Die Augen brennen, der Rücken schmerzt und den Nacken braucht man gar nicht erst erwähnen. Allen, die im Büro arbeiten und viele Stunden vor dem Computer sitzen, dürfte dieses Szenario nach einem Arbeitstag bekannt vorkommen. Sofia Avgenaki kennt das Problem, hat durch die Verspannungen mittlerweile Kopfschmerzen. Ein Grund für sie, die Übungen von Trainer Jens Ulmann durchzuführen und Tipps zu beherzigen. Im Rahmen der Aktion „Sport im Park“ zeigt er den Teilnehmern, was sie tun müssen, damit der Schmerz gar nicht erst entsteht.
Im vergangenen Jahr hat der TSV Wittenau zum ersten Mal zwischen Mai und August 40 unterschiedliche Kurse an unterschiedlichen Orten in Reinickendorf angeboten. Das Besondere: Alle sind kostenfrei, bedürfen keiner Anmeldung und sind draußen an der frischen Luft. „Dieses Jahr haben wir die Anzahl zwar auf 20 reduziert, bieten aber jetzt auch am Wochenende etwas an“, sagt Stephanie Panzig, Abteilungsleiterin für Rehasport beim TSV Wittenau.
Außerdem seien 2017 viele Kurse parallel gelaufen, was viele Teilnehmer bedauert hätten. Die Intention dieser Veranstaltung begründet Stephanie Panzig so: „Wir versuchen so auf den TSV Wittenau und die Kurse aufmerksam zu machen, damit einige im Anschluss zu uns kommen.“
„Bewegter Büroalltag“ ist einer der Kurse, die derzeit im Freien stattfinden. Seit Mai treffen sich Menschen jeden Dienstag zwischen 10 und 11 Uhr auf der Wiese gegenüber dem Rathaus am Eichborndamm, Ecke Taldorfer Weg. „Jetzt stellen wir uns eine überdimensionale Uhr vor, schließen die Augen und bewegen diese zu der Zeit, die ich ansage“, sagt Trainer Ulmann, „wenn es bei 12 Uhr etwas flackert, ist es normal. Unsere Augen haben sich durch die Arbeit oder das Smartphone eher daran gewöhnt, nach unten zu schauen.“
Trainiert wird alles, was bei der Arbeit am Schreibtisch vernachlässigt wird
Neben dem Training der Augenmuskeln, werden die Gelenke mobilisiert, die Muskeln gedehnt und auch gekräftigt – Schultern, Nacken, Beine, Hände und Finger, also alles, was bei der Arbeit am Schreibtisch vernachlässigt wird. „Die Muskulatur wird nicht mehr so genutzt wie früher. Menschen bewegen sich kaum noch, Muskeln bauen ab, wodurch ein Ungleichgewicht entsteht, was eben zu Schmerzen führt“, erklärt der Trainer vom TSV Wittenau, der hauptberuflich als Heilpraktiker tätig ist.
Eine Übung folgt der nächsten, doch von einer stupiden Abfolge keine Spur. Jens Ulmann weiß, wie er die Teilnehmer motiviert, hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, ohne den Ernst auf den Augen zu lassen.
„Es macht viel Spaß draußen in der Natur“, sagt Sofia Avgenaki. Sie sei zwar im Fitnessstudio angemeldet, im Park Sport zu machen sei aber ein schöner Ausgleich. „Zu diesem Kurs komme ich immer, da lasse ich alles stehen und liegen“, sagt die Reinickendorferin, die schon vorher bei „Fit und Gesund“ mitgemacht hat. „Wenn ich schon Sport mache, dann richtig.“ Kaum ausgesprochen, legt sie ihre Hand an den Kopf und zieht diesen leicht Richtung Schulter. „Ganz wichtig: Unsere Komfortzone sollten wir zwar verlassen, aber keine Schmerzen haben“, ruft Jens Ulmann gegen den Wind, „wir wollen uns bei jeder Übung wohlfühlen.“
Eine Stunde später ist Sofia Avgenaki die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Ich habe keine Kopfschmerzen mehr. Ich fühle mich auch wesentlich beweglicher.“ Genau so geht es vielen. Nach nur ein paar Übungen fühlen alle eine deutliche Verbesserung. „Ihr müsst das regelmäßig machen, damit es auch so bleibt“, gibt Jens Ulmann allen mit auf den Weg. Der Trainer ist begeistert, wie viele das Angebot wahrnehmen und immer wieder kommen. „Die meisten Gesichter sehe ich jede Woche“, sagt er.
Das Angebot wurde bis Mitte September verlängert
Aufgrund der guten Resonanz wurde das Projekt verlängert und geht anstatt bis Ende August jetzt bis zum 22. September. „Sport im Park“ ist dieses Jahr ein Teil des Programms „Stark im Park“, das von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung für ganz Berlin organisiert wird.
Im Jahre 2017 war es noch eine Kooperation zwischen den drei Berliner Sportvereinen TSV Berlin-Wittenau, VfB Hermsdorf und VfL Tegel, finanziert durch die Senatsverwaltung für Inneres und Sport sowie der AOK Nordost als Gesundheitspartner.
Alle Kurstermine und Orte stehen auf der Seite www.starkimpark.berlin.de oder beim TSV Wittenau unter Tel. 415 68 67.


