Letzter Ausweg

Pankower Ruinen-Schule: Stadträtin ruft Notfall aus

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Bretterbude: In manchem Klassen des Gymnasiums am Europasportpark werden Schäden auf rustikale Weise behoben. Nun will der Bezirk Geld für die Sanierung durch eine Notfallanzeige erkämpfen.

Bretterbude: In manchem Klassen des Gymnasiums am Europasportpark werden Schäden auf rustikale Weise behoben. Nun will der Bezirk Geld für die Sanierung durch eine Notfallanzeige erkämpfen.

Foto: Thomas Schubert

Pankow will blockierte Schulsanierungen unbedingt durchsetzen. Lange können die brüchigen Schulen nicht mehr warten.

Berlin.  Die Sanierung ist geplatzt - und doch führt an dringenden Reparaturen an Pankows marodester Schule kein Weg vorbei. Im Fall des Gymnasiums am Europasportpark will Bildungsstadträtin Dominique Krössin (Linke) jetzt drastische Konsequenzen wie eine Schließung und Homeschooling für 770 Kinder verhindern. Dazu zeigt sie beim Senat formell den Ausnahmezustand an. „Ich werde umgehend die im Senatsbeschluss aufgezeigte Möglichkeit der Antragstellung für besondere Notfälle nutzen“, berichtet Krössin am Donnerstag.

Pankow habe erneut Widerspruch gegen Investitionskürzungen des Senats eingelegt und vorgeschlagen, die für die Planjahre 2024 bis 2026 vorgegebenen Summen jährlich einzuhalten, indem die Raten einzelner Bauvorhaben gekürzt werden. Ziel ist es, den ursprünglichen Fahrplan zur Reparatur von besonders maroden Schulen einzuhalten und Schulschließungen zu verhindern.

Obwohl sich der Bezirk an den vorgegebenen Finanzrahmen gehalten und seine Sanierungsvorhaben noch einmal priorisiert habe, bleiben die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark, des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und des Max-Delbrück-Gymnasium beim Senat weiterhin unberücksichtigt, kritisiert das Bezirksamt Pankow in einer Stellungnahme.

Pankow droht der Verlust von 6500 Schulplätzen

Aus Krössins Sicht bleibt nur noch dieser Weg: Die Sanierungsmaßnahmen durch Anmeldung des Notfalls retten. Auch die Platzerweiterung durch Neubauten ist aus ihrer Sicht alternativlos. „Es muss dennoch leider abgewartet werden, wann der versprochene Fokus auf neue Schulstandorte seine Früchte in Pankow tragen wird“, sagt Krössin. Aktuell sei keiner der 13 angemeldeten Schulneubauten mit Sekundarstufe einer Baudienststelle zugeteilt und damit finanziell gesichert. „Die Schulplatzversorgung kann in Pankow nur durch zeitnahe Sanierung und Neubau von Schulen garantiert werden“, lautet die Warnung an den Senat.

Für Pankow steht laut Krössin viel auf dem Spiel: Es geht beim Durchsetzen der eingefrorenen Baumaßnahmen um den Erhalt von etwa 6.500 Schulplätzen und die Erhöhung der Schulplatzkapazität um 1.200 Plätze

Gymnasium am Europasportpark muss Jahre auf Ersatzräume in Drehscheibe warten

Wenigstens für die zweite Hälfte des Jahrzehnts haben 770 Schüler des stark beschädigten Pankower Gymnasiums am Europaportpark eine Zuflucht sicher: Wie ursprünglich geplant, soll der komplette Lernort nun ab Februar 2026 in eine temporäre Schule am Nordrand des Volksparks Friedrichshain umziehen. Ein Einfrieren des Drehscheiben-Projekts, was im Sommer zwischenzeitlich drohte, ist nun abgewendet.

Auf der so genannten Werneuchener Wiese am Bötzowkiez werden schon in den kommenden Wochen die ersten Holzmodule für die Fertigklassen angeliefert, berichtet Pankows Schulstadträtin Krössin. Es bleibe beim ursprünglichen Fahrplan, dass ab August 2023 mindestens vier verschiedene Schulen das Drehscheiben-Gebäude als Ausweichstandort nutzen können, während die Stammgebäude für die Sanierung komplett schließen.

Um den hohen Sanierungsstau der betroffenen Lernorte in Prenzlauer Berg abzuarbeiten, hat der Bezirk Pankow eine Reihenfolge festlegen müssen. Schüler des Gymnasiums am Europasportpark brauchen dabei Geduld – denn ihr Lernort liegt nicht auf Rang eins der Priorität. Erst kommt das Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium ab August 2023 an die Reihe und schickt seine Kinder in die aus Fertigteilen zusammengesetzten Klassen.

Pankower Gymnasium hat Ersatzräume ab 2026, aber keinen Plan für die Sanierung

Erst in der zweiten Nutzungsperiode der Drehscheibe ab 2026 wäre der Umzug in Holz-Ersatzklassen für das Gymnasium im Europasportpark also gesichert. Obwohl akute Schäden wie brüchige und wackelnde Fenster, wie berichtet, schon jetzt die Sicherheit der Kinder gefährden, müsste man auf die Drehscheiben-Lösung noch etwa vier Jahre warten.

Ungelöst bleibt dabei die Frage, wie das Bezirksamt Pankow in der Zeit von 2026 bis 2029 die Reparatur des Stammgebäudes, einem bröckelnden DDR-Typenbau aus den 1970er-Jahren, organisieren und bezahlen kann. „Das ist unser großes Problem“, sagt Stadträtin Krössin, die sich mit dem Senat weiter um eine Klärung bemüht. Während der Ersatzstandort in der Drehscheibe auf der Werneuchener Wiese bestätigt ist, fehlt für den schellen Ablauf der Reparaturen und der Erweiterung des Gymnasiums am Europasportpark ein Plan und die Finanzierung.

Sofortlösung: Senat will Bezirk Pankow bei Suche nach Räumen helfen

Dabei ist der Handlungsdruck enorm: Auch zur Vermeidung der drohenden Schulschließung wegen der groben Baumängel noch in diesem Herbst gibt es bisher nur eine theoretische Lösung: Das Aufstellen von Container-Klassen im Schulhof und die Anmietung externer Räume in privaten Bürohäusern. Wenn dies nicht gelingt, droht 770 Kindern die Verteilung auf andere Schulen und sogar das Homeschooling.

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Hier eine rasche Lösung herbeizuführen, das ist laut Senatsbildungsverwaltung Aufgabe des Bezirks. „Wir sind gern auf der Suche nach Ersatzräumen behilflich“, sagt ein Sprecher. Aber das Bezirksamt Pankow kenne die Situation wohl besser und sollte geeignete Immobilien für die Verlegung nicht mehr nutzbarer Klassenräume an geeignete Orte zügig prüfen.

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