Ein Amateur singt mit schiefer Stimme – und Tausende jubeln ihr Vergnügen hinaus: Jeden Sonntag verspricht das Karaoke im Berliner Mauerpark kostenlosen Spaß für Einheimische und Touristen. Aber schon ein flüchtiger Blick auf die groben Steinstufen des Amphitheaters lässt es erahnen. Die ist kein gangbarer Ort, wenn man im Rollstuhl sitzt oder körperliche Schwäche das Erklettern der Tribüne vereitelt.

Manche akzeptieren das als bauliche Gegebenheit und verzeihen dem Mauerpark sein Manko. Doch Carmen Olivar will ihr enttäuschendes Erlebnis nicht verschweigen. Ein Ausflug zum Karaoke gelang nur dadurch, dass sie die Hilfe einiger starker Männer in Anspruch nahm. Dass sie sich von Trommlern, die sich sonntags gern im Park aufhalten, zur Musik-Show tragen ließ.

„Es ist ein Armutszeugnis für die Weltstadt Berlin, dass Inklusion noch nicht überall angekommen ist. Und es war peinlich, dass vier von den Trommlern meinen Rollstuhl vom Volleyballplatz zum Amphitheater tragen mussten, weil Berlin nicht bereit ist, Behinderte zu involvieren. Und das vor den Augen vor Touristen aus aller Welt“, schrieb Olivar anschließend von ihrem Erlebnis.

Grün Berlin: Amphitheater im Mauerpark künftig teilweise barrierefrei

Eine Steintribüne, die es Rollstuhlfahrern schwer macht: Hier läuft die Karaoke-Show im Mauerpark.
Eine Steintribüne, die es Rollstuhlfahrern schwer macht: Hier läuft die Karaoke-Show im Mauerpark.© RubyImages/F. Boillot | RubyImages/F. Boillot

Ähnlich lief es dann einige Tage später zur Fête de la Musique, wo die Parkbesucherin mit anderen Betroffenen sprach, die das gleiche Problem haben. Solche Mängel seien peinlich für Deutschland und Berlin, sagt Olivar zu den Barrieren im Mauerpark.

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Nun da, die vielleicht bekannteste Parkanlage der Hauptstadt für sechs Jahre in mehreren Abschnitten saniert wird, stellt sich allerdings die Frage, ob Rollstuhlfahrer einen Fortschritt erwarten dürfen. Und tatsächlich nennt eine Sprecherin des für die Sanierung zuständigen Unternehmens Grün Berlin auf Morgenpost-Anfrage einen Grund zur Hoffnung:

„Für den konkreten Fall der Barrierefreiheit rund um das Amphitheater können wir der Besucherin eine deutliche Verbesserung in Aussicht stellen. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird es eine barrierefreie Nord-Süd-Verbindung auf der Westseite der Schwedter Straße sowie eine barrierefreie Querungsmöglichkeit auf Höhe des Amphitheaters geben.“

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Auch der barrierefreie Zugang zum Parkett-Bereich des Theaters sowie zur Bühne werde möglich sein. Zumindest hier wird also künftig Teilhabe geboten – auch ohne kräftige Trommler, die Rollstühle tragen.