Es ist nach Mitternacht. Die zweite Nacht in Folge, in der es mir schwerfällt Schlaf zu finden, abzuschalten. In Anbetracht des Krieges, der Gewalt, der schrecklichen Situation in Gaza und Israel kein Wunder. In Folge des Krieges kommt es auch in Berlin seit Tagen zu Konflikten und Ausschreitungen. Gerade eben hat es wieder laut geknallt.

Ich setze meine Kopfhörer auf, schalte Musik ein und drehe die Lautstärke hoch. Mein Versuch, das nicht abreißen wollende Orchester von Polizeisirenen und lauten Rufen auszublenden, das von der Straße in mein Zimmer dringt. Ich nehme einen Roman vom Nachttisch und versuche zu lesen. Es knallt nochmal. So geht es schon seit Stunden.

Ich stehe aus dem Bett auf und tigere durch die Wohnung. Ich wohne in Neukölln, nicht weit entfernt von der Sonnenallee, Ecke Pannierstraße. Was geht da gerade draußen vor sich, direkt vor meiner Haustür? Angst löst es nicht aus. Aber definitiv ein ungutes Gefühl. Ich schreibe einer Freundin eine kurze WhatsApp: „Hier in Neukölln geht es noch immer voll ab. Ist schon irgendwie bisschen gruselig“. Ich denke an meinen kleinen Nachbarn. Er ist sechs Jahre alt, erst vor kurzem hatte er seinen ersten Schultag. Ob er wohl schlafen kann? Wahrscheinlich nicht. Ihm und all den Kindern in der Nachbarschaft muss die ganze Situation sicher Angst bereiten.

Berlin-Neukölln: „Angespannt“ trifft es am besten.

Auf meinem Nachhauseweg, am früheren Abend, bin ich vorbei an brennenden Barrikaden, vorbei an Wasserwerfern der Polizei zu meiner Wohnung gelaufen. Vorbei an aufgebrachten Demonstrierenden und Einsatzkräften. Pyros flogen durch die Luft.

Per WhatsApp schreibt mir meine Tante, die in Süddeutschland wohnt, wie die aktuelle Situation in Berlin ist. Die Berichte in den Nachrichten hätten sie beunruhigt. Ich weiß nicht, was ich antworten soll. Reagiere mit einem vagen „angespannt“. Das trifft es am besten.

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Schon wiederholt an diesem Abend checke ich X, ehemals Twitter. Die Berliner Polizei schreibt, dass den Aufforderungen, die Versammlung aufzulösen, nicht nachgekommen wird. Dass weiterhin brennende Gegenstände wahllos auf die Straße geworfen werden. Ein Balkon an der Donau-, Ecke Reuterstraße, hätte Feuer gefangen, wurde von Einsatzkräften gelöscht. Das passiert gerade in meiner direkten Nachbarschaft. Es sind beunruhigende Zeiten. Ich lege mich wieder hin. Draußen geht es weiter. Was, wenn sich die Situation noch zuspitzt? Irgendwann schlafe ich doch noch ein.