto unverzichtbar ist, können von Radschnellverbindungen profitieren. Der Verlagerungseffekt – weniger Verkehrsaufkommen, Staus und geringerer Parkdruck – entlastet spürbar den gesamten urbanen Raum.
Radschnellwege als „unverzichtbarer Beitrag für umweltfreundliche Mobilität“
Als Planerinnen und Planer denken wir wie bei der Tour de France: in Etappen: Wir bearbeiten Trassen, die historisch und verkehrlich von großer Bedeutung sind – etwa Südwest-Route über den Ku’damm nach Wannsee, die dieses Jahr ins Genehmigungsverfahren gehen wird, oder die schon erwähnte Ost-West-Trasse entlang der B1 und B2. Gleichzeitig unterstützen wir Bezirke mit unseren Vorplanungen, die bereits heute Abschnitte auf den Trassen für den Radverkehr ausbauen. So entsteht das Netz Stück für Stück – überlegt, koordiniert und mit Blick auf die Gesamtstrategie.
Ich bin überzeugt: Attraktive und sichere Radschnellverbindungen stärken den Umweltverbund in unserer Stadt und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die umweltfreundliche Mobilität von morgen.





