Das Pankower Tor gilt als eines der wichtigsten Bauprojekte Berlins. Mit der Errichtung von 2000 Wohnungen, einer Grundschule und zwei Kindergärten will die Stadt der großen Wohnungs- und Schulplatznot entgegenwirken. Seit 15 Jahren wartet Investor und Möbelhaus-Inhaber Kurt Krieger darauf, endlich mit dem Bau in Pankow starten zu dürfen. Erst vergangene Woche hatte er Hoffnungen auf einen Baustart in 2027 geweckt. Alles gehe jetzt viel schneller, hieß es da. Auch die verantwortlichen Bezirksstadträte, mit denen Krieger bei dem Projekt eng zusammenarbeitet, wirkten optimistisch.

Donnerstag
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Nun der große Dämpfer: Wie die Naturschützer vom NABU verkündeten, haben sie dem Bauherrn und der Stadt erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit Monaten streiten die Parteien darum, ob und wie man das Bauvorhaben umsetzen kann, ohne die streng geschützten Kreuzkröten zu gefährden, die auf dem Baugelände leben.
Krieger hatte in der Vergangenheit bereits Lösungen präsentiert, die alle eine Umsiedlung der Kröten beinhalten. Doch keine der Optionen entsprach bisher den Vorstellungen der Umweltschützer. Sie kritisieren weiterhin einen mangelhaften Artenschutz der Verantwortlichen am Pankower Tor. Der Konflikt ist maßgeblich für die Verzögerungen des Bauvorhabens verantwortlich.
Nach Klage um Pankower Tor: Senat zieht Bescheid zurück
Nun zieht der Senat einen umstrittenen Bescheid zurück, gegen den der NABU vor Gericht geklagt hatte. Mit dem Bescheid hatte Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) den Berliner Wasserbetrieben (BWB) erlaubt, die Kreuzkröten sowie weitere Lebewesen einzufangen und auf ein anderes Gelände umzusetzen. Dadurch sollte die Verlegung eines wichtigen Regenwasserkanals vom Pankower Tor an die Granitzstraße ermöglicht werden. Auch der Bau einer temporären Umgehungsstraße wäre so durchführbar.
Der NABU hatte sich vehement gegen den Bescheid gewehrt. Er beklagte „massive Störungen des Lebensraums“ der Kröten und warf der Umweltsenatsverwaltung vor, „keine Alternativen geprüft und die Umweltverbände widerrechtlich nicht beteiligt“ zu haben.

Geplantes Großprojekt in Pankow: NABU mit „großem Erfolg“
Der Umweltverband zeigt sich triumphierend darüber, dass der Bescheid nun seitens der Behörde zurückgenommen wurde. „Es ist ein großer Erfolg für uns und die Kreuzkröten“, schreibt der NABU-Vorsitzende Rainer Altenkamp in einer Mitteilung. Es sei bereits das zweite Mal, dass die Senatsverwaltung in Sachen Pankower Tor kurz vor einer Gerichtsverhandlung „zurückrudere“. „Wir bitten Senatorin Bonde eindringlich, sich für ein vernünftiges, langfristiges Artenschutzkonzept einzusetzen, statt mit rechtlich unhaltbaren Bescheiden zu versuchen, das Naturschutzrecht am Pankower Tor zu unterlaufen.“
Die Fronten in dem Konflikt zwischen Umweltschützern, Investor und Stadt wirken verhärtet. An einer von Krieger einberufenen Pressekonferenz beteiligte sich der NABU nicht – obwohl Krieger diesen nach eigener Aussage eingeladen hat. Der Verband gibt trotz des Streits an, sich für eine Lösung einzusetzen, „die Wohnungsbau und Kreuzkrötenschutz am Pankower Tor vereinbart“. Ganz gegen den Bau ist man also nicht.

Berliner Senat prüft weitere Mittel für Bau des Pankower Tors
Die Umweltsenatsverwaltung selbst äußerte sich auf Anfrage der Morgenpost am Donnerstag nur knapp. Sie erklärt, man habe den BWB mit dem Bescheid eine „artenschutzrechtliche Ausnahme“ erteilt. Der Bescheid sei nach der Klage des NABU nun zurückgezogen worden, um „nicht vollständig ausgeräumten Rechtsunsicherheiten Rechnung zu tragen“. Man fürchtete anscheinend, dass das Verwaltungsgericht der Klage des NABU stattgibt und zugunsten der Kläger entscheide.
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Trotz des Etappen-Sieges für die Umweltschützer ist das Ende des Bauprojektes nicht besiegelt. Die Senatsverwaltung prüfe derzeit die Erteilung einer neuen Ausnahme für die Wasserbetriebe. Heißt: Regenwasserkanal und Umgehungsstraße sollen trotzdem kommen.
Doch was bedeutet dieser kurze Rückschlag für den Zeitplan? Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter Christian Gaebler (SPD) äußerte sich auf Anfrage am Donnerstag so: Das geplante Stadtquartier am Pankower Tor stelle die „vor Ort dringend benötigten Wohnungen, Schulplätze, wohnungsnahen Erholungs- und Spielmöglichkeiten und Verkehrsangebote bereit“. Die Festsetzung des Bebauungsplans sei weiterhin im zweiten Halbjahr 2026 vorgesehen. Wenn das gelingt, können als Nächstes die Bauanträge gestellt und genehmigt werden. Wie genau die Behörde den Dialog mit dem NABU verbessern will, um weitere Verzögerungen zu vermeiden, darauf antwortete sie nicht.





