Was wie Aktionskunst anmutet, ist in Wirklichkeit eine Müllkampagne, die von Herzen kommt: Tief eingeschneit lagern 400 Fahrradleichen in bizarrer Formation vor einem Sammelpunkt. Von diesem geheimen Sammellager aus startet das Pankower Ordnungsamt den Versuch, die krummen und rostigen Drahtesel zum Leben zu erwecken. Wenn alles nach Plan läuft, werden soziale Träger diese Schrotträder mithilfe talentierter Mechaniker so weit aufpolieren, dass sie sich an Bedürftige verschenken lassen. Zwar lässt sich der Weihnachtsgedanke bei dieser „Upcycling“-Aktion im Team von Ordnungsstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CD) klar erkennen. Doch hier steckt mehr dahinter, als eine Imagepolitur für das Bezirksamt zu Nikolaus.
Hier gehts um ein Thema, das Radfahrer nervt und die Verkehrswende behindert: Vor allem an großen Bahnhöfen in Prenzlauer Berg und im Zentrum Pankows blockieren derart viele Fahrradleichen Abstellbügel, dass die Dauerbesetzung abschreckend wirkt auf Pendler, die mit dem Velo zur Arbeit wollen – aber kaum noch Plätze zum Abschließen ihrer Gefährte finden. „Wir haben eine hohe Beschwerdelage, auf die wir reagieren“, erklärt Anders-Granitzki den Anlass der großen „Schrottrad-Ernte“.
Schrotträder ärgern Pendler - nun erfreuen „sanierte“ Fahrradleichen Bedürftige

Vier Lastwagen-Ladungen voller herrenloser Fahrrad-Krücken ließ das Ordnungsamt einkassieren und zum Sammelpunkt kutschieren, der wegen Einbruchsgefahr nicht lokalisierbar sein soll. Die geballte Aktion war nur möglich dank Fördergeld aus der Senatskampagne „Saubere Stadt“. Denn das Entfernen von Schrotträdern ist keineswegs ein banales Geschäft und in dieser zielgerichteten Form überhaupt nicht selbstverständlich, wie einer der zuständigen Amtsmitarbeiter erzählt.
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„Wir nehmen niemandem etwas weg“ – so fasst der junge Mann den etwas bürokratischen Prozess zusammen, der sicherstellt, dass mögliche Eigentümer der vor langer Zeit geparkten Räder die Chance haben, ihr Hab und Gut zu retten. Dieser Prozess umfasst die Markierung möglicherweise schrottreifer Velos mit Zetteln und Aufklebern, die zur Abholung auffordern. „Aber leider werden diese Zettel von Fremden oft abgerissen“, sagt der Mitarbeiter. Dann müssen die Amtsleute von neuem anfangen. Aber im Fall der 400 eingeschneiten Räder gelang die Einstufung als Schrottrad dank einer konzertierten Aktion.
Wie geht es nun weiter? Sozialträger wie der Verein Chance, Goldnetz oder Beta suchen sich die hoffnungsvollsten Exemplare aus und bringen sie wieder auf die Straßen. So schafft man Mobilität für Bedürftige aus einem Ärgernis in Sachen Müll.



