Handwerk in Pankow

Wie steht es um das Handwerk in Pankow?

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Alexander Rothe
Pankow hat berlinweit die meisten Handwerksbetriebe. Dennoch wird sich über ein Mangel an Service und erhöhte Preise beschwert.

Pankow hat berlinweit die meisten Handwerksbetriebe. Dennoch wird sich über ein Mangel an Service und erhöhte Preise beschwert.

Foto: Kirsten Neumann / dpa-tmn

Laut Statistik der Handwerkskammer Berlin ist Pankow seit Jahren Handwerkshochburg. Lars Bocian (CDU) sieht die Zahlen jedoch kritisch.

Berlin. Seit 2004 befindet sich die Anzahl der bei der Handwerkskammer Berlin eingetragenen Mitgliedsbetriebe auf einem konstanten Niveau. Waren es vor 18 Jahren über 30.000 Betriebe berlinweit, sind es 2021 fast gleich viele – in den Zwischenjahren kam es lediglich zu geringen Schwankungen. Der Bezirk Pankow bezieht in dieser Statistik die Position des Spitzenreiters, wie aus einer Antwort des Bezirksamts auf die Kleine Anfrage des Bezirksverordneten Lars Bocian (CDU) hervorgeht, der selbst Handwerker ist.

Großteil der Handwerksbetriebe im Bauhaupt- und Ausgabegewerbe

In der Statistik der Handwerkskammer Berlin wird ersichtlich, dass vor allem zulassungspflichtige Handwerksbetriebe im Ausbaugewerbe in Pankow weit verbreitet sind, also Klempner, Fensterbauer oder Maler. Weiterhin gibt es hunderte handwerksähnliche Betriebe im Bauhauptgewerbe, wie Eisenflechter, Kabelverleger im Hochbau oder Asphaltierer.

In diesem Bereich ist hingegen ein deutlicher Rückgang seit 2004 festzustellen: Seit damals ist die Zahl von 658 handwerksähnlichen Betrieben, die bei der Handwerkskammer eingetragen waren, auf 35 Unternehmen gesunken. Dieser Trend sei laut Handwerkskammer jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass Betriebe in Pankow massenhaft verschwunden seien, sondern aufgrund der Novellierung der Handwerksordnung im Jahr 2020 eine erhebliche Neuzuordnung von Handwerkern zu anderen Bereichen stattgefunden habe.

Lars Bocian: Statistik gibt nicht die Kapazitäten der Betriebe an

Laut Lars Bocian seien derart stabile Zahlen auf die steigende Anzahl an Soloselbstständigen zurückzuführen, die ebenfalls wie große Unternehmen als Betrieb erfasst werden. Eine Differenzierung hinsichtlich der Zahl an Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen werde in der Statistik der Handwerkskammer nicht vorgenommen. „Seit vielen Jahren ist eine Abwanderung der großen Betriebe in die Außenbezirke oder nach Brandenburg zu beobachten“, so Bocian. Die Zunahme an Soloselbstständigen im Handwerk hätte Konsequenzen für die Kapazitäten in der Branche, Preise und Ausbildungsplätze.

Letzteres wird von der Handwerkskammer Berlin als ein Problem von vielen aufgelistet, mit der sich die Branche konfrontiert sieht: „Die größten Herausforderungen sind der Fachkräftemangel und der Weg aus der Wirtschaftskrise bedingt durch steigende Inflation, höhere Preise, gestörte Lieferketten, Einschränkungen wegen Corona und nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine“, heißt es von der Handwerkskammer Berlin. Die Folgen sind höhere Preise und fehlender Service, die auch Lars Bocian moniert.

Ausbildungsinitiative und mehr Flächen für Handwerksbetriebe

Er fordert die Förderung Pankows als Ausbildungsstandort, weshalb eine Ausbildungsinitiative für Handwerksberufe in Pankow gestartet werde. „Dazu bringe ich unter anderem bundesweit agierende Ausbildungstrucks der Industrie und Angebote der Innungen an Pankower Schulen.“ Dieser Plan sei wegen der Coronapandemie mehrmals verschoben worden. „Es ist wichtig, das Handwerk wieder der Jugend als Alternative zum Studium zu vermitteln.“

Gleichzeitig möchte Bocian Pankow als Standort für das Handwerk stärken: „Die wohnortnahe Dienstleistung ist nachhaltiger und günstiger als große Dienstleistungs-Ketten mit weiten Anfahrtswegen und teils bundesweitem Betrachtungsraum.“

Doch steht für diesen Zweck ausreichend Fläche zur Verfügung? „Da der Bezirk Pankow über keine eigenen gewerblichen Liegenschaften verfügt, gilt es die zuständigen Institutionen wie BIM, Wirtschaftssenat und Stadtentwicklungssenat dafür zu sensibilisieren, Sicherungsmaßnahmen zu realisieren. Diese Sensibilisierungen flossen in den Stadtentwicklungsplan (StEP) Wirtschaft von 2020 ein“, erklärt Benn in seiner Antwort auf die CDU-Anfrage.

Null-Emissionen-Gewerbegebiet in Buchholz Nord – und drei weitere Areale im Fokus

Auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2019 soll nun die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ein Gewerbegebiet in Buchholz Nord entwickeln und schnellstmöglich besiedeln. Geplant ist auf dem 190 Hektar großen Areal ein Null-Emissionen-Gewerbequartier, das insbesondere für mittelständische Unternehmen bereitstehen soll. Überdies ist immer wieder die Rede von Tesla, dessen Gigafactory nur 30 Minuten Autofahrt entfernt liegt.

Zudem, so Benn, seien bisher Untersuchungen in die Wege geleitet worden für die Gebiete Storkower Straße in Prenzlauer Berg, Treseburger Straße in Blankenburg und am Wilhelmsruher Tor.

Handwerkskammer zufrieden mit Senatszusammenarbeit

Die Handwerkskammer zeigt sich indes zufrieden mit der Zusammenarbeit mit dem Senat. So stünden beide Parteien im regelmäßigen Austausch: „Wir machen dort auf die Themen des Handwerks aufmerksam, zuletzt mit dem Thema Gewerbeflächen für Handwerksbetriebe in der Stadt oder dem Thema Energiewende, die ohne das Handwerk nicht zu realisieren ist. Wir haben mit dem Senat eine Zusammenarbeit im mehreren Bereichen vereinbart.“

So haben Senat und Handwerkskammer den Aktionsplan Handwerk 2021- 2023 entwickelt, mit dem 28 Maßnahmen beschlossen wurden, die Handwerksbetriebe in Berlin unterstützen sollen. Unter anderem ist eine zentrale Anlaufstelle für digitale Unterstützungsangebote und ein Innovationszentrum Handwerk geplant.

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