Naherholung in Prenzlauer Berg

Parkordnung - Mauerpark wird umgestaltet

Der Pankower Stadtrat will mehr Ordnung. Der Senat sammelt Ideen für eine Umgestaltung des Grünstreifens.

Anplanen gegen die Übernutzung: Der Mauerpark soll künftig nicht nur Touristen gefallen, sondern auch Anwohnern

Anplanen gegen die Übernutzung: Der Mauerpark soll künftig nicht nur Touristen gefallen, sondern auch Anwohnern

Foto: Thomas Schubert

Berlin-Besucher aus aller Welt wundern sich beim sonntäglichen Spaziergang im Mauerpark über schräge Stimmen beim Karaoke im Amphitheater, trampeln über geschundene Wiesen, heben ihr Smartphone zum Selfie vor der bunt besprühten Mauer im früheren Todesstreifen.

Nun will Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (parteilos, AfD) dem wilden Treiben Einhalt gebieten. Wegen einer „zunehmenden Beschwerdelage“ veranstaltete das Ordnungsamt im Sommer zwei Schwerpunktkontrollen im Mauerpark – und stellte vor allem Verstöße gegen die Gewerbeordnung fest. Gemeint ist der illegale Verkauf von Getränken. Bußgelder seien dabei nur schwer zustellbar, weil viele der Verkäufer nicht in Deutschland gemeldet seien, sagte Krüger im Ausschuss für Ordnung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow. Verhindern müsse man künftig auch „das laute Abspielen von Musik im Park.“ Ausgenommen davon ist die Karaoke-Veranstaltung von Joe Hatchiban im Amphi-Theater, für die es eine Ausnahmegenehmigung gibt.

Das sonntägliche Chaos bändigen

Generell fordert Krüger, das sonntägliche Chaos mit einer Parkordnung zu bändigen. Was im Mauerpark erlaubt ist und was verboten, müsse der Bezirk mit der Senatsverwaltung für Umwelt gemeinsam festlegen, schlägt der Stadtrat vor. Zur Durchsetzung der neuen Ordnung will Krüger Parkwächter einsetzen lassen, die von der Senatsverwaltung für Umwelt finanziert werden müssten – wegen der gesamtstädtischen Bedeutung der Anlage.

Nutzungskonflikte sieht die Senatsverwaltung schon länger. Und will die Bedenken und Ideen von Anwohnern bei einer Neugestaltung einfließen lassen. So wird ab dem Jahre 2020 das Areal nicht nur in Norden erweitert. Denn dank fünf Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ kann die Senatsverwaltung auch das 11.000 Quadratmeter große Bestandsgelände zwischen Eberswalder Straße und Gleimtunnel aufwerten.

Die ersten Ideen der Parkbesucher werden derzeit gesammelt und sollen in eine Machbarkeitsstudie des Büros „Gruppe Planwerk“ einfließen, die zum Jahresende vorliegen soll. Aus Sicht von Heinz Tibbe, dem zuständigen Stadtplaner für die Studie, gilt es gleich mehrere Grundsatzentscheidungen zu treffen. Die wichtigste: Was geschieht mit dem zentralen Weg des Mauerparks – der Schwedter Straße? Das grobe Kopfsteinpflaster stammt noch aus der Gründerzeit, als das Gelände zum damaligen Nordbahnof gehörte. „Vielleicht kann man hier eine neue Radwegeverbindung schaffen“, nennt Tibbe eine Möglichkeit. Zu diesem Zweck müsste man die Schwedter Straße wohl asphaltieren – und würde so das letzte Erbe aus der Kaiserzeit verfälschen.

Ein Schritt, den der Verein „Freunde des Mauerparks“ strikt ablehnt. „Dann würde sich der Radverkehr auf dem Weg stark beschleunigen. Konflikte mit Fußgängern wären programmiert“, warnt der Vereinsvorsitzende Alexander Puell. „Grundsätzlich wäre es schade, wenn man den ursprünglichen Zustand aus Gründen der Funktionalität verliert.“ Laut Heinz Tibbe wäre auch ein Kompromiss realisierbar: „Man fräst das Kopfsteinpflaster oberflächlich ab.“ Dann wäre es besser „berollbar“ und bliebe dennoch authentisch.

Urheberrecht muss bei der Planung beachtet werden

Wie stark man in die bisherige Parkgestaltung eingreifen kann, das ist auch eine Frage des Urheberrechts. Die „Freunde des Mauerparks“ verweisen auf die Pläne des Hamburger Landschaftsarchitekten Gustav, der Anfang der 90er-Jahre das heutige Erscheinungsbild konzipierte. Schon die Veränderung der bestehenden Wege könnte das Urheberrecht verletzten.

Am vertrockneten und zertrampelten Rasen zu beiden Seiten der Schwedter Straße zeigt sich aber, dass das alte Konzept angesichts des wachsenden Besucherandrangs nicht mehr passgenau ist. Helfen könnte der 654 Meter lange Stauraumkanal der Berliner Wasserbetriebe, der momentan unter dem Park gebaut wird. Bei starken Regenfällen sammeln sich hier bis zu 7400 Kubikmeter Wasser - Feuchtigkeit, die laut Senatsverwaltung für Umwelt auch dem Rasen zugute kommen soll. „Das Wiesengrün braucht künftig eine Bewirtschaftung“, erklärt Christine Kuhn, eine Planerin der Umweltverwaltung. Spätestens, wenn der Mauerpark im Norden erweitert wird, brauche es eine Pflege, die besser funktioniere als heute.

Bei den Überresten der Hinterlandmauer dürfte hingegen alles beim Alten bleiben. Was kaum jemand weiß: Obwohl Graffitikünstler jeden Tag neue Wandbilder malen, ist das Sprühen offiziell gar nicht erlaubt. Es werde aber vom Bezirk toleriert, erklärt Wolf Sasse vom Grünflächenamt. Denn wenn man das Sprühen verbiete, müsste man die aktuell aufgemalten Graffitimotive als Teil des Denkmals erhalten. Dazu sei der Bezirk nicht in der Lage.

Ideen zur Neugestaltung des Parks kann man der Senatsumweltverwaltung noch bis zum 21. September online mitteilen unter: Mein.Berlin.de

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