Nuria Klesmann

„Soziale Arbeit ist das Fundament, auf dem unsere Gesellschaft basiert.“ Damit hat Pankows Bezirksbürgermeisterin Dr. Cordelia Koch (Grüne) am Montag am Pfefferberg in Prenzlauer Berg den Ton gesetzt. Geladen wurde zur Veranstaltung „Wirkung statt Kürzung – Pankows Sozialausgaben als Investition“. Im Fokus standen die Ergebnisse einer neuen Studie, die ins Leben gerufen worden war, um angesichts der Haushaltskürzungen im Bezirk die Bedeutung sozialer Arbeit zu untersuchen, die teils massiv von den Einsparungen betroffen ist. Nach einem Haushaltsdefizit von 11 Millionen Euro im Jahr 2023 und rund sieben Millionen Euro im Jahr 2024 wurde im April dieses Jahres wie schon im Herbst zuvor eine Haushaltssperre verhängt.

Donnerstag

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Die Studie fokussiert sich auf den sogenannten Social Return on Investment (SROI), also die soziale Rendite von Investitionen im Sozialbereich. Geleitet von Prof. Dr. Bernd Halfar von der Kamel & Nadelöhr GmbH für soziale, kirchliche und ökologische Immobilienwirtschaft, untersucht sie den ökonomischen und gesellschaftlichen Wert von sozialer Arbeit. Entstanden ist sie in Kooperation mit dem Bezirksamt Pankow, dem paritätischen Wohlfahrtsverband und acht Sozialunternehmen aus dem Bezirk – darunter der Sozialdienst katholischer Frauen und die Stephanus Stiftung.

Sozialstudie für Pankow: So viel Ertrag pro investiertem Euro 

Die Berechnungen der Studie zeigen: Nicht nur die direkt von Sozialarbeit betroffenen Menschen profitieren von den Leistungen. Auch die Wirtschaft und Gesellschaft werden durch jeden investierten Euro in soziale Leistungen gestärkt. Bei gesetzlichen Sozialleistungen fließen demnach 51 Cent an die öffentliche Hand zurück. Bei den zuwendungsfinanzierten Projekten, also freiwillig von der öffentlichen Hand geförderten Angeboten, sind es 33 Cent. Obwohl man bei klassischen wirtschaftlichen Investitionen in der Regel einen höheren Return erwartet, ist der Nachweis eines direkten finanziellen Rückflusses wichtig für die politische Debatte und zeigt: Sozialarbeit ist nicht nur „Kostenfaktor“, sondern bringt messbaren ökonomischen Nutzen.

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In einem zweiten Schritt untersuchten die Beteiligten die möglichen gesellschaftlichen Konsequenzen, die sich ergeben würden, wenn es die sozialen Einrichtungen nicht mehr gäbe. Man habe vorsichtig abgeschätzt, wie viel Arbeitszeit die Angehörigen der Betroffenen durch die Einrichtungen dazu gewinnen, hieß es während der Präsentation. Somit habe man grob errechnen können, welche Beschäftigungseffekte durch soziale Einrichtungen entstehen. Viele der beteiligten Organisationen bieten beispielsweise direkte Ausbildungen an. Dadurch könnten auch Folgekosten vermieden werden. Außerdem könne so Geld in Form von Steuern und Sozialabgaben in den Staat zurückfließen. 

Darüber hinaus analysierte man die Werte aus einer volkswirtschaftlichen Perspektive. „Die Sozialwirtschaft ist sehr ökonomisch“, sagte Prof. Dr. Jürgen Zerth von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Halfar bei der Erstellung der Studie unterstützt hatte. Zerth erklärte, dass fast ein Zehntel (9,6 Prozent) des gesellschaftlichen Nutzens der sozialen Arbeit dadurch geschaffen wird, dass die Beschäftigten ihr Einkommen wieder in der Wirtschaft ausgeben. Dieses Geld fließt also in Form von Konsum zurück, schafft Nachfrage, sichert Arbeitsplätze und bringt Steuereinnahmen.

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„Warum werden wir nicht ernst genommen?“

Anschließend wurde mit Bezug auf die Haushaltskürzungen über die Studie diskutiert. „Wir wollten die Situation abkühlen und weniger dramatisieren“, erklärte Halfar unter anderem, fragte sich aber auch: „Warum werden wir ständig nicht so ernst genommen wie andere Fachrichtungen?“ Viele Zuschauer nickten zustimmend.  

Weiterhin kritisierten einige Beteiligte das Vorgehen von Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU), darunter Pankows Bezirksbürgermeisterin Koch. „Scheinbar können wir mit dem immer mehr werdenden Geld in den Haushalten immer weniger schaffen“, sagte sie. Melanie Rubach, Referatsleiterin der Senatsverwaltung für Finanzen, verteidigte das Vorgehen der Senatskanzlei: „Man muss bedenken, dass präventive soziale Maßnahmen einen langfristigen Prozess beanspruchen. Die Haushaltslogik hingegen“, erklärte sie, „denkt immer in sehr kurzen Zyklen, weil die Mittel eben begrenzt sind“. 

Zum Ende der Veranstaltung beteuerte Cordelia Koch, dass sie oft höre, wie soziale Einrichtungen als „nice to have“ bezeichnet werden. Dem möchte sie entgegenwirken. „Wir brauchen diese Orte, um Gesellschaften zu bilden“.