Justiz

Gedenken und Forderungen zum 16. Todestag von Oury Jalloh

Eine Teilnehmerin der Demo streckt die Faust in die Höhe.

Eine Teilnehmerin der Demo streckt die Faust in die Höhe.

Foto: dpa

Dessau-Roßlau. Mit Blumengebinden und einer Kundgebung ist in Dessau-Roßlau an den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh erinnert worden. Vor 16 Jahren, am 7. Januar 2015, war der Mann aus Sierra Leone in einer Gewahrsamszelle des Polizeireviers ums Leben gekommen. Die Todesumstände gelten auch nach zwei Landgerichtsprozessen als nicht aufgeklärt. Nach den Ermittlungen der Behörden soll Jalloh in der Gewahrsamszelle einen Brand selbst gelegt haben, obwohl er in dem Raum an Händen und Füßen gefesselt war. Laut Obduktion hatte er schwere Verbrennungen.

Eine Berliner Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh setzt sich weiter dafür ein, den Fall nicht zu den Akten zu legen. Sie wirft Staatsanwaltschaft und Polizei Vertuschung vor. "Die Fakten sprechen dafür", sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Auf der Kundgebung vor dem Polizeirevier war zu lesen: "Oury Jalloh, das war Mord". Zu dem Gebäude kamen rund 150 Menschen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Organisatoren sprachen von 150 bis 200 Teilnehmern.

Der Fall Jalloh war in Sachsen-Anhalt von zwei Sonderberatern untersucht worden, die der Landtag eingesetzt hatte. Deren Bericht listete eine Reihe von Fehlern auf, Konsequenzen hatte das bislang aber nicht. Der Tod des Mannes bewegt Menschen bis heute über die deutschen Grenzen hinaus.

Die Organisatoren des diesjährigen Gedenkens hatten angekündigt, wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr in kleinerem Rahmen als in den Vorjahren an Oury Jalloh zu erinnern, unter Einhaltung der Regeln zur Eindämmung der Pandemie. Aufgerufen wurde dazu bundesweit in zwölf Städten, wie eine Sprecherin der Initiative sagte, darunter in Berlin, Leipzig, Erfurt, Essen, Frankfurt/Main und Hamburg.