Wer hier einzog, konnte stolz sein: Die 18-geschossigen Punkthochhäuser des Thälmann-Parks gehören bis heute zum Gipfel der Baukunst im Bezirk Pankow. Direkt hinter dem 50 Tonnen schweren Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße wollte die DDR auch technisch zeigen, wie modernes Wohnen in Berlin stattfinden soll. Rund 35 Jahre nach dem Bezug der Gebäude offenbaren sich aber auch Schwachpunkte des Turmbaus zu Prenzlauer Berg: Aufzüge zeigen sich anfällig für Defekte. Und in einem der Punkthochhäuser an der Lilli-Henoch-Straße war es nun so, dass tagelang gar nichts mehr ging. Zum Schrecken der Mieter in den oberen Geschossen hieß es: Treppen steigen oder zu Hause bleiben.

„Es macht uns Angst“, sagt Thomas W. zur Situation, die nach seiner Auffassung bei einem medizinischen Notfall Lebensgefahr bedeuten würde. W. Ist vorerkrankt und musste schon einmal in eine Klinik eingeliefert werden – damals fuhren noch beide Lifte.

Stau vor dem Aufzug im Punkthochhaus des Pankower Thälmann-Parks

Inzwischen kann man den Mieter im obersten Stock wieder besuchen. Wenn auch nur mit einem der Aufzüge. Und wenn man die Geduld besitzt, mit einem Dutzend drängelnder Bewohner vor der Lift-Tür zu warten. Zehn Minuten anstehen, das kann zu Stoßzeiten passieren – denn höchstens zehn Personen passen in den schmalen Fahrstuhl, der fast auf jeder Etage hält. Stress für Boten von Lieferdiensten, die Mahlzeiten zustellen wollen, Stress für Mütter mit quengelnden Kindern. Und eine Angstvorstellung für Kranke und Alte, die dichtes Gedränge vor dem einzigen Fahrstuhl aus Sorge vor Corona eigentlich vermeiden wollen.

Wer Thomas W. besucht, trifft unten vor dem Lift Rentner mit FFP2-Maske, verärgerte Lieferando-Boten, sarkastische Radfahrer, die ihr Velo in den Aufzug zwängen, um einen Bandscheibenvorfall beim Tragen im Treppenhaus zu vermeiden. „Nicht schon wieder“, ruft ein Mann, als die Stockwerk-Anzeige eine Minute feststeckt. „Das Ding wurde doch gerade erst repariert.“

Gewobag gewährt betroffenen Hochhaus-Bewohnern Mietminderung

Ein besonderem Aufzug in einem besonderen Hochhaus: Tier- und Naturmotive schmücken den Lift, der nach einem Totalausfall wieder benutzbar ist. Zum Jahresende wird er genau wie der Nachbarlift komplett saniert.
Ein besonderem Aufzug in einem besonderen Hochhaus: Tier- und Naturmotive schmücken den Lift, der nach einem Totalausfall wieder benutzbar ist. Zum Jahresende wird er genau wie der Nachbarlift komplett saniert.© Thomas Schubert

Die Instandsetzungen des letzten funktionierenden Aufzugs sind laut W. meist nur von kurzem Erfolg gekrönt. Der zweite Lift sei dauerhaft außer Betrieb, berichten mehrere Mieter. Weil es immer wieder stockt und hakt, stehen sie seit Jahren in Kontakt mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, die das Hochhaus verwaltet. Dort gab man Hausbewohnern zu verstehen, dass es eine Generalüberholung der Aufzüge im Hochhaus tatsächlich geben soll: Ende 2022 oder Anfang 2023. Ein Grund für den langen Vorlauf und den hohen Reparaturaufwand: der Denkmalschutz. Laut Auskünften der Gewobag an die Mieter soll es sich bei den Aufzügen um einen Teil des Thälmann-Park-Gesamtensembles handeln. Eine Überholung der mit Tier- und Naturbildern geschmückten Aufzüge sei deshalb mit hohem Aufwand verbunden.

Bei der Gewobag äußert sich eine Sprecherin dazu nur mit einer allgemeinen Einschätzung: „Die Probleme rund um die beiden Aufzüge sind uns bekannt und wir arbeiten mit Hochdruck an einer nachhaltigen Lösung für unsere Mieterinnen und Mieter“, heißt es. Man bedaure die Unannehmlichkeiten für die Betroffenen und habe ihnen eine Mietminderung gewährt.

Einer der Aufzüge durch Vandalismus beschädigt

Die Punkthochhäuser hinter dem Ernst-Thälmann-Denkmal in Prenzlauer Berg verkörperten einst das moderne Wohnen in der DDR. Heute muss die Gewobag sich mit anfälliger Technik auseinandersetzen.
Die Punkthochhäuser hinter dem Ernst-Thälmann-Denkmal in Prenzlauer Berg verkörperten einst das moderne Wohnen in der DDR. Heute muss die Gewobag sich mit anfälliger Technik auseinandersetzen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Beim inzwischen reparierten Aufzug sei der Fahrkorb durch Vandalismus beschädigt gewesen, erklärt die Gewobag. Bei anderen Fahrstuhl seien Teile der Steuerung defekt. Eine Beauftragung zur Reparatur habe man veranlasst. „Die Notwendigkeit zur Sanierung der Aufzüge ist uns bekannt. Beide Aufzüge werden voraussichtlich noch in diesem Jahr umfangreich instand gesetzt“, erklärt die Sprecherin. „Dies setzt voraus, dass die aktuelle Marktsituation dies zulässt.“

Im Notfall können Mieter einen besonderen Hilfsservice in Form eines Treppen-Lifts anfordern. Mit einem speziellen hydraulischen Stuhl gleiten Benutzer im Treppenhaus Stufe für Stufe hinunter und wieder hinauf. „Aber man sollte sich Tage vorher dafür anmelden, am besten sogar Wochen“, sagt W. Dann bleibe man lieber gleich zu Hause und hoffe das Beste.