Modeszene

Junge Designer eröffnen Pop-up-Shop in den Neukölln Arcaden

Am 3. März eröffnen 18 junge Designer einen Pop-up-Shop in Berlin. Drei Wochen lang gibt es Modenschauen, Workshops und Aktionen.

Modedesignerin Lisa Simpson arbeitet beim Nähen mit Soundeffekten

Modedesignerin Lisa Simpson arbeitet beim Nähen mit Soundeffekten

Foto: Amin Akhtar

Bevor sich Lisa Simpson an ihre Nähmaschine setzt, muss sie zahllose Kabel einstöpseln und Verstärker testen. Das nächste Stück Stoff liegt bereit. Es ist kaum zu sehen zwischen Keyboardtasten, Glöckchen und Rasseln, die an die Nähmaschine montiert worden sind. Mit dem Rattern der Nadeln setzen zugleich Soundeffekte ein. Lisa Simpson spielt die Nähmaschine. Kleid und Konzert gibt es im Duett. Ist das neue Teil fertig, ist auch das Musikstück zu Ende. Ein doppelter Kunstgenuss sozusagen.

Mit ihrer Näh-Performance ist die 32-Jährige vom 3. bis 26. März in einem neuen Pop-up-Shop in den Neukölln Arcaden, Karl-Marx-Straße 66, dabei, den sich 18 junge Designer teilen. Sie zeigen lässige Streetwear, elegante Alltagskleidung und Accessoires.

Unikate und Nachhaltigkeit sind die großen Themen in dem temporären Store. Viele Designer werden vor Ort sein und über ihre Kollektionen und ihre Arbeit Auskunft geben. In den drei Wochen sind Modenschauen, Workshops und Aktionen geplant. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) eröffnet den Pop-up-Store am 3. März, um 19 Uhr, mit den Designern.

Ein Netzwerk für Designer und Produzenten

Die meisten von ihnen, so erzählt Sabine Hülsebus, leben und arbeiten in Neukölln. Sie ist die Leiterin des Neuköllner Modenetzwerkes Nemona, das 2008 gegründet wurde und über EU-Mittel und die Wirtschaftsförderung finanziert wird. Ziel des Fashion-Netzwerkes ist es, Designer und Produzenten zusammenzubringen.

Etwa 150 Modeschaffende sind mittlerweile Teil des Netzwerks. Sie profitieren auch von Workshops, die von dem Netzwerk angeboten werden – zu ganz praktischen Themen wie Kostenkalkulation zum Beispiel. Aber eben auch von verschiedenen Events, wie Fashion-Weekends und jetzt dem Pop-up-Store, die Sabine Hülsebus organisiert.

In Neukölln hat sich mittlerweile eine eigene Modeszene entwickelt. "Es ist meine Aufgabe, den Bezirk als Modestandort zu etablieren", sagt Sabine Hülsebus. Natürlich habe sie nicht Mailand und Paris dabei im Blick. Es gehe darum, die kleinen Unternehmen zu stärken, die mehr Lust am kooperativen Arbeiten und weniger auf Konkurrenz hätten.

Zehn Designer mit gemeinsamem Verkaufsraum

In ganzen Straßenzügen reiht sich in Neukölln Atelier an Atelier, wie zum Beispiel an der Bürknerstraße. In der Sonnenallee 174 hat das Studio Hertzberg seinen Sitz, in dem seit Jahren bis zu zehn Designer zusammenarbeiten und ihre Kollektionen in einem gemeinsamen Verkaufsraum anbieten.

Zu ihnen gehören Lisa Simpson und Cristina del Yelmo. Die beiden sitzen morgens um zehn Uhr zusammen am Frühstückstisch, umgeben von Kleiderstangen, Zuschneidetischen, Regalen voller Stoffballen und vielen kleinen Arbeitsplätzen mit Nähmaschinen. Cristina del Yelmo teilt sich einen Raum mit drei weiteren Designern. Sie seien nie alle zugleich da, erzählt sie. Aber andererseits finde sie es gut, dass immer einer im Atelier sei, wenn sie etwas anderes vorhabe.

Die 30-jährige Spanierin lebt seit sieben Jahren in Berlin. Sie hat Politologie studiert und ist nach einem Praktikum in der Hauptstadt geblieben. Mode habe sie schon immer interessiert, erzählt sie. Früher hätte sie Modemagazine angeschleppt und ihre Mutter gebeten, ihr Kleider und Röcke nachzunähen.

Während sie einen Job in Berlin suchte, hat sie sich dann selbst an die Nähmaschine gesetzt. Freunde fanden ihre Sachen gut und "so hat sich das verselbstständigt", sagt die Designerin. Einen bestimmten Stil verfolge sie nicht: "Ich mache, wozu ich Lust habe." Gerade ist ihre Kollektion von dem Film "Planet der Affen" und der neonfarbenen Arbeitskleidung der Müllmänner inspiriert. Ihre Models schickt sie mit Affenmasken über den Laufsteg.

Über ein Soundart-Praktikum zur Nähmaschinen-Musik

Lisa Simpson hingegen hat einen Master in Angewandter Kunst. Zur Musik, insbesondere zur Nähmaschinen-Musik, kam sie über ein Soundart-Praktikum. Die 32-Jährige ist in Brasilien geboren, in Kanada aufgewachsen und folgte ihrer Liebe nach Deutschland. Sie näht seit 20 Jahren. In der achten Klasse sei Nähen ein reguläres Unterrichtsfach in Kanada gewesen, und sie habe sofort Spaß daran gefunden, erzählt sie.

Ihr Metier ist das Upcycling: Die Designerin macht aus alten Kleidungsstücken, die oft aus gutem Tuch sind, neue modische Sachen. So entstehen Hüte aus alten Krawatten, Röcke aus Kleidern, Jacketts für Frauen aus Männermänteln.

Beide Designerinnen zeigen ihre Kollektionen im Pop-up-Shop. Sie freuen sich darauf, neue Leute kennenzulernen und auch auf den Austausch mit den anderen, sagen sie. Am 5. März sind sie selbst Gastgeber. Da öffnet das Studio Hertzberg an der Sonnenallee seine Türen für Besucher. Ab 15 Uhr können sie beim Winter-Sale eine musikalische Näh-Performance erleben: eine kleine Nähmusik.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.