Das Mammut gilt eigentlich als ausgestorben. Doch ein ausgewachsenes Exemplar gibt es noch in Deutschland. „Mammut“ so heißt einer von zwei sogenannten Schnellumbauzügen der Bahnbau-Gruppe. Ihr Auftrag: in besonders hohem Tempo Schienen verlegen. Am Donnerstag machte SUZ 314, wie der Zug in der Bahn-Terminologie ganz unprosaisch heißt, Station in Berlin. Bei seinem nur eintägigen Einsatz – am heutigen Freitag geht es schon weiter nach Sachsen-Anhalt – verlegte die mehr als 110 Meter lange und GPS-gesteuerte Baumaschine am Karower Kreuz rund 1300 Meter neue Gleise.

Eile war dort durchaus geboten. Denn am heutigen Freitag und damit rechtzeitig zum Ferienende soll die fast achtwöchige Vollsperrung des S-Bahnverkehrs im Berliner Nordosten aufgehoben werden. Rund 80.000 von Ersatzverkehr betroffene Bahnkunden, vor allem Berufspendler aus dem Berliner Nordosten sowie dem brandenburgischen Umland, können hoffentlich aufatmen. Ein kleines Restrisiko bleibt allerdings.

Erst in der Nacht zu Freitag – kurz nach 2 Uhr – soll die entscheidende Abnahmefahrt für den wieder aufgebauten Gleisabschnitt zwischen Blankenburg und Karow erfolgen. Und nur wenn die Prüfer ihr Okay geben, dürfen über die neuen Brücken und Gleise auch Züge mit Fahrgästen an Bord fahren. Bahn-Projektleiter Jens Kulecki ist da aber sehr zuversichtlich: „Ich bin sicher, das wird alles klappen“, sagte er am Donnerstag bei einem Vor-Ort-Termin auf der Baustelle.

Größter Bauplatz der Deutschen Bahn in Berlin

Seit Anfang 2017 schon ist das sogenannte Karower Kreuz der aktuell größte Bauplatz der Deutschen Bahn in Berlin. Bereits 1992 war die Modernisierung des wichtigen Bahnknotens beschlossen worden. Vor allem eine seit Kriegsende bestehende Eingleisigkeit im Bereich Blankenburg macht das Karower Kreuz zu einem besonders störanfälligen Engpass für den Bahnverkehr der Hauptstadt. Doch erst fehlte für den Umbau das Geld, dann die nötigen Plangenehmigungen. Erst 2016 war dann beides da.

Insgesamt investieren der Bund und die Deutsche Bahn rund 200 Millionen Euro in das Projekt, weitere 200 Millionen Euro kostet die parallel dazu begonnene Erneuerung der gut 100 Jahre alten Stettiner Bahn. Bis 2025 sollen auf der Bahntrasse zwischen Berlin-Buch und Bernau (Barnim) 13 altersschwache Eisenbahnüberführungen nach und nach durch Neubauten ersetzt werden.

Über die Gleise am Karower Kreuz fahren im Normalfall nicht nur S-Bahnzüge der wichtigen Pendler-Linien S2 (Blankenfelde–Bernau) und S8 (Zeuthen–Birkenwerder), sondern auch die ICE nach Rügen, die Regionalexpresszüge nach Rostock (RE5) und Stralsund (RE3) sowie der umfangreiche Güterverkehr in Richtung Schwedt (O.) und nach Stettin.

Einschränkungen für Fern- und Regionalverkehr bleiben

Während die S-Bahn-Fahrgäste ab Freitag wieder auf einen durchgehenden Zugverkehr und damit auf eine Reisezeitverkürzung von bis zu einer halben Stunde pro Richtung hoffen können, werden die Einschränkungen für den Fern- und Regionalverkehr noch eine Weile bestehen bleiben. Laut Projektleiter Kulecki kann der Regionalexpress 5 ab 30. August wie gewohnt über den Bahnknoten fahren. Derzeit beginnen und enden die Stralsunder Fahrten des RE5 in Oranienburg (Oberhavel). Die RE3-Züge (und auch einige Fernzüge) werden noch bis zum 12. Oktober über Lichtenberg zum Hauptbahnhof umgeleitet. Bei einer Direktfahrt über Karow verkürzt sich deren Fahrzeit um gut 20 Minuten.

Allerdings: Die nächsten Sperrungen sind bereits angekündigt. So wird der Zugverkehr der S2 am zweiten Septemberwochenende von Freitagabend bis Montagfrüh unterbrochen – „für Restarbeiten“, wie Projektleiter Kulecki sagte.

Im nächsten Sommer soll zudem neue elektronische Signal- und Sicherungstechnik in Betrieb genommen werden. Und es stehen weitere Brückenabrisse an der Trasse an. Geplant sind Sperrungen an insgesamt zwölf Wochenenden. „Aber fast acht Wochen ohne S-Bahn soll es nicht noch einmal geben“, verspricht Projektchef Kulecki.

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