Brauerei in Pankow

Das ist die neue Willner-Weißbierbrauerei Prenzlauer Berg

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Alexander Rothe
Willner-Weißbierbrauerei

Willner-Weißbierbrauerei

Foto: Alexander Rothe

Nach einer grundlegenden Sanierung vor zwei Jahren hat sich die Willner-Brauerei verändert. Das Marode ist dem Modernen gewichen.

Berlin. Die handelsüblichen Bierbänke in Emils Biergarten sind verschwunden. Stattdessen bieten geschliffene und grün gelackte Bänke oder selbst gebaute Holzflächen der neuen Zollhaus Pankow Pizzeria an der Berliner Straße 80 die Gelegenheit, zu sitzen. Während sich früher bierfreudige Gäste im ganzen Innenhof unter Kastanienbäumen ausbreiten konnten, können sie sich heute in einem abgesteckten Bereich rund um das Zollhaus unter großen Sonnenschirmen niederlassen. Die Tafel, auf der die angebotenen Gerichte mit Kreide geschrieben waren, wurden durch eine moderne durchsichtige Plastiktafel ersetzt, auf der das Menü in weißen Lettern gedruckt steht. Die beliebte Pizza ist zwar geblieben, doch in einer anderen Form.

Kreative Szene ist Unternehmen gewichen

Emils Biergarten war eine Koryphäe unter den Berliner Biergärten und wurde sogar als einer der schönsten Biergärten Deutschlands gehandelt. Vor circa vier Jahren musste der beliebte Gastronomiebetrieb, der für seine Pizza bekannt war, schließen. Die Willner-Weißbierbrauerei, das Areal auf dem Emils Biergarten gelegen war, wurde durch den Investor Schaul Shani saniert. Mit den Abrissarbeiten verschwanden nicht nur alte marode Gebäudeteile der 1882 von Emil Willner gegründeten Brauerei, sondern auch die dort ansässige Kreativszene – und eben Emils Biergarten.

Heute dienen die erneuerten Backsteingebäude als Büroflächen für Tiernahrungsanbieter, Corporate-Design-Unternehmen oder Hörgerät-Herstellern. Kreativität findet hier nur noch im unternehmerischen Kontext statt.

Neuer Biergarten: Modernere Ausstattung, schnellere Bedienung und ein Hauch Neapel

Der Biergarten hingegen ist wieder zurück, wenn auch in veränderter Form und mit neuem Besitzer. „Wir haben das fortgesetzt, was vorher auch schon gemacht wurde: Ein Biergarten mit einer Pizzeria“, erklärt Mirko Zarnojanczyk, einer der beiden Geschäftsführer der berlinweiten Restaurantkette Spreegold, die mehrere Standorte in Berlin hat. Vor zwei Jahren entschieden sich Zarnojanczyk und sein Kollege Ralf Steinacker für die Pizzeria im alten Zollhaus der Brauerei und tauften sie Zollhaus Pankow Pizzeria. Gegenüber eröffneten sie eine weitere Spreegold-Filiale.

Der Unterschied zwischen dem neuen und dem alten Biergarten? „Wir haben das Restaurant hochwertig unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes saniert, wie vom Eigentümer gewünscht.“ Shani wollte möglichst viel von der historischen Bausubstanz und dem industriellen Charakter erhalten. So sind die Gebäude der ehemaligen Brauerei in Backsteinoptik gehalten und im Zollhaus wurden die Wände so geschliffen, dass die Schichten aus der Gründungszeit wieder zum Vorschein gekommen sind. Ein weiterer Unterschied zu Emils Biergarten ist die Art der Pizza. In der Zollhaus Pankow Pizzeria wird sie neapolitanisch zubereitet. Mit anderen Worten: Sauerteig und hohe Ränder. Damit hätten Zarnojanczyk und Steinacker auf den aktuellen Zeitgeist und auf einen für sie neuen gastronomischen Bereich – Biergarten mit Selbstbedienung und Pizzaproduktion – gesetzt.

Im Innenbereich des Zollhauses hat sich einiges verändert: Neben der Sanierung der Küche und des Speisesaals wurde die mittlere Etage umgebaut und ist als Gastronomiebereich hinzugekommen. Die Räumlichkeiten können für private Veranstaltungen, wie Hochzeiten oder Geburtstage, angemietet werden. Der Außenbereich hat hingegen an Fläche verloren: Der Biergarten wurde begrenzt, sodass die Gäste nicht mehr willkürlich auf dem Hof und dem Arbeitsweg vieler Mitarbeitenden der ansässigen Unternehmen sitzen können. Lediglich eine Tischtennisplatte steht noch außerhalb des abgesteckten Terrassenbereichs und steht den Gästen der Zollhaus Pankow Pizzeria zur Verfügung.

Der Biergarten wurde jedoch modifiziert: Neue Stühle und selbstgebaute Holzsitzflächen, ein Sandkasten für die Kleinen und ein Container als Ausgabestelle. „Im Gegensatz zum alten Biergarten haben wir zwei Ausgabestellen, und unser Pizzaofen kann theoretisch sieben Pizzen innerhalb von 90 Sekunden backen. Dadurch sind wir schneller in der Bedienung.“

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