Bauprojekt in Pankow

Weißbier und Gewerbe in der alten Willner-Brauerei

Der Klub der Republik und Emils Biergarten verschafften dem Brauereigelände in Pankow Bekanntheit. Jetzt wird die Brache entwickelt

Gestern Brauerei, morgen Gewerbestandort: Die Willner-Brauerei wird bis Ende 2020 neu gestaltet

Gestern Brauerei, morgen Gewerbestandort: Die Willner-Brauerei wird bis Ende 2020 neu gestaltet

Foto: Thomas Schubert

Zwischen rohen Backsteinwänden schwankt eine Discokugel im Sommerwind. Aus dem alten Zollhaus der früheren Weißbierbrauerei dringt der Duft von frisch gebackener Pizza. Und draußen über den Tischen von Emils Biergartens ranken sich Tarnnetze der Bundeswehr und wilder Wein. Es ist vielleicht der letzte Herbst, in dem Tischgäste die Industriebrache als kreative Spielwiese erleben.

Schon im Frühling begannen an der Ecke Berliner Straße und Eschengraben Abrissarbeiten. „Alles in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz“, versichert Eigentümer Schaul Shani. Von der historischen Bausubstanz wolle er so viel wie möglich erhalten. Anstelle der abgebrochenen Gebäudeteile rücken Neubauten mit Wänden in Backsteinoptik, so dass der industrielle Charakter gewahrt bleibt. Shanis Ziel: Die Weißbierbrauerei - eröffnet im Jahre 1882 von Emil Willner - soll sich in einen neuen Gewerbestandort verwandeln. Und weiterhin der kreativen Szene eine Zuhause bieten.

Wenn der Umbau zum Ende des Jahre 2020 zum Abschluss kommt, sollen allerdings vor allem Büro- und Gewerbemieter heimisch werden. „Es wird aber keine neue Kulturbrauerei“ wehrt sich der Investor gegen den Vergleich mit dem anderen Industrie-Loft an der Schönhauser Allee. „Die Kulturbrauerei ist riesig. Das hier wird schon größenmäßig etwas völlig anderes“, winkt Shani ab. Für Gespräche über Details oder das Vorzeigen von Simulationsbildern sei es noch zu früh.

Trotz Wohnungsknappheit und rasant steigender Mieten in der Umgebung ka von vorn herein keine andere Nutzung in Frage als Gewerbe. So wollte es das Bezirksamt Pankow. Die Referentin von Stadtentwicklungsstatrat Vollrad Kuhn (B‘90 /Grüne) erklärt das mit der ursprünglichen Entscheidung für einen Kultur- und Klubstandort. „Wir haben uns daher nicht für die Umnutzung zum Wohnen eingesetzt, da Wohnen und Clubnutzung an einem gemeinsamen Standort naturgemäß oft zu erheblichen Nutzungskonflikten zum Beispiel durch Lärm führen“, heißt es aus dem Büro des Stadtrats.

Inzwischen hat sich das Lärmproblem erübrigt, nachdem der international bekannte Klub der Republik 2017 seine Tore schloss. Als die Baugenehmigung im März 2011 vom Bezirksamt erhielt, war die Sache anders. Die Sanierung und der Umbau der ehemaligen Willner Brauerei und ihrer Nebengebäude wurde nach dem damaligen Sachstand genehmigt.

Shani wiederum wollte die Festlegung auf Gewerbe nicht mehr anfechten, da sich das Bauprojekt dadurch erheblich verzögert hätte. 2016 erwarb Shani das Grundstück von Ex-Karstadt-Gesellschafter Nicolas Berggruen und ließ die Künstler und Gastronomen auf dem Gelände zunächst gewähren. Nicht alle der ansässigen Künstler hielten durch. Aber „Emils Biergarten“ und die „Pizzeria L’Antica Dogana“, beide betrieben von Dominique Zuschlag, florieren bis heute.

Die Tradition des Bierausschanks am Viadukt der U-Bahnlinie 2 liegen in der Gründerzeit, als im Garten des Zollhauses zur Berliner Straße Gerstensaft ausgeschenkt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg konnte man die „Willner Weiße“ an einer „Bierklappe“ direkt auf dem Fabrikgelände kaufen. Der ursprüngliche Biergarten schloss erst im Jahre 1993. 2013 folgte dann die Neueröffnung als „Emils Biergarten“ unter der Regie des Teams um Dominique Zuschlag. Ein Internetblog kührte den Betrieb prompt zu einem der 20. schönsten Biergärten Deutschlands und hob ihn auf eine ebene mit einer anderen Prenzlauer Berger Größe: dem Prater.

Dennoch schien die Zukunft des Lokals eine zeitlang ungewiss. Doch jetzt gibt es eine Entscheidung. „Wir haben noch bis Ende September 2018 geöffnet. Danach wird es eine sanierungsbedingte Pause geben. 2019 wird Emils Biergarten dann auf deutlich kleinerer Fläche neu eröffnet“, gab der Betreiber bekannt. „Der Biergarten bleibt definitiv. Er passt gut hierhin“, bestätigt Shaul Shani. Eine Verdrängung der kreativen Szene liege ihm fern. Schließlich sei er auch Tänzer und Choreograph. Welche Art von Gewerbe in die umliegenden Gebäuden einziehen soll? Der Investor will sich nicht festlgegen. „Ich bin offen für alles“, sagt er nur.

Unter anderen Vorzeichen stand der Umbau eines anderen früheren Brauerei-Areals, das sich ebenfalls in Pankow befindet. Hier verwandelte das Unternehmen terraplan die denkmalgeschützten Backsteinbauten von 2008 bis 2011 in ein Loft mit 150 Wohnungen. Hier gab es keine Klub- und Künstlerszene, mit der man sich hätte arrangieren müssen. Denn die Mälzerei stand zuvor 17 Jahre leer.