Handel

Karstadt am Kudamm wird zum Einkaufszentrum umgestaltet

Berlins größter Privatinvestor Harald Huth soll das bekannte Karstadt-Warenhaus am Kurfürstendamm neu gestalten. Branchenkenner gehen von einem Komplettabriss des 70er-Jahre-Gebäudes aus.

Am Leipziger Platz in Mitte baut Harald Huth gerade für 850 Millionen Euro eine gigantische Einkaufsmeile mit angegliedertem Wohnquartier. Jetzt greift Berlins größter Privatinvestor nach einer absoluten Premium-Immobilie. Das Karstadt-Warenhaus am Kurfürstendamm soll unter der Führung des erfahrenen Projektentwicklers, der unter anderem auch die Shopping-Center „Das Schloss“ in Steglitz sowie die Gropiuspassagen in Neukölln errichtet hat, komplett neu gestaltet werden.

Eigentümer des Warenhauses ist der Österreicher René Benko, der zusammen mit Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen bereits die Betreibergesellschaft Karstadt-Premium unterhält. Benko ist für das Projekt am Kurfürstendamm eine Allianz mit Huth eingegangen. Seit gut einem dreiviertel Jahr laufen die Planungen zur Neuausrichtung der Immobilie bereits, heißt es in mit der Materie vertrauten Kreisen. Es seien derzeit noch verschiedene Varianten in der Prüfung. Die radikalste sehe den Komplettabriss des ehemaligen Wertheim-Gebäudes aus den 70er-Jahren vor, das 1983 mit einem vorgesetzten Bogenfenster versehen und 1991 mit einer Glasetage aufgestockt wurde. Branchenkenner gehen davon aus, dass Huth diese Variante bevorzugt.

Vom Warenhaus zum Einkaufszentrum

Bekannt sei der Mann schließlich für seine Neubauten und nicht für die Revitalisierung alter Gebäude, heißt es. Zudem hat das Karstadt-Erdgeschoss zwar eine ausreichende Deckenhöhe. Die oberen Stockwerke sind dagegen nach heutigem Zeitgeschmack zu niedrig. Hintergrund der Planungen ist der Umbau des Warenhauses zu einer Shopping Mall. Dazu soll Huth auch mit den Eigentümern umliegender Häuser verhandeln. So will der Projektentwickler offenbar das Haus neben Karstadt, am Kurfürstendamm 229 erwerben, in dem derzeit unter anderen Orsay Mieter ist.

Das Gebäude aus den 70ern grenzt direkt an C&A. Huth hätte durch den Zukauf die Möglichkeit, auch den Innenhof zu überbauen und so deutlich mehr Fläche zu gewinnen. Im Gespräch ist nach Insider-Informationen auch der Zukauf des denkmalgeschützten Hauses an der Rankestraße 5-6, in dem neben anderen die Techniker Krankenkasse Mieter ist.

„Heute nicht mehr zeitgemäß“

Zusammen mit dem riesigen Parkhaus an der Augsburger Straße mit dem Karstadt-Bettenhaus im Erdgeschoss hätte Harald Huth damit die Chance, ein großes Einkaufszentrum mit 50.000 bis 70.000 Quadratmetern Nutzfläche zu errichten. Neben Handel sollen auch ein Fitnesscenter sowie ein Foodcourt – eine offene Gastromeile mit Restaurants und Imbiss-Ständen – Platz finden. Beide Nutzungen würden nicht als Handelsfläche gelten. Das derzeitige Karstadt-Warenhaus hat mehr als 30.000 Quadratmeter Handelsfläche. Planungsrechtlich könnte das neue Center damit möglicherweise sogar ohne ein Bebauungsplanverfahren realisiert werden.

Marc Schulte (SPD), Baustadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, möchte sich zu dem konkreten Vorhaben nicht äußern. Der Block um Karstadt zwischen Kurfürstendamm, Augsburger Straße und Rankestraße biete jedoch eine Menge Potenzial. „Das ist alles sehr geschlossen und von außen nicht wahrnehmbar“, sagte Schulte der Berliner Morgenpost. Insbesondere die hohe Parkhausfront entlang der Augsburger Straße mache einen abweisenden Eindruck. „So etwas ist heute nicht mehr zeitgemäß“, sagte Schulte.

Eine ungewollte Konkurrenz für anderen Vorhaben in der City West wie zum Beispiel das Neue Kudamm-Karree sieht der Baustadtrat in einem ausgebauten Karstadt-Standort nicht. Nach Plänen des Architekten David Chipperfield will die irische Ballymore Group den Komplex zwischen Kurfürstendamm, Uhlandstraße und Lietzenburger mit dem 20 Stockwerke hohen Bürohochhaus zum Wohnturm umbauen und um ein Shoppingcenter mit rund 33.000 Quadratmetern Handelsfläche und Theater ergänzen. Wenn Huth für Karstadt konkrete Pläne vorlege, werde es darüber ohnehin eine breite Diskussion geben – auch mit den Gewerbetreibenden der City West, kündigte Bezirkspolitiker Schulte an.

Harald Huth war am Freitag für eine Stellungnahme zu dem Projekt nicht zu erreichen. Einzelhandels- und Immobilienexperten befürworten einen erwarteten Deal zwischen ihm und Benko übereinstimmend.

Starke Nachfrage nach Handelsfläche am Kudamm

„Der Kurfürstendamm entwickelt sich sehr positiv. Die Nachfrage nach Handelsflächen ist deutlich größer als das Angebot“, sagte etwa Andreas Malich, Einzelhandelsexperte beim Immobiliendienstleister CBRE. Von einer „wunderbaren Entwicklung, die die Region um den Kurfürstendamm weiter aufwerten wird“, spricht auch Gottfried Kupsch von der AG City. Von der Karstadt Warenhaus GmbH war zu einem möglichen Umbau oder Abriss des Hauses am Kurfürstendamm keine Stellungnahme zu erhalten. Nach der Insolvenz im Jahr 2009 unter dem Dach von Arcandor hatte der Investor Nicolas Berggruen Karstadt übernommen.

Der Konzern ist inzwischen in drei Sparten aufgeteilt: Warenhäuser, Sports und Premium mit den Luxuskaufhäusern KaDeWe, Alsterhaus Hamburg und Oberpollinger in München. Im September hatte Berggruen überraschend die Mehrheit an Karstadt-Premium René Benkos Signa-Gruppe überlassen. Seither wird über Berggruens Rückzug auch aus dem Stammgeschäft spekuliert. Zur Warenhaussparte gehören in Berlin neben dem Flaggschiff am Kurfürstendamm sechs weitere Karstadt-Häuser.