Ruhestörung

Anwohnerbeschwerden: Walpurgisnacht im Mauerpark geplatzt

Freunde des Mauerparks kritisieren das Scheitern des Spektakels in der Nacht zum 1. Mai. Polizei bot an, ohne Lagerfeuer und Musik zu feiern

Im vergangenen Jahr fand die Walpurgisnacht im Mauerpark vielleicht zum letzten Mal statt.

Im vergangenen Jahr fand die Walpurgisnacht im Mauerpark vielleicht zum letzten Mal statt.

Foto: Maurizio Gambarini

Konzerte, Aufführungen von Künstlern, heiteres Beisammensein im früheren Todesstreifen – was im Mauerpark in der Nacht zum 1. Mai zur Tradition gehörte, findet nicht mehr statt. Nur wenige Wochen vor der Veranstaltung ist die Planung der „Friedvollen Walpurgisnacht“, wie sich das Spektakel nennt, überraschend gescheitert. Die Gründe ähneln den Bedenken, die bereits das beliebte Karaoke an Sonntagen und die Konzerte von Straßenmusikern ins Wackeln gebracht hatten: Anwohnerbeschwerden und bürokratische Hürden. Das sind die Probleme, die laut der „Freunde des Mauerparks“, den Veranstaltern des Festes, zur Absage der Walpurgisnacht führten.

„Die Polizei und das Bezirksamt Pankow ziehen der Friedvollen Walpurgisnacht den Stecker“, erklärt der Vereinsvorsitzende Alexander Puell. Und beschreibt die Situation wie folgt: „Aus Angst vor möglichen Anwohnerbeschwerden wurden durch die Polizei hohe Auflagen und starke Einschränkungen für das Fest angekündigt. Das Team der Friedvollen Walpurgisnacht hat deshalb sein weiteres Engagement für die Walpurgisnacht abgesagt.“ Ausgerechnet ein Fest, das Anwohner vor 15 Jahren ins Leben gerufen hätten, sei nun durch staatliches Handeln gestoppt worden. „Klingt eigentlich wie ein schlechter Scherz“, beklagt Puell. Trotzdem werde das Veranstaltungsteam alles daran setzen, die Walpurgisnacht als „Herzensanliegen“ im privaten Rahmen an einem anderen Ort stattfinden zu lassen – „da, wo wir uns sicher fühlen.“

Walpurgisnacht sollte 15. Geburtstag feiern

In wiefern die Polizei für das Fest in Prenzlauer Berg höhere Auflagen erhoben hatte und welche Sicherheitsbedenken vorliegen, war am Sonnabend nicht zu erfahren. Erst am Montag werde man sich dazu äußern können, teilte eine Polizeisprecherin auf Nachfrage mit. Und der verantwortliche Stadtrat Daniel Krüger (parteilos, für AfD)? Dass die Polizei Gespräche über die Veranstaltung der Walpurgisnacht führen wollte, sei ihm zwar bekannt. Aber über die Nachricht der Absage zeigte sich Krüger am Sonnabend trotzdem überrascht. Er könne zu den Vorwürfen, dass der Bezirk „den Stecker zieht“, am Wochenende nichts sagen. Nach wilden Zeiten mit Ausschreitungen in den 90er Jahren sei die Walpurgisnacht inzwischen ein sehr gemäßigtes Spektakel und sei ordnungsrechtlich eher unauffällig.

Ungünstige Änderung gegenüber früheren Jahren sehen die „Freunde des Mauerparks“ dafür aufseiten der Ordnungsbehörden und der Nachbarschaft. Die Polizei habe vorgeschlagen, die Walpurgisnacht 2019 ohne Lagerfeuer und ohne Musik auszutragen, erzählt Alexander Puell. Aber damit sei das Ereignis als solches tot. „In den letzten Jahren hat das Fest nur funktioniert, weil wir keine Ausnahmegenehmigung brauchten und keine hatten. Jeder Anruf eines Anwohners hätte dazu geführt, dass wir abbrechen müssten. In diesem Jahr wissen wir sicher, dass der erste Anruf gefühlt drei Minuten nach vier am Nachmittag kommt“, befürchtet der Vorsitzende. Bei einer derart hohen Gefahr einer Beschwerde mache es keinen Sinn die Feier überhaupt zu starten.

Auch in Kreuzberg müssen Feierwütige auf Festivitäten im Grünen verzichten. Denn sowohl das „Myfest“ in seiner bisherigen Form als auch die seit langem etablierte Party im Görtlitzer Park sind in diesem Jahr unerwünscht. Auch hier gaben kritische Stimmen aus der Nachbarschaft den Ausschlag. Auch hier zog der Bezirk die Konsequenten und opferte das Feiern dem Frieden im Kiez. Musik, Grills und Verkaufsstände seien an dem Tag verboten, teilte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am Donnerstag mit. Dafür solle der Park ein „Ort der Entspannung für alle Kreuzberger und Gäste“ sein – unter dem Motto: „Ein ganz normaler Tag im Park“.

Auch Friedrichshain-Kreuzberg beendet Spektakel im Park

Keine Gefahr mehr besteht hingegen für das Bearpit-Karaoke des Veranstalters Joe Hatchiban. In der kommenden Woche wird der weltbekannten Show offiziell die Genehmigung erteilt, kündigte Pankows Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (parteilos, AfD) gegenüber der Morgenpost an. So kann das Konzertereignis trotz aller Querelen wie geplant zu Ostern starten. Zuletzt waren noch einmal Zweifel an der Erlaubnis entstanden, als Anwohner sich bei einer Anhörung massiv über das „Horror-Karaoke“ beschwert hatten.

Das Aus der Walpurgisnacht ist die neueste Hiobsbotschaft in einer Kette von widersprüchlichen Entwicklungen. Erst sollte das Mauerpark-Karaoke monatelang verschoben werden, weil das Bezirksamt sich um die Sicherheit der Parkbesucher angesichts von Bauarbeiten der Berliner Wasserbetriebe sorgte. Nach aufkommenden Protesten gegen diese Entscheidung beeilten sich die Beteiligten, diese Bedenken wieder auszuräumen. Dann galt das Problem mit Ruhestörung durch laute Musik als kritisches Kriterium. Nun trifft es mit der Walpurgisnacht ausgerechnet jene Veranstaltung, an der bis jetzt keine Zweifel bestanden hatten.