Müll-Posse

Die seltsamen Wege des Mülls in Neukölln

Die Saalestraße ist einer von sieben Müll-Hotspots in Neukölln. Dort bewegt sich Sperrmüll auf wundersame Weise über Zäune hinweg.

Vor einer Woche lag der Müll, darunter mehrere alte Matratzen, noch vor dem Bahn-Zaun an der Saalestraße in Neukölln.

Vor einer Woche lag der Müll, darunter mehrere alte Matratzen, noch vor dem Bahn-Zaun an der Saalestraße in Neukölln.

Foto: Nina Kugle

Berlin. Ausrangierte Matratzen, alte Autoreifen, kaputte Fernseher. Dazwischen unzählige große blaue Müllbeutel, teils aufgerissen, so dass sich der Unrat über die Straße und den Gehweg verteilt. In Neukölln ist das keine Seltenheit.

Unmittelbar vor dem Zaun, der die Saalestraße von der S-Bahn-Trasse trennt, liegt meist haufenweise Müll. Das Problem hier bei der Abfallbeseitigung: Die Müllberge betreffen verschiedene Zuständigkeiten. Hinter dem Zaun ist die Deutsche Bahn (DB) verantwortlich, für die Straße davor die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR).

Doch nun ist Sonderbares an der Saalestraße passiert: Bis Anfang vergangener Woche stapelten sich vor dem Zaun gleich mehrere alte Matratzen, verkrustete Farbeimer und Müllsäcke. Doch die sind nun seit dem Wochenende auf fast schon wundersame Weise über den Zaun auf das Bahn-Grundstück gewandert.

Aus dem Rathaus hieß es jedenfalls, dass man nicht wisse, wer den Sperrmüll über den Zaun geworfen habe. War es ein Anwohner, der den Anblick einfach nicht mehr ertragen konnte – schließlich standen die Matratzen, angelehnt an ein Werbeplakat, seit mehreren Wochen schon hier? Oder war es ein Autofahrer, der auf Parkplatzsuche war und die Platzhalter beiseite räumte? Oder wollte etwa jemand der BSR Arbeit ersparen und warf den Müll auf die S-Bahn-Seite, die nun zuständig wäre für die Beseitigung? Spekulieren könnte man darüber wohl ewig.

Deutsche Bahn: „Wir sind kein Müllentsorgungsunternehmen“

Nun aber liegen die alten Matratzen, Farbeimer und Müllsäcke auf dem DB-Grundstück. Und das wohl noch eine ziemlich lange Zeit. Denn die Bahn räumt hier nur sporadisch den Müll weg. „Wir wollen Eisenbahnbetrieb machen und sind keine Müllentsorger“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. „Der Müll entlang der S-Bahn ist eine unschöne Geschichte. Es ist aber nicht unsere erste Aufgabe, den zu entsorgen.“ In unregelmäßigen Abständen würde das gesamte Bahngelände gereinigt werden. „Mal im Sommer, mal im Winter, vielleicht auch mal im Herbst“, so der Sprecher weiter. Er verwies darauf, dass die Reinigung der Bahnstrecken aus technischen Gründen kompliziert sei. „Wir müssten den Betrieb einstellen oder nachts arbeiten“, erklärte der Sprecher weiter.

Und so müssen Anwohner wohl den Anblick von Müll hinter dem Zaun weiter aushalten. „Der Streifen entlang der S-Bahn, die parallel zur Saalestraße zwischen Unterführung (Ecke Niemetzstraße, Anm. d. Red.) fast bis zum Hostel am S-Bahnhof Neukölln reicht, erinnert an Regionen in Städten der Dritten Welt“, schrieb eine Leserin an die Berliner Morgenpost. Und weiter: „Die Böschung wird von Wildpinklern genutzt und der Anblick des Mülls und der Bauschuttberge ist ziemlich widerlich.“