Wohnungsmarkt in Berlin

„Hirschhof“ in Prenzlauer Berg in letzter Sekunde gerettet

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Erleichtert: Die Mieterinnen und Mieter der Kastanienallee 12 in Berlin-Prenzlauer Berg können jetzt die Übernahme der Häuser durch eine Genossenschaft in die Wege leiten.

Erleichtert: Die Mieterinnen und Mieter der Kastanienallee 12 in Berlin-Prenzlauer Berg können jetzt die Übernahme der Häuser durch eine Genossenschaft in die Wege leiten.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Die Finanzierung des Hauskaufs an der Kastanienalle in Prenzlauer Berg stand bis zuletzt auf der Kippe. So gelingt die Rettung.

Berlin.  Erleichterung bei den Mieterinnen und Mietern des „Hirschhofs“ in der Kastanienallee 12 in Berlin-Prenzlauer Berg: Gerade noch rechtzeitig ist es ihnen gelungen, die Finanzierung für die Übernahme der vier Häuser durch die Mietergenossenschaft Selbstbau zu sichern. Möglich macht das neben Fördergeld des Landes Berlin auch eine höhere Beteiligung der Stiftung Edith Maryon.

„Das Problem waren die Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss und der Sanierungsbedarf“, sagt Angela Dreßler vom Mieterverein K12. Während der Häuserkomplex im Bezirk Pankow insgesamt etwa sieben Millionen Euro kosten soll, war eine Finanzierung durch die Genossenschaftsförderung des Landes für die Läden und Ateliers in den vier Häusern und die ebenfalls anstehende Sanierung nicht möglich.

„Es war ein Zittern bis zum Schluss. Monate, die auf unsere Kosten gingen, emotional, zeitlich, finanziell“, heißt es von den Mietern der „K12“. Mitte der Woche hatte es noch so ausgesehen, als würde das Projekt trotz vieler Fürsprecher auf den letzten Metern scheitern.

Hirschhof in Prenzlauer Berg wird im Sinne der Mieter geteilt

Mit einem Kniff gelang es im letzten Moment, die Finanzierungslücke zu schließen. „Das Objekt wird geteilt“, erklärt Peter Weber, Vorstand der Selbstbau. Während die Genossenschaft mit Unterstützung eines zinslosen Darlehens der Investitionsbank Berlin die Wohnungen übernimmt (mit einem Eigenanteil der Mieter von zehn Prozent), kauft die Stiftung die Gewerbeeinheiten. Gleichzeitig schießt sie der Genossenschaft eine noch im Detail zu verhandelnde Summe sofort zu, um eine Grundinstandsetzung des Hauses zu gewährleisten, so Weber.

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„Die Stiftung leistet gewissermaßen jetzt schon eine Anzahlung dafür, in 30 Jahren Grund und Boden zu übernehmen“, sagt er. Das ist der eigentliche Zweck der Stiftung Edith Maryon aus der Schweiz, die nach eigenen Angaben Grundstücke kauft, um sie der Spekulation zu entziehen und so eine dauerhaft sozialverträglichen Nutzung zuzuführen. Mit der später zu zahlenden Erbpacht kann die Stiftung dann weitere Vorhaben finanzieren, während sich die Genossenschaft um die Verwaltung und Sanierung des Objekts kümmert.

Der Kauf des Gebäudes mit mehr als 50 Wohnungen, Läden und Ateliers ist dabei nach Aussage von Vorstand Weber nur deshalb so günstig gewesen, weil die Gebäude in weiten Teilen stark sanierungsbedürftig sind. Neben einer dringlichen Grundinstandsetzung rechnet die Genossenschaft damit, langfristig fünf Millionen Euro in die Häuser stecken zu müssen.

Land Berlin und Stiftung Edith Maryon finanzieren Projekt

Andreas Geisel (SPD), Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, sagt deswegen: „Zur Wahrheit gehört, dass die Herausforderungen bei der K12 auch nach einem erfolgreichen Ankauf wegen des Instandsetzungs- und Modernisierungsbedarfs groß sind.“ Die Genossenschaft verfüge jedoch über das Wissen, diese zu meistern. Vorausgegangen waren „intensive Verhandlungen, um eine rechtlich und wirtschaftlich abgesicherte Lösung zu finden“, heißt es weiter aus der Senatsverwaltung.

Die Mieterinnen und Mieter hat der Kampf um ihr Zuhause nach eigenen Angaben zusammengeschweißt. In den vergangenen Tagen machten sie jeden Mittag um fünf vor zwölf mit einer Protestaktion vor dem Haus in der Kastanienallee auf ihre Situation aufmerksam. „Auf uns kommen jetzt einige Jahre zu, in den sich hier Vieles bewegen und verändern wird. Aber die K12 am Hirschhof wird ihr Gesicht nicht verlieren“, verspricht die Hausgemeinschaft.

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In der Zwischenzeit steht noch die Formulierung einer finalen Fördervereinbarung aus. Erst wenn die Unterschrift darunter trocken und der Verkauf beim Notar besiegelt ist, wollen die Bewohner feiern. Angedacht ist das kurz vor Heiligabend. Ein schöneres Weihnachtsgeschenk könnte es für die Mieterinnen und Mieter der Kastanienallee vermutlich nicht geben.