Blaue-gelbe Farben am sowjetischen Ehrenmal an der Schönholzer Heide – das gab es so nicht mehr seit Annexion der Krim. Gemeinsam mit der ukrainischen Botschaft gedachte am Montag eine Delegation um Pankows Bezirksbürgermeisterin Cordelia Koch (Grüne) der Opfer bei der Befreiung Berlins vom Nazi-Regime am 8. Mai 1945. Dass eine Vertreterin der ukrainischen Botschaft eingeladen wurde, gehe aber auf eine Entscheidung aus der Zeit ihres Vorgängers Sören Benn (Linke) zurück, erklärte Koch. Gemeinsam mit der Diplomatin trug sie den Kranz an den Erinnerungsort.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hält der Bezirk am Ehrenmal in der Schönholzer Heide nur noch ein „stilles Gedenken“ ab. Absprachen mit der russischen Botschaft zu einer gemeinsamen Aktion, die bis dahin üblich waren, finden seitdem nicht mehr statt. Lesen Sie auch: Kriegsgedenken am 8./9. Mai – Auch russische Flaggen erlaubt

Schönholzer Heide in Pankow: Russen waren eine Stunde früher da

So kamen am Montag russische Vertreter auf eigene Entscheidung eine Stunde früher an den Gedenkort als die Bezirksdelegation. Dass russische und ukrainische Gruppen ihren eigenen Rahmen zur Kranzniederlegung bekommen, hält Koch für eine pragmatische Lösung, „wie man in solchen Zeiten zurecht kommt“.

Die ukrainische Botschaft habe „autonom“ entschieden, an der Veranstaltung des Bezirks Pankow teilzunehmen, sagte Bezirksverordnetenvorsteher Oliver Jütting. Mit der russischen Botschaft gebe es derzeit Kontakte. Das „stille Gedenken“ ohne Absprachen sei eine Form des „Sich-aus-dem-Weg-Gehens.“

Andreas Hopf will sich ausdrücklich bei den ukrainischen Soldaten für die Befreiung Berlins bedanken. Und kommt mit einer Ukraine-Fahne zum Ehrenmal.
Andreas Hopf will sich ausdrücklich bei den ukrainischen Soldaten für die Befreiung Berlins bedanken. Und kommt mit einer Ukraine-Fahne zum Ehrenmal.© Thomas Schubert

Den blau-gelben Kranz der ukrainischen Botschaft schaute sich kurz darauf auch der Bürger Andreas Hopf an – mit einer wehenden ukrainischen Fahne schritt er zum Ehrenmal und sagte: „Es waren zum größten Teil Ukrainer und Belarussen, die Berlin befreit haben. Das ist meine Art der Anteilnahme.“

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