Der Himmel versteckt sich hinter einem Gerüst. Statt Sterne gibt es viel Stahl zu sehen, statt wissenschaftlicher Vorträge ist der Lärm vom Bau des Tragwerks zu hören. Seit April 2014 ist das Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee geschlossen. Nach 26 Jahren war es Zeit für eine umfassende Sanierung und Modernisierung.
Jetzt ist Halbzeit auf der Baustelle – das nimmt der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller (SPD) zum Anlass, um sich vor Ort über den Baufortschritt und die neue inhaltliche Ausrichtung nach der Wiedereröffnung im Frühsommer 2016, zu erkundigen.
Zugang zu den Naturwissenschaften
Tim Florian Horn, seit zwei Jahren Leiter des Zeiss-Großplanetariums, hat eine Vision: Unter der markanten Kuppel in Prenzlauer Berg soll eines der modernsten Wissenschaftstheater Europas entstehen. „Ich will künftig alle wissenschaftlichen Themen präsentieren“, sagt Horn.
So sollen auch Phänomene aus der Chemie, Biologie, Geologie, Medizin, Kultur und Musik erklärt werden. Gemeinsam mit der Charité bereitet der Planetariumschef gerade einen EU-Förderantrag für ein Projekt vor, das ermöglicht, die Funktionen des menschlichen Gehirns zu erklären. Der Besucher wird sich dabei fühlen, als ob er mitten durch das Zentralnervensystem spaziert. Wissenschaftlich begleitet wird der Rundgang von einem Neurowissenschaftler.
Aber auch Schulklassen werden noch stärker berücksichtigt. „Über die Astronomie können die Kinder einen spannenden Zugang zu den naturwissenschaftlichen Fächern bekommen“, sagt der Leiter.
Reise ins Universum
Wichtigste Voraussetzung für die Umsetzung der Pläne ist die neue Technik, die in die Kuppelhalle eingebaut wird. Dazu gehören ein neuer Sternprojektor, der speziell für das Planetarium modifiziert wurde und Videoprojektoren für eine 360-Grad-Ganzkuppelprojektion, auch Fulldome genannt. „Die Verbindung aus analogem Sternprojektor und digitalem Planetarium ermöglicht es den Besuchern in Zukunft nicht nur die Sterne von der Erde aus zu sehen, sondern auch die Erde und das Sonnensystem zu verlassen und dreidimensional durch das Universum zu reisen“, sagt Tim Florian Horn.
Für den Umbau und die Modernisierung stellt das Land Berlin 12,8 Millionen Euro zur Verfügung. Neu gestaltet wird auch das Foyer. Zwar soll das alte Flair erhalten bleiben. Aber es wird erweitert um ein Café, ein Restaurant und ein neues Besucherinformationssystem.
Eigentlich sollte das Planetarium bereits 2015 wieder eröffnen. Doch ein Rechtsstreit um einen Auftrag brachte die Sanierungsarbeiten ins Stocken. Zunächst musste eine Entscheidung des Kammergerichts abgewartet werden. Die namensgebende Carl Zeiss AG hat sich erfolgreich dagegen gewehrt, dass der Auftrag für den neuen Sternprojektor an ein US-amerikanisches Unternehmen geht. Für etwa 2,7 Millionen Euro liefert jetzt Zeiss die digitale Projektionstechnik.




