Blankenburger Süden

Berlins größtes Wohnungsbauprojekt um zwei Jahre verschoben

Die Entscheidung über den Blankenburger Süden fällt wohl erst 2021. Der Senat macht auch Bürgerproteste dafür verantwortlich.

Auf den Rieselfeldern in Blankenburg soll ein Viertel entstehen, das durch eine Straßenbahnverbindung erschlossen wird.

Auf den Rieselfeldern in Blankenburg soll ein Viertel entstehen, das durch eine Straßenbahnverbindung erschlossen wird.

Foto: Reto Klar

Berlin. Das Projekt Blankenburger Süden im Bezirk Pankow mit bis zu 6000 Wohnungen gilt als das größte Entwicklungsgebiet Berlins. Doch nun wird sich das Vorhaben auf den Rieselfeldern am Blankenburger Pflasterweg voraussichtlich deutlich verzögern. Denn die Entscheidung über das Projekt muss um zwei Jahre verschoben werden. Erst im Wahljahr 2021 kann das Abgeordnetenhaus das Stadtquartier mit einer Abstimmung offiziell auf den Weg bringen.

Das bestätigte eine Sprecherin von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Dienstag auf Anfrage. Eine „Nach- und Umsteuerung des Gesamtprojektes“ sei aufgrund der kritischen Reaktionen bei der Bürgerbeteiligung, die vor einem Jahr begann, unabdingbar, heißt es. Auch eine Machbarkeitsuntersuchung zur Verkehrserschließung Blankenburgs sei immer noch nicht beendet. So werden sich diese Vorbereitungen für den Wohnungsneubau noch bis Ende des Jahres 2020 oder Anfang 2021 hinziehen.

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Blankenburger Süden: 2025 sollte mit dem Bau begonnen werden

Zuletzt hatte die von Lompscher geführte Stadtentwicklungsverwaltung einen Abschluss dieser Untersuchungen für 2019 angepeilt, mit dem Ziel, auf der 150 Hektar großen Fläche ab dem Jahr 2025 mit dem Bau zu beginnen. Dafür müsste aber die Entscheidung über die Entwicklung des Quartiers im Berliner Norden und die Erschließung mit einer neuen Straßenbahntrasse im Abgeordnetenhaus wohl noch in diesem Jahr fallen. Mit der Verschiebung des grundsätzlichen Votums für das Projekt ins Wahljahr 2021 gilt das als ausgeschlossen.

„Es scheint, politisches Kalkül zu sein“, kritisiert Daniel Buchholz, der wohnungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, den befürchteten Aufschub auf einen „Sankt Nimmerleinstag nach der Wahl“. Er hatte wie andere Baupolitiker vor Kurzem durch einen routinemäßigen Bericht der Stadtentwicklungsverwaltung vom neuen Zeitplan erfahren. „Bei allem Verständnis für Bürgerbeteiligung: Wir dürfen hier nicht auf Zeit spielen“, drängt Buchholz zur Eile. Denn man müsse rasch weitere wichtige Fragen klären wie die Verkehrserschließung und den Umgang mit der vorhandenen Bebauung in der Erholungsanlage Blankenburg mit mehr als 1000 Parzellen. Wegen anhaltender Proteste, vor allem bei den Bewohnern der Erholungsanlage, ist die Planung so festgefahren, dass auch eine wöchentliche Bürgersprechstunde nicht viel brachte.

Stadtplaner sollen „Testentwürfe“ für Blankenburger Süden entwickeln

„Die Proteste kann ich vollkommen verstehen, da Frau Lompscher die Anwohner verängstigt hat und auch keine Antworten auf die Fragen der fehlenden Infrastruktur gegeben hat. Ohne gute Verkehrsanbindungen, die vor dem Bau der Wohnungen stehen müssen, kann man nicht bauen“, erklärt der wohnungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Gräff. Die Verschiebung der Gesamtplanung für den Blankenburger Süden nennt er „ein Zeichen für die Unfähigkeit der Stadtentwicklungssenatorin, die einmal mehr für steigende Mieten in Berlin mitverantwortlich“ sei.

Die Senatsverwaltung wiederum will Anwohnerproteste auch dadurch auflösen, indem man von Stadtplanern „Testentwürfe“ und „Testplanungen“ entwickeln lässt. Sie würden die Grundlage für das endgültige Struktur- und Nutzungsprojekt bilden, heißt es.

Projekte am Pankower Tor und Michelangelostraße im Verzug

Auch im Bezirk Pankow ärgern sich Baupolitiker über mindestens zwei Jahre verlorene Zeit. „Pankow und Berlin brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum und die dazu gehörenden Schulen und Kitas. Deshalb muss die Entwicklung des Gebietes endlich entschlossen vorangetrieben werden“, warnt Almut Tharan von den Grünen vor einem Aufschub. „Statt zügig und stringent zu planen, brachte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Projekt durch schlechte Kommunikation in Schieflage“, kritisiert Tharan die Vorstellung des Projekts im März 2018, als von bis zu 10.000 Wohnungen die Rede war. Dieses Szenario sei längst verworfen, 6000 Wohnungen gelten als das Maximum, heißt es aus dem Hause Lompscher. Doch die Entscheidung über die endgültige Form des Neubaugebiets lässt weiter auf sich warten.

Es ist bereits die dritte deutliche Verzögerung bei der Planung von neuen Wohnquartieren in Pankow in diesem Jahr. Erst wurde der Baubeginn des Quartiers Michelangelostraße in Prenzlauer Berg mit nur noch 1200 der ursprünglich 2400 geplanten Wohnungen auf Ende der 2020er-Jahre nach hinten verlegt. Dann drang aus den Verhandlungen des Bezirksamts mit Investor Kurt Krieger durch, dass der Baubeginn am Pankower Tor für ein neues Stadtviertel mit 2000 Wohnungen, einem Möbelhaus und einer Mall nicht wie geplant im Jahre 2021 gelingen kann. Jetzt trifft es mit dem Blankenburger Süden das größte und wichtigste Projekt.