Die letzte Stuhlreihe ist gerade erst ergänzt worden, da knarzt die schwere Tür der Aula des Bezirksmuseums Pankow erneut. Immer mehr Besucherinnen und Besucher finden am Donnerstagabend den Weg in das Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, während draußen langsam die Dunkelheit über den Innenhof fällt. Ein Saxophon-Ensemble sorgt für den musikalischen Rahmen mit tiefen Tönen, die an der Stimmung des Abends nichts Leichtes lassen. Auch die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU), unter anderem zuständig für das Straßen- und Grünflächenamt, findet bewegende Worte.

Donnerstag
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„Für diese Ausstellung haben die Kuratorinnen das ganze Archiv auf den Kopf gestellt“, eröffnet Museumsleiter Bernt Roder die Veranstaltung mit einem Schmunzeln. Es ist die sechste Ausstellung in der Reihe „umbenennen?!“, einer Kooperation der zwölf Berliner Bezirksmuseen mit dem Aktiven Museum zur Geschichte und Gegenwart der Straßennamen. Der Fokus in Pankow liegt auf den 1.300 Straßen im Bezirk und der Frage, wie Menschen, Geschichten, Ideologien und Zeitläufte in deren Benennungen sichtbar werden – oder unsichtbar bleiben.

Straßenumbenennungen in Pankow: „Sehr emotionale Bedeutung“
Manuela Anders-Granitzki betont in ihrer Begrüßung die Bedeutung des Themas: „Straßennamen haben natürlich eine praktische Bedeutung. Wir verabreden uns an gewissen Adressen, wir wohnen dort. Aber sie haben auch eine sehr emotionale und symbolische Bedeutung. Es geht darum, wen wir im Stadtbild ehren.“ Straßenumbenennungen seien daher „nie nur ein Verwaltungsakt“, sondern immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher und politischer Diskussionen.
Die Ausstellung führt schließlich von der allgemeinen Geschichte der Straßenbenennungen in die Pankower Details, darunter prominente Beispiele wie die Robert-Rössle-Straße. Die Benennung der Straße 1974 nach dem Mediziner und Pathologen Robert Rössle sorgte spätestens seit 2015 für hitzige Debatten, als seine Verstrickung in das nationalsozialistische Regime öffentlich thematisiert wurde.

Immer noch nicht abgeschlossen: Der Fall Rössle
Auf Antrag einer Bürgerin rollte das Bezirksamt eine Diskussion an, die Wissenschaftler, Politiker, Anwohner und Zivilgesellschaft gleichermaßen einbezog. Gegner der Umbenennung hoben Rössles Verdienste in der Forschung und seinen Einfluss nach 1945 hervor, während die Gegenseite auf seine aktive Rolle im NS-System und seine Unterstützung der ‚Arisierung‘ hinwies. Im Sommer 2023 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung schließlich, die Straße nach der Medizinerin Cécile Vogt umzubenennen. Doch die Umsetzung steht noch aus: eine angekündigte Klage verzögert die Umbenennung weiter.
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Die neue Ausstellung greift diese und viele weitere Geschichten auf. Kuratorinnen Kristin Witte und Helen Przibilla berichten von der Mammutaufgabe: „Es sollte nicht nur um Geschichte gehen, sondern um Geschichten, um Menschen.“ Unter den hoffnungsvollen Tönen der Saxophone öffnet die Ausstellung ihre Türen – als Erinnerung daran, wie tief sich politische, gesellschaftliche und persönliche Fragen in den Pankower Straßenplan einschreiben.
Ausstellung „„umbenennen?!“im Bezirksmuseum Pankow, 26. September 2025 bis 15. Februar 2026. Weitere Informationen auf der „umbenennen?!“-Website.






