WC-Probleme

Nur ein funktionierendes WC im Park am Weißen See

Das Toilettenhäuschen am Spielplatz ist seit Monaten geschlossen. Ein WC-Besuch im Restaurant kostet einen Euro.

Am Weißen See gilt Badeverbot an freien Badestellen – doch daran hält sich an heißen Tagen fast niemand

Am Weißen See gilt Badeverbot an freien Badestellen – doch daran hält sich an heißen Tagen fast niemand

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Es ist ein menschliches Bedürfnis. Und wer auf den ärztlichen Rat hört und an heißen Tagen viel trinkt, besucht umso öfter ein stilles Örtchen. Im Park am Weißen See sollte man aber entweder gut einhalten können oder auf Geiz verzichten. Denn das einzige frei zugängliche WC am See befindet sich im Keller des Restaurants „Milchhäuschen.“ Und der Eigentümer verlangt für alle, die keine Gäste sind, einen Euro pro Person und Toilettengang. Notgedrungen.

Mitbetreiber Oswald Wachenbrönner ist mit der Situation selbst alles andere als glücklich. Die hohe Toilettengebühr sieht er als Schutz vor der totalen Überlastung. „Wenn sich an einem warmen Tag über 5000 Menschen im Park aufhalten und es weit und breit nur ein funktionierendes Klo gibt – das kann doch nicht sein.“ Zwar befindet sich nebenan ein öffentliches Toilettenhäuschen am Spielplatz mit Plansche.

Laut Bezirksamt Pankow bleibt es in diesem Jahr allerdings geschlossen – weil sich niemand findet, der hier putzt. „Die mit der Reinigung beauftragte Firma kann die Arbeiten derzeit nicht durchführen, da die Firma kein Personal findet und offene Stellen nicht besetzen kann. Eine neue Ausschreibung der Reinigungsleistung ist vorbereitet und soll ab dem 1. Januar 2019 wirksam werden“, erklärt die Referentin des Stadtrats Vollrad Kuhn (B’90/Grüne). Generell sei es dem Bezirk nicht möglich, „aus den viel zu knappen Mitteln für Grünanlagen noch zusätzlich Toiletten zu finanzieren“. Also heißt es bis zum Ende des Sommers: Anstehen am Restaurant „Milchhäuschen“, wildpinkeln oder heimfahren, wenn die Blase drückt.

Fehlende Klos und zu wenig Grün für zu viele Menschen – auch aus Sicht des Vereins Parkfreunde Weißensee sind das die drängendsten Probleme. „Nimmt man die massive Übernutzung des Parks, die steigende Zahl der Ausflugs- und Badegäste, die zunehmend heißen Sommer und die sinkende Leistung der Wasserpumpe, kann man sich ausrechnen, wann der See das nächste mal kippt“, warnt der Vorsitzende Tibor Bogun. Zwar gebe es an der Berliner Allee noch ein Toilettenhäuschen der Firma Wall – doch das sei kaum bekannt und vom Ufer, an dem sich die meisten Parkbesucher aufhalten, weit entfernt.

Obwohl das Baden im Weißen See nur im kostenpflichtigen Strandbad erlaubt ist, steigen in diesen Tagen Hunderte Parkbesucher an frei zugänglichen Stellen ins Wasser. Mit unübersehbaren Folgen. „An den plattgetrampelten Stellen wächst kein Gras mehr“, klagt Olaf Krüger, der in der Nachbarschaft lebt. Seit den letzten Sanierungsarbeiten in den 90er-Jahren seien Verfallserscheinungen überall am 1,3 Kilometer langen Rundweg zu besichtigen. Von der verdorrten Uferböschung bis zum verwaisten Tiergehege.

„Die Sauberkeit des Parks hat sich stark verbessert“

Immerhin gibt es in Sachen Müll inzwischen kaum noch Grund zum Klagen. Seitdem die BSR rund um den See im Rahmen des Parkpflegeprojekts für Sauberkeit sorgt, gehören überfüllte Abfallkörbe der Vergangenheit an.

Seit Juni hängen am Rundweg zusätzliche Mülleimer, die täglich geleert werden. „Die Sauberkeit des Parks hat sich stark verbessert“, stellt Tibor Bogun von den Parkfreunden fest. Doch er sieht weiteren Handlungsbedarf. „Wir plädieren für die Renaturierung von Uferbereichen und der ausgewiesenen Liegewiesen. Das Grillverbot sollte konsequent durchgesetzt werden“, wünscht sich Bogun vom Bezirksamt.

Für das nächste Jahr dürfen Parkbesucher immerhin eine Verbesserung erwarten: Geplant ist die komplette Erneuerung des Spielplatzes an der Plansche, einschließlich des geschlossenen Toilettenhäuschens. Im Rahmen des Parkentwicklungskonzepts von 2016 sind zwar laut der Abteilung Stadtentwicklung noch elf andere Sanierungsmaßnahmen vorgesehen. Doch für die Umsetzung fehlt das Geld.

Badesaison 2018:

Verlängerung

Die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) werden nur das Sommerbad am Insulaner länger als geplant öffnen, bis zum 16. September. So lange sind auch das Strandbad Wannsee, das Wilmersdorfer und das Kreuzberger Freibad geöffnet. Doch das war bereits so vorgesehen. Alle Sommerbäder bis auf das in Staaken (letzter Tag dort ist der 19.8.) haben bis zum 2. September geöffnet. Verpachtete Freibäder haben eigene Termine (www.berlinerbaeder.de).

Grund

Um den Versorgungsauftrag für den Schul- und Vereinssport zu gewährleisten, wird das Personal in den Hallen benötigt. Am 27. August beginnt dort das Schulschwimmen. Laut BBB-Sprecher Matthias Oloew werden in diesem Sommer mehr als zwei Millionen Gäste erwartet. Mehr als doppelt so viele wie 2017.

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