Femizid

Bluttat in Pankow: Marsch für erstochene Mutter Zohra G.

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexander Rothe
Der Tatort als Erinnerungsort: An der Maximilianstraße in Pankow erinnern Blumen, Briefe und Kerzen an den Ort, wo Zohra G. durch Messerstiche starb. Ein Monat danach wird demonstriert.

Der Tatort als Erinnerungsort: An der Maximilianstraße in Pankow erinnern Blumen, Briefe und Kerzen an den Ort, wo Zohra G. durch Messerstiche starb. Ein Monat danach wird demonstriert.

Foto: Thomas Schubert

Nach der Tötung von Zohra G. demonstriert ein Frauen-Bündnis in Pankow. Angehörige gegen Abschiebung des Ex-Mannes nach Afghanistan.

Genau einen Monat nach der Bluttat in Pankow versammeln sich Initiativen am Sonntag, 29. Mai, um 15 Uhr, auf dem Garbátyplatz am S- und U-Bahnhof Pankow zum Gedenkmarsch an die ermordete Zohra G. Die sechsfache Mutter wurde mutmaßlich von ihrem Ex-Partner auf der Maximilianstraße in Pankow vor den Augen ihrer Kinder und anderen Zeugen erstochen. Nun rufen Plakate in ganz Pankow dazu auf, an die Bluttat zu erinnern und ein Bewusstsein zu schaffen für die Grausamkeit von Femiziden.

Anlass der Demonstration durch Pankow: Trotz Anzeigen ist nichts passiert

Angemeldet und geplant haben die Demonstration die Frauenorganisation Netzwerk Zora Berlin und weitere Initiativen gegen Gewalt gegen Frauen. Sie fordern Aufklärung im Fall der getöteten Zohra G. und werfen den zuständigen staatlichen Organen eine Mitschuld an der Ermordung der jungen Mutter vor, die trotz mehrfacher Anzeigen gegen den gewalttätigen Ehemann nicht ausreichend Hilfe erhalten habe. „Anfang des Jahres ist Zohra zum ersten Polizei zur Polizei gegangen, weil sie Morddrohungen erhielt. Obwohl drei Anzeigen gegen den Täter vorlagen, ist nichts passiert“, kritisiert Ava Moayeri von Zora, einer Beratungsstelle für Frauen. „Laut Polizei war lediglich ein Kontaktverbot in Vorbereitung, sonst wurde nichts eingeleitet.“ Auch die Familie der Getöteten in Oldenburg habe sich an die dortige Polizei gewendet.

Vonseiten der Polizei Berlin heißt es, dass eine Gefährderansprache gegenüber dem sechsfachen Vater durchgeführt werden sollte. Weil er jedoch wohnungslos war, habe er nicht ausfindig gemacht werden können. Vor dem Hintergrund der Anschuldigungen untersucht die Berliner Polizei derzeit, ob sie Fehler gemacht und die Frau nicht ausreichend geschützt hat. Geprüft wird, ob interne disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen Beamte eingeleitet werden. Auch Innensenatorin Iris Spranger sicherte Aufklärung zu, unter anderem hinsichtlich der Frage, warum die Frau nicht in einem Frauenhaus aufgenommen wurde.

So gibt es weiterhin offene Punkte: Wieso konnte Zohra G. nicht vor ihrem Ex-Partner geschützt werden, der in der Vergangenheit durch gewalttätiges Verhalten aufgefallen war? Gab es tatsächlich Versäumnisse aufseiten der Polizei?

Angehörige der Getöteten: Taliban könnten Ex-Mann in Afghanistan aufnehmen

Auch zum mutmaßlichen Täter gibt es neue Forderungen. Auf Bitten der Angehörigen verlangt das Bündnis der Frauenorganisationen, die Abschiebung des Ex-Partners nach Afghanistan zu verhindern. „Für sie ist es klar, dass die Taliban ihn willkommen heißen und ihm deshalb nichts geschehen wird“, so Moayeri. Sie stand bis wenigen Tagen mit der Schwester der Ermordeten, die in Oldenburg, in Kontakt. „Sie sind immer noch ziemlich aufgelöst und haben viel mit den Kindern zu tun. Die Schwester will sie zu sich holen, es gibt aber Probleme mit dem Jugendamt.“ Deshalb werde ihr vonseiten der Beratungsstelle rechtliche Hilfe angeboten.

Um Aufklärung über die Arbeit der Polizei zu betreiben, brauche es gemäß der Initiatoren eine unabhängige Stelle, die den Fall prüft. Mehrere Beispiele, wie etwa die Aufarbeitung des Mordes an Oury Jalloh, trübten laut Moayeri jedoch die Hoffnung auf eine rasche Aufklärung. Doch sie gibt sich kämpferisch: „Es kommt auf die weitere Arbeit drauf an und wie sehr Druck ausgeübt wird.“

„Gedenkpark“: Tatort in Pankow bei Google Maps markiert

Der Gedenkmarsch soll am S-Bahnhof Pankow starten. Über die Berliner Straße biegen die Protestierenden dann in die Hadlichstraße ein und ziehen an der dort ansässigen Polizeidirektion, Abschnitt 13, vorbei. Zurück auf der Berliner Straße geht es dann in die Tiroler Straße, Dolomitenstraße, Esplanade, Toblacher Straße, Brennerstraße, Mühlenstraße und schließlich auf die Maximilianstraße, dem Ort der Bluttat, der mittlerweile sogar bei Google Maps eingetragen ist.

Angemeldet für die Demonstration sind derzeit 100 Personen. „Wir hoffen aber, dass es mehr werden“, sagt Ava Moayeri.

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( mit dpa )