Brückenneubau

Abriss der Schönhauser-Allee-Brücke bedroht Einkaufscenter

Die Großbaustelle in Prenzlauer Berg könnte gravierende Auswirkungen auf Handel und Verkehr an der Schönhauser Allee haben.

Keine Rettung möglich: Die 1888 erbaute Brücke über den Graben der Ringbahn wird abgerissen – mitsamt der Schönhauser Allee.

Keine Rettung möglich: Die 1888 erbaute Brücke über den Graben der Ringbahn wird abgerissen – mitsamt der Schönhauser Allee.

Foto: Thomas Schubert / BM

Berlin. Eine der größten Baustellen in Prenzlauer Berg seit dem Fall der Mauer weckt bei den Anliegern schon Jahre vor dem Start Sorgen. Direkt vor den Toren des Einkaufszentrums Schönhauser Allee Arcaden soll die Brücke über den Graben der Ringbahn mitsamt der Fahrbahn ab 2024 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

„Eine Ertüchtigung ist wirtschaftlich nicht vertretbar. Teile des Brückenbauwerks sind 1888 errichtet worden und haben somit die Lebensdauer erreicht“, teilte nun Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese in der Beantwortung einer Anfrage des CDU-Abgeordneten Stephan Lenz mit.

Die Statik der Brücke, die alle Fahrbahnen der Schönhauser Allee im Bereich der Ringbahn umfasst, entspreche nicht den heute gültigen Lastenmodellen. Im Rahmen der Planungen des Ersatzneubaus sollen alle Beteiligten und Betroffenen wie die Deutsche Bahn, die BVG, die Leitungsverwaltungen, Behörden und Anwohner eingebunden werden, sichert Streese zu.

Schönhauser Allee: Baustelle könnte zu Ladenschließungen und Sperrungen führen

Wie berichtet, will die Senatsverwaltung für Verkehr bis zum ersten Quartal 2020 zunächst in einer europaweiten Ausschreibung ein Planungsbüro für das Vorhaben verpflichten. Erst dann werde eine Zeitschiene für das Projekt ermittelt. Die Verwaltung geht derzeit davon aus, dass sich die Bauarbeiten voraussichtlich sechs Jahre lang bis 2030 hinziehen werden. Für die Finanzplanung sind zunächst 21 Millionen Euro angemeldet.

Wie stark die Auswirkungen auf die Ringbahn und die U-Bahnlinie U2, die auf einem Viadukt über die Brücke verläuft, ausfallen werden, ist noch offen. Verkehrsexperten befürchten eine monate- oder gar jahrelange Unterbrechung. Fest steht aber, dass der denkmalgeschützte Hochbahnhof Schönhauser Allee erhalten bleibt.

Umfeld der Brücke an der Schönhauser Allee wurde nachträglich überbaut

Dem Abgeordneten Stephan Lenz bereitet Sorge, dass die Bauarbeiten eine Vollsperrung der stark befahrenen Schönhauser Allee bedeuten können – und dass die Arbeiten den örtlichen Einzelhandel treffen. So wird der Brückenabriss direkt vor Einkaufszentrum Schönhauser Allee Arcaden stattfinden, wobei sich ein Flügel des Centers sogar auf einem Anbau der maroden Brücke über dem Ringbahngraben befindet.

„Händler und Gewerbetreibende könnten die Hauptleidtragenden der Baustelle sein“, warnt Lenz. Deshalb müssten die Schönhauser Allee Arcaden und die umliegenden kleinen Läden früh in die Planungen eingebunden werden. Wie man mit dem Einkaufszentrum und anderen Anliegern der Schönhauser-Allee-Brücke umgeht, müsse man jetzt sorgfältig bedenken. Beim Bau der Brücke hätten sie noch nicht existiert. Umso schwieriger werde sich der Abriss und Neubau gestalten.

Die kommende Großbaustelle weckt aber nicht nur Sorgen, sondern auch Erwartungen. So sieht der Pankower Grünen-Abgeordnete Andreas Otto das Projekt als Chance, den Verkehrsraum beim Neubau der Brücke anders aufzuteilen – und dabei den Rad- und Fußverkehr zu begünstigen. Eine radikale Einschränkung der Fahrspuren lehnt Stephan Lenz wiederum ab. Er meint: Sowohl während der Bauarbeiten als auch nach der Fertigstellung der neuen Brücke dürfe der motorisierte Verkehr nicht benachteiligt werden. Gerade neue Mobilitätsformen wie Carsharing oder das BVG-Sammeltaxi Berlkönig sollten auch weiterhin ihren Platz in Prenzlauer Berg haben – „ich bin dagegen, das Auto zu verbannen“.

Streit über Umgestaltung der Schönhauser Allee vor dem Abriss

Obwohl der Abriss der Schönhauser Allee im Bereich der Brücke schon beschlossen ist, stehen die Planungen zur Umgestaltung nicht still. Das Bezirksamt Pankow prüft derzeit, im Abschnitt vor dem Einkaufszentrum eine Protected Bikelane – also einen mit Pollern geschützten Radweg – einzurichten. Schon 2020 könnte es zur Umsetzung kommen. Zuletzt hatten bei einer Demonstration zum Tag der Verkehrssicherheit am 15. Juni Aktivisten die Umgestaltung der Straße eingefordert, zumal das Vorhaben im Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Landesregierung verankert ist. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) begrüßt die Idee einer Protected Bikelane und sieht die Zuständigkeit bei ihrem Parteifreund, Baustadtrat Vollrad Kuhn.

Aber macht es überhaupt Sinn, einen Straßenabschnitt umzugestalten, der vier Jahre später abgerissen wird? Stephan Lenz befürchtet eine Fehlinvestition von Steuergeld und sagt: „Dass wäre völlig unverständlich und überhaupt nicht nachhaltig.“