1,2 Millionen Tonnen Müll produzieren die Berlinerinnen und Berliner jedes Jahr, pro Kopf fast 400 Kilogramm. An manchen Orten bereiten illegale Müllablagerungen Sorge, in Parks und auf Spielplätzen quellen die Mülleimer über. Damit sich das ändert, will der Senat der Berliner Stadtreinigung (BSR) in den kommenden Jahren mehr Geld zur Verfügung stellen. „Wir wollen, dass die Sauberkeit insgesamt erhöht wird und das Sicherheitsgefühl stärken“, sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung.

Deswegen erhält die BSR in den kommenden beiden Jahren fast 30 Millionen Euro mehr Geld. Damit sollen Parks und Grünanlagen intensiver gereinigt, die sogenannten Kieztage ausgebaut werden, an denen zweimal im Jahr und je Bezirk Sperrmüll abgeholt wird, mehr Graffitis und illegal am Straßenrand abgelegter Müll beseitigt werden.

27.000 Mülleimer werden 6,8 Millionen Mal geleert

100 sogenannte Mülleimer-Garagen hat die BSR für das kommende Jahr bestellt. Sie fassen 240 Liter Abfall.
100 sogenannte Mülleimer-Garagen hat die BSR für das kommende Jahr bestellt. Sie fassen 240 Liter Abfall.© Berlin | BSR

An besonders belasteten Orten sollen sogenannte Mülleimer-Garagen – Mülltonnen mit einem Fassungsvermögen von 240 Litern – aufgestellt werden. Ein Modellversuch dazu am Neuköllner Hermannplatz sei positiv verlaufen, so Giffey, sodass die BSR weitere 100 dieser Riesenmülltonnen bestellt hat. Wo sie aufgestellt werden, soll Anfang kommenden Jahres festgelegt werden. Insgesamt hat die BSR 27.000 orangefarbene Mülltonnen in der Stadt aufgestellt, die pro Jahr 6,8 Millionen Mal geleert werden. Dazu kommen noch 18.000 Mülleimer in Parks und Grünanlagen.

Giffey appellierte an die Berlinerinnen und Berliner, die Müllbeseitigung nicht allein der BSR zu überlassen. Jeder sei gefragt, Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. Dabei gehe es vor allem um die vier klassischen Müllprobleme: Kippen, Kronkorken, Kot und Kartons. Vor allem die Abfälle aus To-Go-Verpackungen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sei es durch Kaffeebecher oder Essenslieferungen.

Zahl der Meldungen über illegalen Müll sind rückläufig

Als positiv bewertete Giffey, dass die Meldungen über illegal abgestellten Müll bei den Ordnungsämtern im vergangenen Jahr zurückgegangen seien. „Wenn der Müll schneller entsorgt wird, dann gibt es weniger Meldungen“, sagte Giffey. In der Vergangenheit sei es oft ein Ärgernis gewesen, dass illegaler Müll wegen Streitigkeiten über die Zuständigkeit oft erst nach Wochen oder sogar Monaten abgeholt worden sei. Seit Mai hat die BSR diese Aufgabe zentral von den Bezirken übernommen.

In der Vergangenheit mussten die Bezirke erhebliche Geldbeträge aufwenden, um im Straßenland abgestellte Matratzen, Bretter oder Bauschutt zu entsorgen. Allein auf Neukölln als Spitzenreiter entfielen im vergangenen Jahr 800.000 Euro zusätzliche Kosten, um 25 Tonnen Sperrmüll und illegalen Bauschutt abzutransportieren. Auch in Tempelhof-Schöneberg (240.000 Euro) und Pankow (120.000 Euro) war zusätzliches Geld nötig.

Dass in den Randbezirken wie Spandau oder Treptow-Köpenick deutlich weniger zusätzliche Kosten anfielen, heißt nicht, dass dort weniger illegaler Müll abgestellt wurde. Da diese Bezirke über große Waldgebiete verfügen, waren für die illegale Müllentsorgung hier häufig die Berliner Forsten zuständig.

Müllverbrennungsanlage versorgt 35.000 Haushalte mit Wärme

Von den insgesamt 1,2 Millionen Tonnen Müll entfällt laut letzter BSR-Entsorgungsbilanz der größte Teil auf den Restmüll in den grauen Hausmülltonnen (810.000 Tonnen). Rund 525.000 Tonnen davon landen im Heizkraftwerk Ruhleben und werden dort verbrannt. Mit der dadurch produzierten Wärme werden 35.000 Haushalte versorgt. Der Rest wird zu Ersatzbrennstoffen für reguläre Kraft- oder Zementwerke aufbereitet – die sogenannte thermische Verwertung – oder recycelt. 381.000 Tonnen entfallen auf gesondert gesammelten Biomüll, Wertstoffe und Papier.

Seit Jahren gibt es verschiedene Initiativen, den Müll in der Stadt zu reduzieren. Dazu werden in verschiedenen Bezirken Sperrmüll-Tauschaktionen veranstaltet. Die BSR unterstützte außerdem 420 Aufräumaktionen in einzelnen Kiezen. Zudem gibt es Aufklärungskurse in Kitas und Schulen und Kampagnen zur Wiederverwertung sowie zur Vermeidung von Abfällen. Insgesamt steigen die Bemühungen, in die sogenannte Kreislaufwirtschaft einzutreten, das heißt, einen möglichst großen Anteil der Abfälle in irgendeiner Form wiederzuverwerten. Den Bezirken stehen insgesamt 3,3 Millionen Euro pro Jahr für solche Maßnahmen zur Verfügung.

Zur Sauberkeitsstrategie gehört auch der Image-Wechsel, den die BSR in den vergangenen Jahren durchlebt hat. Der landeseigene Betrieb hat sich vom schmuddeligen Unternehmen der Müllwerker zu einem beliebten Arbeitgeber gewandelt. Mit der schon vor Jahren eingeleiteten Kampagne „We kehr for you“ und zahlreichen anderen knackigen Slogans ist die BSR mittlerweile ein Symphatieträger in der Stadt – dem mit der Reihe „Die Drei von der Müllabfuhr“ in der ARD sogar eine eigene Fernsehserie gewidmet ist..